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Beratertage machten Halt in St. Pölten: Breites Themenspektrum für die Vermittlungspraxis

Beratertage machten Halt in St. Pölten: Breites Themenspektrum für die Vermittlungspraxis

16. April 2026

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8 Min. Lesezeit

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Recht & Wissen

Gestern, 15. April, machten die AssCompact Beratertage 2026 in St. Pölten Station. Mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen ins Cityhotel Design & Classic, um sich über aktuelle Themen der Vermittlungspraxis zu informieren – von rechtlichen Fragestellungen im Schadenfall über Vorsorgethemen bis hin zu KI-Anwendungen und Entwicklungen aus der Standesvertretung.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 16.04.2026

Der Beratertag in St. Pölten startete mit der Keynote von Dr. Nora Michtner, die sich mit typischen Irrtümern bei Fälligkeit und Verjährung im Schadenfall befasste und deren Auswirkungen auf die Anspruchsdurchsetzung einordnete. (Details dazu finden Sie im Beitrag zum Beratertag Wels)

Im weiteren Verlauf griff Gerhard G. Stockinger das Thema Künstliche Intelligenz im Vermittleralltag auf und zeigte konkrete Anwendungsmöglichkeiten auf. (Details dazu finden Sie im Beitrag zum Beratertag Salzburg)

Aktuelles aus der Standesvertretung

Ein weiterer Programmpunkt war die Diskussionsrunde „Aktuelles aus der Standesvertretung“. Am Podium standen Martin Wienerroither, Fachgruppenobmann der Versicherungsmakler in Niederösterreich, sowie Martin Trettler, MFP, Obmann-Stellvertreter der Finanzdienstleister Niederösterreich, die über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und konkrete Maßnahmen der Standesvertretung sprachen

Zu Beginn wurde die Rolle von Künstlicher Intelligenz im Arbeitsalltag thematisiert. Dabei wurde deutlich, dass KI vor allem als unterstützendes Werkzeug gesehen wird, das Effizienzpotenziale hebt, jedoch nicht die persönliche Beratung ersetzt.

„Ich glaube, dass es vielen Kollegen ähnlich geht wie mir. Man hat schon viel gehört und gesehen, was mit KI möglich ist – vom Telefonassistenten bis zur automatisierten Bearbeitung von E-Mails. Vieles davon ist im Alltag aber noch nicht umgesetzt, weil oft schlicht die Prioritäten anders gesetzt werden. Aus meiner Sicht bedeutet KI aber keine Arbeitsplatzvernichtung, sondern in erster Linie eine Unterstützung und Effizienzsteigerung“, erklärte Trettler.

Wienerroither ordnete die Entwicklung vor dem Hintergrund langjähriger Branchenerfahrung ein und sieht darin eine grundlegende Veränderung der Arbeitsweise: „Wenn ich mir anschaue, wie wir früher gearbeitet haben und wie umfangreich die Unterlagen heute sind, dann ist klar, dass wir ohne Unterstützung kaum mehr auskommen. KI wird daher nicht nur eine Hilfe sein, sondern ein Muss werden. Gleichzeitig darf man sich nicht blind darauf verlassen, sondern muss Ergebnisse immer kontrollieren. Wir werden uns damit beschäftigen müssen und entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote schaffen.“

Im weiteren Verlauf ging es um aktuelle Schwerpunkte in der Standesvertretung. Wienerroither verwies dabei auf strukturelle Maßnahmen innerhalb der Fachgruppe sowie Initiativen zur Nachwuchsförderung und Qualifikation: „Wir haben den Ausschuss bewusst verjüngt, um die Zukunft stärker in den Fokus zu rücken. Ein wichtiges Thema ist die Förderung von Lehrbetrieben, damit wieder mehr junge Menschen in die Branche kommen. Gleichzeitig beschäftigen uns Fragen rund um die Befähigung, etwa bei individuellen Zugängen zum Gewerbe. Hier wollen wir mit Fachgesprächen mehr Klarheit schaffen und die neuen Prüfungsanforderungen praxisnah begleiten.“

Trettler beschrieb die Arbeit der Standesvertretung auf zwei Ebenen – einerseits auf Bundesebene mit starkem regulatorischem Einfluss, andererseits auf Landesebene mit konkreten Maßnahmen für Mitglieder: „Auf Bundesebene passiert sehr viel im Hintergrund, etwa bei rechtlichen Themen oder auf europäischer Ebene, was viele in der Praxis gar nicht unmittelbar mitbekommen. Auf Landesebene setzen wir konkrete Maßnahmen um, zum Beispiel bei Courtagevereinbarungen mit Banken, wo wir eine Mustervorlage zur Verfügung stellen werden. Ein weiteres großes Thema ist die Finanzbildung, wo wir gemeinsam mit der Bildungsdirektion daran arbeiten, Finanzwissen stärker in die Schulen zu bringen.“

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf regulatorischen Anforderungen. Beide Vertreter verwiesen auf die zunehmende Komplexität der Vorgaben und deren Auswirkungen auf die Beratungspraxis.

„Wir haben eine Vielzahl an Regulatorien, die letztlich dem Konsumentenschutz dienen sollen. In der Praxis führt das aber dazu, dass Unterlagen immer umfangreicher werden und Kunden damit oft überfordert sind. Entscheidend bleibt daher das persönliche Gespräch und das Vertrauen zum Kunden. Gleichzeitig ist es wichtig, die bestehenden Vorgaben auch tatsächlich einzuhalten, weil sonst Haftungsrisiken entstehen können“, erläutert Wienerroither.

Auch beim Thema Provisionen und Vergütungsmodelle sah Trettler aktuell keinen grundlegenden Umbruch, betont jedoch die bestehenden Spielräume und Unterschiede innerhalb Europas: „Im Finanzdienstleistungsbereich gibt es verschiedene Möglichkeiten der Vergütung, von Honorarmodellen bis hin zur Provision. Das hängt auch davon ab, wie man seine Dienstleistung positioniert. Ein generelles Provisionsverbot sehe ich derzeit nicht. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass die regulatorischen Anforderungen insgesamt sehr umfangreich geworden sind und teilweise nicht mehr im Sinne der Kundenfreundlichkeit sind.“

Zum Abschluss formulierten beide Vertreter Wünsche an Politik und Branche. Dabei standen vor allem strukturelle Themen wie Altersvorsorge, Finanzbildung und die Rolle der Makler im digitalen Austausch mit Versicherern im Mittelpunkt.

Mentale Stärke im Vermittleralltag

Den Schlusspunkt setzte Manuel Horeth, Mentalexperte, Motivationstrainer und Bestseller-Autor, mit einem Vortrag zur mentalen Stärke im Vermittleralltag und zum Umgang mit steigenden Anforderungen im Berufsalltag . Auch hierzu folgen noch weitere Details.

Unter dem Titel „Mentale Stärke im Vermittleralltag – Souverän entscheiden, klar kommunizieren und erfolgreich bleiben – auch wenn der Markt härter wird“ zeigte er, wie mentale Prozesse Entscheidungsfähigkeit und Verhalten in Beratungssituationen beeinflussen.

Horeth stellte dar, dass mentale Stärke aus dem Spitzensport abgeleitet und auf den Vermittleralltag übertragen werden kann. Dabei ging es um die bewusste Steuerung des eigenen Zustands – vor Kundengesprächen, während der Beratung und im Umgang mit herausfordernden Situationen.

Er erläuterte, dass der mentale Zustand maßgeblich beeinflusst, welche Informationen wahrgenommen und wie Entscheidungen getroffen werden. Ein entspannter Zustand ermögliche eine bessere Einschätzung von Gesprächssituationen, während Stress die Wahrnehmung einschränken könne. In diesem Zusammenhang ging Horeth auch auf die Filterfunktion des Gehirns ein.

„Wenn ich entspannt in einem Gespräch bin, kann ich viel mehr beobachten. Ich sehe, was erzählt mir der andere, was wirkt auf mich ein, welche Subbotschaften oder was ist seine Körpersprache? Was könnte vielleicht in seinem Sinne das Beste für ihn sein? Es funktioniert viel besser als in diesem System“, so Horeth.

Impulsvorträge und Fachthemen – das weitere Programm im Überblick

Neben den Keynotes, dem Wissens Circle und dem Standesblock bot der Beratertag in St. Pölten ein kompaktes Programm an Fachvorträgen:

  • Michael Siering (InterRisk):
    „Die Absicherung der Berufsunfähigkeit, eine komplexe Herausforderung – Individuelle und bedarfsgerechte Lösungen für unterschiedliche Risikosituationen“
  • Peter Zorn (Ascendia Österreich):
    „Aufbruch in ein neues Kapitel – Unternehmensnachfolge neu gedacht! Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Weiterführung Ihres Lebenswerks“
  • Akad. FDL Manfred Perhab (Allianz):
    „Meine Gesundheitsversicherung – Einfach erklärt“
  • Stefan Bauer (WWK):
    „Die Symbiose aus KI und Investmenterfahrung“
  • Georg Saringer (Dialog Lebensversicherungs-AG):
    „Die Neuerungen der Dialog in den RLV- und BU-Tarifen“
  • Martin Decrinis (muki Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit):
    „Der neue muki-Unfallschutz – Klar strukturiert: Kundenfreundliche, innovative und individuelle Absicherung“

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