Nach dem Auftakt der AssCompact Beratertage 2026 machte die Veranstaltungsreihe am 14. April Station in Salzburg. Rund 180 Teilnehmer kamen ins Wyndham Grand Salzburg Conference Centre, um sich über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen in der Versicherungs- und Vermittlungspraxis zu informieren und zum gemeinsamen Netzwerken.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 15.04.2026
Auch der AssCompact Beratertag Salzburg bot einen kompakten Mix aus Fachvorträgen und Weiterbildungsformaten. Im Wyndham Grand Salzburg Conference Centre spannte das Programm einen Bogen von rechtlichen Fragestellungen im Schadenfall über Themen wie Berufsunfähigkeit, Unfall- und Gesundheitslösungen bis hin zu KI-Anwendungen und aktuellen Entwicklungen aus der Standesvertretung.
Auch beim Beratertag Salzburg eröffnete Dr. Nora Michtner mit ihrem Vortrag zu typischen Irrtümern bei Fälligkeit und Verjährung im Schadenfall und zeigte auf, wo in der Praxis häufig Fristen falsch eingeschätzt werden. (Details dazu finden Sie im Beitrag zum Beratertag Wels)
KI-Anwendungen im Arbeitsalltag von Vermittlern
Gerhard G. Stockinger, Geschäftsführer der Stockinger Consulting GmbH und Keynote-Speaker bei den AssCompact Beratertagen 2026, zeigte in seinem Vortrag „Mehr Zeit für Kunden: 5 konkrete KI-Anwendungen für den Makleralltag“, wie generative KI im täglichen Arbeiten eingesetzt werden kann. Im Mittelpunkt standen konkrete Anwendungen, die sich in bestehende Abläufe integrieren lassen.
Zu Beginn verwies Stockinger auf die Rahmenbedingungen in der Versicherungsbranche und die Rolle der persönlichen Beratung.
„Die Versicherungsbranche ist ein Bereich, in dem KI nicht so leicht einzusetzen ist. Der Mensch ist wichtig, die Beratung ist wichtig, die persönliche Beratung spielt eine zentrale Rolle. Gleichzeitig halluziniert die KI teilweise und erzeugt Inhalte, die nicht stimmen müssen. Deshalb ist entscheidend, sie für die richtigen Aufgaben einzusetzen und nicht im direkten Kundengespräch“, erklärt Gerhard G. Stockinger.
Im weiteren Verlauf zeigte er typische Einsatzmöglichkeiten im Arbeitsalltag. Dazu zählen die Analyse und Priorisierung von E-Mails, die Aufzeichnung und Weiterverarbeitung von Gesprächen sowie das automatisierte Ausfüllen von Formularen. Auch die Erstellung und Überprüfung von Texten sowie die Nutzung von KI bei Recherchen wurden thematisiert.
Darüber hinaus wurden Anwendungen wie Telefonassistenten oder KI-gestützte Video- und Marketinglösungen angesprochen, die vor allem bei organisatorischen und vorbereitenden Aufgaben eingesetzt werden können.
Aktuelles aus der Standesvertretung
Im Rahmen der Diskussionsrunde „Aktuelles aus der Standesvertretung“ beim AssCompact Beratertag in Salzburg wurden zentrale Herausforderungen für Versicherungsmakler und Finanzdienstleister thematisiert. Moderator Ernst Vallant sprach mit Johannes Pfeifenberger, Fachgruppenobmann der Versicherungsmakler in Salzburg, sowie Daniel Reisinger, Fachgruppenobmann-Stellvertreter der Finanzdienstleister Salzburg, über aktuelle Entwicklungen und künftige Schwerpunkte.
Zu Beginn stand die Frage im Raum, welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig in der Branche spielen wird. Beide Vertreter sahen darin vor allem ein unterstützendes Instrument, nicht jedoch einen Ersatz für persönliche Beratung.
„KI verfolgt uns und wir experimentieren derzeit damit, um herauszufinden, wo sie sinnvoll eingesetzt werden kann. Es gibt viele Möglichkeiten, Zeit und Ressourcen zu sparen, aber man darf nicht vergessen, dass unser Markt stark auf persönliche Beratung ausgerichtet ist. Die Entscheidung für einen Abschluss liegt weiterhin beim Menschen und daran wird sich aus heutiger Sicht auch nichts ändern“, erklärte Pfeifenberger.
Auch Reisinger betonte den praktischen Nutzen, sah aber klare Grenzen im Einsatz gegenüber Kunden: „Das Thema KI beschäftigt die ganze Welt und natürlich auch unsere Branche, insbesondere im Hinblick auf Effizienz und Informationsbeschaffung. In der Vorbereitung von Beratungen kann man heute bereits sehr viele Daten und Analysen schnell abrufen. Ich kann mir aber aktuell nicht vorstellen, dass ein KI-System in Österreich die persönliche Kundenansprache vollständig übernimmt, weil dafür die Akzeptanz noch fehlt.“
Ein zentrales Thema blieb die Gewinnung junger Fachkräfte. Pfeifenberger sah hier vor allem die Kommunikation als entscheidend an und verwies auf Initiativen, um den Beruf sichtbarer zu machen: „Ein ganz aktuelles Thema ist die Verjüngung unserer Branche und die Frage, wie wir junge Menschen dafür gewinnen können. Wir gehen gezielt in Schulen und präsentieren den Beruf des Versicherungsmaklers, um ein realistisches Bild zu vermitteln und Feedback zu bekommen. Es geht auch darum, wie wir als Berufsstand wahrgenommen werden und ob wir attraktiv genug erscheinen.“
Reisinger verwies zudem auf die Entwicklung der Gewerbezahlen und hielt fest, dass noch mehr Menschen für den Beruf gewonnen werden müssen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf regulatorischen Anforderungen. Reisinger nannte dabei insbesondere Vorgaben aus Brüssel sowie laufende Anpassungen im Aufsichtsrecht: „Ein großes Thema ist alles, was aus Brüssel kommt, etwa mögliche Provisionsverbote in der Lebensversicherung oder neue Vorgaben im Wertpapierbereich. Dazu kommen laufende Änderungen durch Aufsichtsbehörden sowie strengere Anforderungen bei Kapitalausstattung und Geldwäscheprävention. Diese Themen betreffen vor allem kleinere Betriebe, die die Vorgaben im Alltag umsetzen müssen.“
Beim Thema Provisionsverbot sprach Pfeifenberger laufende Diskussionen auf europäischer Ebene und mögliche Auswirkungen an: „Aktuell betrifft die Diskussion vor allem die Lebensversicherung und wird auf europäischer Ebene intensiv geführt. Es gibt Überlegungen, stärker zwischen unabhängiger Beratung und gebundener Vermittlung zu unterscheiden, was Auswirkungen auf die Vergütung haben könnte. Für Versicherungsmakler ergibt sich daraus die Möglichkeit, sowohl mit Provisionen als auch mit Honoraren zu arbeiten, was ein zusätzlicher Handlungsspielraum ist.
Reisinger ergänzte, dass diese Entwicklungen auch die Finanzdienstleister betreffen: „Wir dürfen die fondsgebundene Lebensversicherung auch als Finanzdienstleister verkaufen, daher betrifft uns das Thema unmittelbar. Wir beobachten diese Entwicklungen sehr genau und hoffen, dass hier weiterhin im Sinne des Berufsstandes entschieden wird. Gerade im Bereich der Altersvorsorge ist das ein wesentliches Them.“
Impulsvorträge und Fachthemen – das weitere Programm im Überblick
Neben den Keynotes, dem Wissens Circle und dem Standesblock bot der Beratertag Salzburg ein kompaktes Programm an Fachvorträgen:
- Georg Saringer (Dialog Lebensversicherungs-AG):
„Die Neuerungen der Dialog in den RLV- und BU-Tarifen“ - Wolfgang Aringer, DBA (muki Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit):
„Der neue muki-Unfallschutz – Klar strukturiert: Kundenfreundliche, innovative und individuelle Absicherung“ - Michael Siering (InterRisk):
„Die Absicherung der Berufsunfähigkeit, eine komplexe Herausforderung – Individuelle und bedarfsgerechte Lösungen für unterschiedliche Risikosituationen“ - Peter Zorn (Ascendia Österreich):
„Aufbruch in ein neues Kapitel – Unternehmensnachfolge neu gedacht! Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Weiterführung Ihres Lebenswerks“ - Akad. FDL Manfred Perhab (Allianz):
„Meine Gesundheitsversicherung – Einfach erklärt“ - Stefan Bauer (WWK):
„Die Symbiose aus KI und Investmenterfahrung“
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