zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

Expert:innentreffen der Versicherungsmakler: Cyberrisiken und Risikomanagement im Fokus

Expert:innentreffen der Versicherungsmakler: Cyberrisiken und Risikomanagement im Fokus

10. September 2026

|

7 Min. Lesezeit

|

Im Blickpunkt

Unter dem Generalthema „Digitalisierung trifft Regulierung – Zukunft trifft Versicherungsmakler:innen: Wohin führt die Reise?“ findet heute das Expert:innentreffen für Versicherungsmakler im Seehotel Rust statt. Der Fachverband der Versicherungsmakler veranstaltet das Fachevent gemeinsam mit der Fachgruppe Burgenland. Am Vormittag stehen die aktuelle Cyber-Bedrohungslage und die Frage im Mittelpunkt, welche Konsequenzen digitale Risiken für Beratung und Risikomanagement haben.

Andreas Richter

Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 10.09.2026

Das Expert:innentreffen für Versicherungsmakler bringt heute, am 10. September 2026, Branchenvertreter und Fachexperten zusammen. Bereits bei der Begrüßung durch Fachverbandsobmann Christoph Berghammer und Fachgruppenobfrau der Versicherungsmakler Burgenland, Katharina Freingruber wurde der thematische Bogen des Tages deutlich: Neue Technologien verändern Risiken und Geschäftsprozesse, während regulatorische Entwicklungen gleichzeitig neue Anforderungen an den Berufsstand stellen.

Der Vormittag war schwerpunktmäßig den digitalen Risiken gewidmet. Dabei ging es einerseits um die Entwicklung der Cyberkriminalität und neue Angriffsmethoden, andererseits um die Frage, wie Versicherungsmaklerinnen und -mkaler diese Risiken bei ihren Kunden erkennen, bewerten und versicherungstechnisch einordnen können.

Rossgatterer: Ein Blick hinter die Kulissen der Cyberkriminalität

Expert:innentreffen der Versicherungsmakler: Cyberrisiken und Risikomanagement im Fokus

Mag. Daniel Rossgatterer, MBA, Geschäftsführer der Secutec GmbH

In seinem Vortrag „Darknet, Hacker & Co – Ein Blick hinter die Kulissen von Cyberkriminellen“ gab Mag. Daniel Rossgatterer, MBA, Geschäftsführer der Secutec GmbH, Einblicke in aktuelle Methoden und Strukturen der Cyberkriminalität. Ausgehend von Erfahrungen mit Cybervorfällen und Ransomware-Verhandlungen schilderte er, wie professionell kriminelle Akteure mittlerweile organisiert sind. Eine zusätzliche Dynamik entsteht nach Rossgatterers Darstellung durch künstliche Intelligenz. Sie ermögliche es Angreifern, einzelne Schritte zu automatisieren und Attacken schneller vorzubereiten und durchzuführen. Gleichzeitig bleibe der Faktor Mensch ein entscheidender Angriffspunkt. Über Social Engineering versuchen Kriminelle, Mitarbeiter zu manipulieren, Zugangsdaten zu erlangen oder bestehende Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen. Auch die Angriffswege verändern sich. Rossgatterer verwies unter anderem auf Lieferketten, externe IT-Dienstleister und Cloud-Infrastrukturen als potenzielle Einfallstore. Technische Sicherheitsmaßnahmen allein seien daher kein Garant dafür, einen Angriff verhindern zu können.

Eine zentrale Botschaft seines Vortrags: Unternehmen bleibt bei einem erfolgreichen Cyberangriff zunehmend wenig Zeit zum Reagieren. Zwischen dem Eindringen in Systeme, dem Abfluss von Daten und weiteren Angriffsschritten können nach seinen Erfahrungen sehr kurze Zeiträume liegen. Prävention, funktionierende Sicherheitsprozesse und eine vorbereitete Krisenorganisation gewinnen entsprechend an Bedeutung. Rossgatterer gewährte zudem Einblicke in die Abläufe bei Ransomware-Angriffen und die Kommunikation mit Cyberkriminellen. Dabei zeigte sich, dass es im Ernstfall nicht nur um verschlüsselte Daten geht. Betriebsunterbrechungen, gestohlene Informationen, Erpressungsversuche und die schnelle Koordination spezialisierter Dienstleister können für betroffene Unternehmen erhebliche Konsequenzen haben.

Keltner: „Die Cyber-Versicherung reicht nicht aus“

Expert:innentreffen der Versicherungsmakler: Cyberrisiken und Risikomanagement im Fokus

Mag. Kerstin Keltner, Managing Director | Head Specialty bei AON Austria

Die versicherungstechnische Perspektive rückte anschließend Mag. Kerstin Keltner, Managing Director | Head Specialty bei AON Austria, in den Mittelpunkt. Ihr Vortrag „Versicherungsmakler als Cyber-Risk Manager“ knüpfte unmittelbar an die zuvor dargestellte Bedrohungslage an. Ihre zentrale These formulierte Keltner deutlich: „Die Cyber-Versicherung reicht nicht aus, um digitale Risiken abzusichern.“ Denn ein Cybervorfall könne je nach Ursache und Schadenbild unterschiedliche Versicherungssparten betreffen. Neben der Cyberversicherung können etwa Haftpflicht-, Vertrauensschaden-, Sach- oder Betriebsunterbrechungsdeckungen eine Rolle spielen. Für Versicherungsmakler bedeutet das nach Keltners Darstellung, nicht nur das einzelne Cyberprodukt zu betrachten, sondern mögliche Schnittstellen und Deckungslücken zwischen den Sparten zu erkennen.

Keltner verwies dabei auf konkrete Schadenkonstellationen: Nicht jeder Datenverlust ist automatisch ein klassischer Cyberschaden, ebenso können Betrugsfälle nach Phishing- oder Pharming-Attacken andere Deckungen berühren. Entscheidend sei deshalb, Ursache, Schadenbild und vorhandenen Versicherungsschutz gemeinsam zu betrachten.

Bedingungen und Assistance genau prüfen

Besondere Aufmerksamkeit widmete Keltner den konkreten Versicherungsbedingungen. Sublimits, Obliegenheiten und Assistance-Leistungen müssten genau geprüft werden. Gerade bei einem Cybervorfall zeige sich der Wert einer Versicherung nicht ausschließlich in der finanziellen Entschädigung. Erreichbare Ansprechpartner, IT-Forensik, Rechtsberatung und eine funktionierende Krisenorganisation können für ein betroffenes Unternehmen entscheidend sein. Für Versicherungsmakler gewinnt damit auch die Begleitung im Schadenfall an Bedeutung. Ein weiterer Punkt betrifft künstliche Intelligenz. Nach Keltners Einschätzung machen KI-Risiken nicht an Spartengrenzen halt. Der Einsatz generativer KI könne Haftungs- und Deckungsfragen in unterschiedlichen Versicherungsbereichen auslösen. Damit werde die Frage wichtiger, wie Unternehmen KI einsetzen, welche Kontrollmechanismen bestehen und wie Versicherungsbedingungen mit diesen neuen Risiken umgehen.

Die ersten beiden Vorträge beim Expert:innentreffen für Versicherungsmakler zeichnen damit aus unterschiedlichen Perspektiven ein gemeinsames Bild: Während Rossgatterer zeigt, wie sich die Bedrohung durch Cyberkriminalität verändert, stellt Keltner die Frage nach der passenden versicherungstechnischen Antwort. Für Versicherungsmakler spricht vieles dafür, Cyber nicht isoliert als einzelne Versicherungssparte zu betrachten, sondern stärker als Teil eines umfassenden Risikomanagements.

Am Nachmittag rückt die Regulierung in den Mittelpunkt

Das Expert:innentreffen für Versicherungsmakler wird am Nachmittag mit dem zweiten großen Themenkomplex fortgesetzt. Nach Cyberkriminalität und Cyber-Risikomanagement richtet sich der Blick auf aktuelle berufspolitische, rechtliche und regulatorische Entwicklungen. Auf dem Programm stehen unter anderem europäische Impulse aus Brüssel rund um RIS und „Value for Money“ sowie nationale gewerberechtliche Fragestellungen. Damit folgt auf die Digitalisierung die zweite Hälfte des Generalthemas der Veranstaltung: die Regulierung und ihre Auswirkungen auf die künftige Tätigkeit der Versicherungsmakler.

zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

sharing is caring

Das könnte Sie auch interessieren


Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

(Klicken um Kommentar zu verfassen)