Mit knapp 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern starteten gestern, 9. April, die AssCompact Beratertage 2026. Den Auftakt der Veranstaltungsreihe, die an vier Standorten stattfindet, bildete Wels im Tagungszentrum Messe Wels. Geboten wurde ein kompakter Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Versicherungsberatung – von rechtlichen Fragestellungen im Schadenfall über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bis hin zu Produkt- und Servicethemen der Anbieter. Sehen Sie unten einen Fotorückblick des Beratertages Wels!
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 10.04.2026
Die AssCompact Beratertage bieten jedes Jahr eine kompakte Plattform für fachlichen Austausch, Weiterbildung und aktuelle Branchenthemen. Auch 2026 stehen wieder zentrale Entwicklungen für Vermittler sowie praxisnahe Inhalte im Fokus.
Die gefährlichsten Irrtümer bei Fälligkeit und Verjährung im Schadenfall
Den Auftakt beim Beratertag in Wels machte Dr. Nora Michtner, Rechtsanwältin und Gesellschafterin bei Singer Fössl Rechtsanwälte in Wien, mit einem Einblick in typische Fehler bei Verjährung und Fälligkeit im Schadenfall. Ausgangspunkt war ein häufiger Ablauf: Ein Schaden wird gemeldet, die Bearbeitung zieht sich, und erst spät wird geprüft, ob noch Ansprüche bestehen. Genau hier entstehen Risiken, wenn Fristen falsch eingeschätzt werden.
Michtner zeigte, dass viele Schadenfälle nicht an der Deckung scheitern, sondern daran, dass Ansprüche zu spät geltend gemacht werden. Entscheidend ist dabei nicht das Schadendatum, sondern der Zeitpunkt der Fälligkeit.
Sie erläuterte, dass die dreijährige Verjährungsfrist oft falsch eingeordnet wird. Maßgeblich sei der Zeitpunkt, zu dem ein Anspruch erstmals geltend gemacht werden kann. Auch die Prüfung durch den Versicherer kann den Fristenlauf beeinflussen, da die Verjährung während dieser Phase nicht weiterläuft.
„Viele orientieren sich am Schadendatum und gehen davon aus, dass ab diesem Zeitpunkt die Verjährung zu laufen beginnt. Tatsächlich ist aber der Zeitpunkt der Fälligkeit entscheidend, also jener Moment, in dem der Anspruch erstmals geltend gemacht werden kann. Dieser Zeitpunkt hängt vom konkreten Ablauf der Schadenbearbeitung ab und kann deutlich später liegen. Wer das nicht berücksichtigt, läuft Gefahr, Fristen falsch einzuschätzen“, betont Michtner.
Aktuelles aus der Standesvertretung: KI, Regulierung und Nachfolge im Fokus
Im Themenblock „Aktuelles aus der Standesvertretung“ berichteten Akad. Vkfm. Johann Mitmasser, Fachgruppenobmann der Versicherungsmakler Oberösterreich, und Mag. Norbert Eglmayr, Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister Oberösterreich, über aktuelle Themen aus der Praxis.
Ein Schwerpunkt war die Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Vermittleralltag. Diese wird vor allem bei standardisierten Abläufen eingesetzt, etwa bei der Dokumentation oder in der Vorbereitung von Beratungsgesprächen.
„Derzeit können wir viele Routinearbeiten deutlich schneller erledigen. Das betrifft vor allem wiederkehrende Abläufe wie Dokumentation oder Vorbereitung von Beratungen. Gleichzeitig gibt es klare Rahmenbedingungen, etwa durch Haftungsdächer, die bestimmte Anwendungen vorgeben. In der Beratung selbst wird KI vor allem Effizienz bringen, ohne dass die Verantwortung des Beraters weniger wird“, erklärt Eglmayr.
Dabei ging es auch darum, dass Ergebnisse aus KI-Anwendungen fachlich geprüft und inhaltlich eingeordnet werden müssen, bevor sie in der Beratung verwendet werden.
Neben der Digitalisierung wurde auch über regulatorische Anforderungen gesprochen. Im Mittelpunkt stand die Geldwäscheprävention. Die Vorgaben betreffen gesetzliche Regelungen, Aufsicht sowie bestehende Strukturen wie Haftungsdächer und wirken sich vor allem auf Dokumentationspflichten und interne Abläufe aus. Auch Entwicklungen auf europäischer Ebene wurden thematisiert, insbesondere im Zusammenhang mit möglichen neuen Aufsichtsstrukturen.
„Das Geldwäschethema ist insofern für uns brennend, weil wir massiv im Austausch mit der FMA als Aufsichtsbehörde stehen. Gleichzeitig kommt mit der AMLA eine neue europäische Ebene dazu, die zusätzliche Anforderungen bringt. Der Druck ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen und wirkt sich bis in die tägliche Arbeit der Betriebe aus“, erklärt Eglmayr.
Ein weiterer Punkt war die Ausbildung. Dabei ging es um den Berufszugang, die Ausgestaltung der Prüfung und die Frage, wie ausreichend qualifizierter Nachwuchs gewonnen werden kann. Im Fokus standen die praktische Ausbildung im Betrieb sowie die Weitergabe von fachlichem Wissen.
„Die neue Maklerprüfung ist ein Dauerthema. Es ist eine Baustelle gekommen, um eine Baustelle zu bleiben. Wir werden aber keine Verhinderungseinrichtung für zukünftige Makler sein, weil wir neue Kolleginnen und Kollegen brauchen. Deshalb ist es wichtig, dass wir den Zugang ermöglichen und gleichzeitig die Qualität sichern“, so Mitmasser.
Auch die Betriebsnachfolge war Thema. Viele Betriebe stehen vor einer Übergabe in den kommenden Jahren.
„Wir sehen am Markt unterschiedliche Entwicklungen, etwa Zusammenschlüsse oder Übernahmen. Gleichzeitig bleibt entscheidend, dass die Betreuung der Kunden weiterhin sichergestellt ist. Viele Betriebe stehen vor der Frage der Nachfolge, weil in den kommenden Jahren zahlreiche Vermittler in Pension gehen werden. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig geeignete Partner aufzubauen und in die Abläufe zu integrieren“, so Mitmasser.
Impulsvorträge und Produktneuheiten – das weitere Programm im Überblick
Neben den Keynotes, dem Wissens Circle und dem Standesblock bietet der Beratertag Wels ein kompaktes Programm an Fachvorträgen:
- Akad. FDL Manfred Perhab (Allianz): „Meine Gesundheitsversicherung – Einfach erklärt“
- Stefan Bauer (WWK): „Die Symbiose aus KI und Investmenterfahrung“
- Georg Saringer (Dialog Lebensversicherungs-AG):
„Die Neuerungen der Dialog in den RLV- und BU-Tarifen“ - Johanna Aringer, MBA (muki Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit): „Der neue muki-Unfallschutz – Klar strukturiert: Kundenfreundliche, innovative und individuelle Absicherung“
- Michael Siering (InterRisk): „Die Absicherung der Berufsunfähigkeit, eine komplexe Herausforderung – Individuelle und bedarfsgerechte Lösungen für unterschiedliche Risikosituationen"
- Armin Krenn und Wolfgang Fröschl, MBA (Oberösterreichische Versicherung): „Betriebshaftpflicht der OÖV: Von Standard-Paketen bis zur individuellen Sonderlösung"
- Peter Zorn (Ascendia Österreich): „Aufbruch in ein neues Kapitel – Unternehmensnachfolge neu gedacht! Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Weiterführung Ihres Lebenswerks“
Ausblick: Weitere Termine in Salzburg, St. Pölten und Graz
Nach dem Auftakt in Wels werden die AssCompact Beratertage 2026 in den kommenden Wochen an drei weiteren Standorten fortgesetzt: am 14. April in Salzburg, am 15. April in St. Pölten und am 21. April in Graz. Das Programm greift zentrale Themen für Vermittler auf – von rechtlichen Fragestellungen über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bis hin zu praxisnahen Impulsvorträgen.
Die Teilnahme richtet sich an ungebundene Versicherungsvermittler und Finanzdienstleister, ist kostenlos und umfasst je Termin bis zu vier unabhängige IDD-Weiterbildungsstunden. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.
Hier geht’s zur Anmeldung der Beratertage in Salzburg, St. Pölten und Graz:
AssCompact Beratertag Salzburg
📅 Dienstag, 14. April 2026 · 📍 Wyndham Grand Salzburg Conference Centre
🎤 Dr. Nora Michtner · Gerhard G. Stockinger · Marc Girardelli
👉 Hier geht’s zur Anmeldung
AssCompact Beratertag St. Pölten
📅 Mittwoch, 15. April 2026 · 📍 Cityhotel Design & Classic
🎤 Dr. Nora Michtner · Gerhard G. Stockinger · Manuel Horeth
👉 Hier geht’s zur Anmeldung
AssCompact Beratertag Graz
📅 Dienstag, 21. April 2026 · 📍 NOVAPARK Flugzeughotel
🎤 Dr. Nora Michtner · Gerhard G. Stockinger · Marc Girardelli
👉 Hier geht’s zur Anmeldung
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