zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

UNIQA: Private Krankenversicherung zwischen Prävention und neuen Versorgungskonzepten

UNIQA: Private Krankenversicherung zwischen Prävention und neuen Versorgungskonzepten

11. September 2026

|

8 Min. Lesezeit

|

Im Blickpunkt

Demografische Veränderungen, medizinischer Fortschritt, Digitalisierung und ein verändertes Gesundheitsbewusstsein stellen auch die private Krankenversicherung vor neue Aufgaben. Beim UNIQA KV-VIP Event am 9. September in Wien standen deshalb neben neuen Produkten vor allem grundsätzliche Fragen zur künftigen Organisation und Steuerung der Gesundheitsversorgung im Mittelpunkt. Einen Ausblick gab UNIQA zudem auf die neue Tarifgeneration in der stationären Krankenversicherung, die heute, 11. September 2026, startet.

Andreas Richter

Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 11.09.2026

Gesundheitsbewusstsein hat sich verändert

Zum Auftakt nahm Peter Prinz die Veränderungen im Umgang mit der eigenen Gesundheit in den Blick. Ernährung, Bewegung und Vorsorge hätten heute einen deutlich anderen Stellenwert als früher. Auch das Verhalten vor einem Arztbesuch habe sich verändert: Beschwerden und mögliche Diagnosen würden mittlerweile häufig vorab im Internet oder mithilfe von KI recherchiert. Hinter der humorvoll präsentierten Bestandsaufnahme steht eine Entwicklung, die auch für Krankenversicherer relevant ist: Patientinnen und Patienten werden zunehmend selbst aktiv und digitale Möglichkeiten verändern den Zugang zu medizinischen Informationen und Leistungen.

Ein Gesundheitssystem mit immer mehr Akteuren

Hans Aubauer, Group Health Insurance bei UNIQA, weitete den Blick auf die langfristigen Herausforderungen der Gesundheitsversorgung. Das heutige Gesundheitswesen sei hochspezialisiert, von zahlreichen Akteuren geprägt und strukturell komplex. Als wesentliche Entwicklungen nannte er die zunehmende Spezialisierung der Leistungserbringer, die Fragmentierung und Akademisierung, die Verlagerung in Richtung ambulanter Versorgung sowie den Markteintritt digitaler Plattformanbieter. Gleichzeitig verwies Aubauer auf den demografischen Wandel und steigende Anforderungen durch neue Diagnosen und medizinische Behandlungsmöglichkeiten. Als Beispiel für die Kostendynamik nannte er die Onkologie, wo einzelne Behandlungstage laut seinen Ausführungen Kosten von bis zu 100.000 Euro verursachen könnten. Auch eine weiterhin steigende Lebenserwartung sei keineswegs selbstverständlich. Neben medizinischen Entwicklungen müssten beispielsweise Kriege oder Umweltrisiken berücksichtigt werden. Aubauer formulierte vor diesem Hintergrund eine weitreichende Prognose: Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte die Finanzierung der Gesundheitsversorgung zu einer noch größeren Herausforderung werden als die Finanzierung der Pensionen.

Vier Hebel: Zugang, Steuerung, Prävention und Daten

Als Antworten auf diese Herausforderungen stellte Aubauer vier Hebel in den Mittelpunkt: Zugang, Steuerung, Prävention und Daten als Grundlage. Die theoretischen Antworten seien bekannt, schwierig bleibe jedoch deren Umsetzung. Fragmentierte Strukturen erschwerten es, entsprechende Lösungen in größerem Maßstab umzusetzen. Gerade bei der Prävention gehe es dabei nicht ausschließlich um komplexe medizinische Programme. Ernährung, Körpergewicht, Bewegung und Schlaf seien wesentliche Faktoren, bei denen Gesundheitsvorsorge ansetzen könne. Gleichzeitig verschwimmen nach Aubauers Einschätzung die bisherigen Grenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Digitale und persönliche Medizin werden stärker miteinander verbunden. Für die private Krankenversicherung bedeutet das aus seiner Sicht, dass sie ihre Aufgabe langfristig nicht allein über Versicherungsverträge erfüllen könne. Zugang zu Gesundheitsleistungen und eine stärkere Steuerung der Versorgung würden an Bedeutung gewinnen.

Digitalisierung: Deutschland holt auf, Österreich baut öffentliche Steuerung aus

Eine zentrale Rolle spielen dabei Daten und digitale Gesundheitsangebote. Aubauer verwies darauf, dass die Möglichkeiten von KI wesentlich davon abhängen, welche Daten verfügbar sind. Mit dem European Health Data Space (EHDS) entsteht nach der bei der Veranstaltung gezeigten Darstellung ein einheitlicher EU-Rahmen für die primäre Nutzung von Gesundheitsdaten in der Versorgung und deren sekundäre Nutzung etwa für Forschung und Innovation. Vorgesehen sind zudem gemeinsame rechtliche und technische Standards sowie eine schrittweise Umsetzung. Beim Blick nach Deutschland verwies Aubauer auf die beschleunigte Digitalisierung der Versorgung. Digitale Gesundheitsanwendungen können dort über ein reguliertes Modell ärztlich verordnet und von der gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden. Hinzu kommen umfangreiche Investitionen in die IT-Modernisierung der Krankenhäuser.

Auch in Österreich sind Ansätze für eine stärkere Steuerung und Digitalisierung der Gesundheitsversorgung vorhanden. Aubauer nannte insbesondere die Gesundheitshotline 1450 als grundsätzlich richtigen Ansatz. Einer rascheren Weiterentwicklung stehen aus seiner Sicht jedoch fragmentierte Strukturen, unterschiedliche regionale Zuständigkeiten und Datenschutzthemen entgegen. Diese Rahmenbedingungen erschwerten es, Lösungen breiter umzusetzen und Innovationszyklen zu beschleunigen. Als weitere Entwicklungen wurden in der Präsentation Telemedizin, die elektronische Rechnungslegung von Wahlärzten sowie Präventionsanreize genannt.

Gesundheitsnetzwerk soll weiter ausgebaut werden

UNIQA will vor diesem Hintergrund auch die eigene Rolle in der Gesundheitsversorgung weiterentwickeln. Aubauer verwies auf bereits bestehende Versorgungspunkte, deren Zahl weiter ausgebaut werden soll. Ziel sei eine möglichst breite Versorgung in Österreich und keine Konzentration auf Wien. Dazu gehören Kooperationen, telemedizinische Angebote und Prävention über Gesundheitscoaches. Andrea Legat stellte in diesem Zusammenhang die Präventionsangebote von Mavie vor. Ziel sei es, gesundheitliche Probleme möglichst früh zu erkennen, Belastungen zu reduzieren und präventiv gegenzusteuern. Vedran Bijelac präsentierte zudem die Leistungen von cura domo im Bereich der 24-Stunden-Betreuung. Die Zusammenarbeit mit UNIQA umfasst unter anderem Unterstützung nach einem Krankenhausaufenthalt beziehungsweise nach einem Unfall sowie kurzfristige Betreuungslösungen.

Neue stationäre Tarife ab 11. September

Neben diesen grundsätzlichen Entwicklungen gab UNIQA einen Ausblick auf die nächste Produktgeneration. Julian Wedenig stellte die neuen stationären Tarife vor, die mit 11. September 2026 starten. Im Mittelpunkt stehen mehr Flexibilität und eine Vereinfachung der Produktwelt. Dazu gehören erleichterte Wechselmöglichkeiten sowie eine stärkere Digitalisierung der Risikoprüfung. Auch ambulante Leistungen sollen gestärkt werden. Genannt wurden unter anderem das telemedizinische Angebot DocOnline sowie eine Privatarzt-Variante mit 50-prozentiger Kostenerstattung und entsprechend günstigerer Prämie.

Bei den stationären Tarifen setzt UNIQA künftig auf vier Produktlinien: Flex Start, Flex Optimal, Flex Optimal Plus und Flex Premium. Sie unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich Leistungsumfang, Selbstbehalten und Möglichkeiten zur späteren Anpassung des Versicherungsschutzes.

Private Krankenversicherung bekommt zusätzliche Aufgaben

Die übergeordnete Botschaft des KV-VIP Events ging damit über die Vorstellung neuer Tarife hinaus: Ein zunehmend spezialisiertes und fragmentiertes Gesundheitssystem verlangt nach Lösungen für Zugang, Steuerung und Prävention – und nach einer geeigneten Datengrundlage. UNIQA sieht dabei auch für die private Krankenversicherung eine erweiterte Rolle. Für Versicherungsmakler dürfte damit neben klassischen Tarifmerkmalen zunehmend relevant werden, welche Gesundheitsservices und Versorgungsangebote mit einem Versicherungsschutz verbunden sind und wie der Zugang dazu organisiert wird.

Foto oben: Hans Aubauer, Group Health Insurance bei UNIQA

zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

sharing is caring

Das könnte Sie auch interessieren


Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

(Klicken um Kommentar zu verfassen)