Vier von zehn Österreichern haben bereits aus finanziellen Gründen auf eine Zahnbehandlung verzichtet. Gleichzeitig geben 85% an, gewissenhaft auf ihre Zahnpflege zu achten. Das zeigt das Allianz Gesundheitsbarometer 2026, für das Marketagent im Auftrag der Allianz Österreich 1.600 Personen aus Österreich befragt hat.
Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 09.09.2026
73% gehen mindestens einmal jährlich zur Kontrolle. Als wichtigsten Grund für die Zahnpflege nennen 36% die Vermeidung späterer Zahnprobleme. Für 26% stehen ästhetische Gründe im Vordergrund, wobei diese von Frauen mit 32% häufiger genannt werden als von Männern mit 21%.
Rund neun von zehn Befragten sind der Ansicht, dass gepflegte Zähne das äußere Erscheinungsbild maßgeblich prägen. Fast ebenso viele verbinden damit einen besseren ersten Eindruck, vier von fünf sehen Vorteile im Berufsleben.
Auch nach Einkommen zeigen sich Unterschiede: In Haushalten mit einem Einkommen von bis zu 1.999 Euro geben 78% an, ihre Zähne gewissenhaft zu pflegen. Bei einem Haushaltseinkommen zwischen 5.000 und 5.999 Euro sind es 92%.
Dr. Jörg Hipp, CPO Allianz Österreich
"Am Bewusstsein für gesunde Zähne fehlt es kaum – eher an der Möglichkeit, konsequent danach zu handeln. Das ist keine Frage der Einstellung, sondern der Umstände."
Unterschiede zwischen den Generationen
Sechs von zehn Österreichern sind mit ihren Zähnen insgesamt zufrieden. Mit der Zahnfarbe ist hingegen nur die Hälfte zufrieden. Bleaching steht bei den gewünschten Behandlungen an erster Stelle.
Die Generation Z zeigt sich laut Studie besonders offen für ästhetische und präventive Behandlungen wie Bleaching, Kieferregulierung oder professionelle Mundhygiene. Bei den Babyboomern werden häufiger Implantate und Prothesen als Behandlungen genannt, die ihre Zufriedenheit erhöhen würden.
„Die ältere Generation ist mit einer Zahnmedizin aufgewachsen, die vor allem eingegriffen hat, wenn schon etwas kaputt war. Dass die jüngere Generation Zahngesundheit als Teil der Selbstfürsorge versteht und nicht erst als Notfallthema, ist eine sehr positive Entwicklung”, so Dr. Jörg Hipp.
Kosten als häufigstes Hindernis
Insgesamt bewerten 71% der Befragten die zahnmedizinische Versorgung in Österreich als sehr gut oder eher gut. Die fachliche Kompetenz erreicht 81%, Beratung und das Angebot moderner Behandlungsmethoden jeweils 70%. Mit den Wartezeiten sind dagegen 42% zufrieden. Das Kosten-Leistungs-Verhältnis bewerten 28% als sehr gut oder eher gut.
Dr.in Birgit Vetter-Scheidl, Österreichische Zahnärztekammer
"Beim Kosten-Leistungs-Verhältnis muss man beachten, wie der Leistungskatalog historisch gewachsen ist: Er ist bis heute stark auf Reparatur ausgelegt. Die Verschiebung hin zur Prävention findet zwar statt, aber langsam."
47% nennen die Kosten als Hinderungsgrund für Zahnbehandlungen. Bei Frauen sind es 53%, bei Männern 41%. Angst vor der Behandlung selbst nennen 19%.
77% kennen Personen, die bereits mit hohen Behandlungskosten konfrontiert waren. Als besonders teuer werden Zahnersatz mit 87%, Zahnkorrekturen mit 80% und ästhetische Eingriffe mit 75% wahrgenommen. 40% haben selbst schon eine Zahnbehandlung aus Kostengründen ganz ausgelassen, weitere 38% haben eine Behandlung deshalb verschoben.
Kostenübernahme verändert Behandlungsbereitschaft
Wie stark die Kosten bei der Entscheidung für eine Behandlung eine Rolle spielen, wurde auch anhand einer hypothetischen vollständigen Kostenübernahme – etwa durch eine private Zahnversicherung – abgefragt. Bei Zahnspangen und Zahnkorrekturen würde die angegebene Behandlungsbereitschaft innerhalb der kommenden fünf Jahre von 29 auf 71% steigen. Bei Bleaching erhöht sie sich von 31 auf 75%, bei Veneers von 28 auf 69% und bei Implantaten von 47 auf 81%. Bei Zahnfleischbehandlungen steigt der Anteil von 63 auf 86%.
5% haben eine private Zahnzusatzversicherung
Nur 36% fühlen sich über die Kosten von Zahnbehandlungen gut informiert. Ebenso viele geben an, die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ausreichend zu kennen. Unter den Privatversicherten fühlen sich 53% bei den Behandlungskosten und 51% bei den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung gut informiert.
Aktuell verfügen 5% der Österreicher über eine private Zahnzusatzversicherung. 38% können sich vorstellen, ihre Zähne privat zu versichern.
Bei einzelnen Behandlungen weist die Studie Unterschiede zwischen Privatversicherten und Kassenpatienten aus. Zahnfleischbehandlungen haben demnach 31% der Privatversicherten gegenüber 15% der Kassenpatienten in Anspruch genommen. Bei kieferchirurgischen Eingriffen liegt das Verhältnis bei 37 zu 22%, bei Kronen bei 34 zu 25% und bei Bleaching bei 11 zu 4%.
Bei Personen ohne Zusatzversicherung werden dagegen Basisbehandlungen häufiger genannt: Bei Füllungen liegt das Verhältnis bei 74 zu 58%, beim Zahnziehen bei 54 zu 43%.
Wissenslücken bei Mund- und Allgemeingesundheit
59% halten sich selbst für informiert über den Zusammenhang zwischen Mund- und Allgemeingesundheit. Bei konkreten Fragen fallen die Ergebnisse teilweise anders aus: 65% wissen nicht, dass Karies eine Infektionskrankheit ist. Mehr als die Hälfte kennt die möglichen Risiken von Zahnfleischerkrankungen während der Schwangerschaft nicht. 49% wissen nicht, dass Kariesbakterien Allgemeinerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes begünstigen können.
Auch hier zeigen sich Unterschiede zwischen den Generationen. Über Auswirkungen von Zahnfleischproblemen auf den Körper wissen laut Studie 58% der Babyboomer Bescheid, bei der Generation Z sind es 37%. Den Zusammenhang zwischen Kariesbakterien und Allgemeinerkrankungen kennen 65% der Babyboomer und 36% der Generation Z.
„Karies ist eine Infektionskrankheit und Zahnfleischentzündungen bleiben nicht auf den Mund beschränkt. Beides ist in der Bevölkerung zu wenig präsent. Dass ausgerechnet die jüngste Generation hier am schlechtesten abschneidet, ist aus zahnmedizinischer Sicht ein alarmierendes Ergebnis”, so Dr.in Birgit Vetter-Scheidl.
Das Allianz Gesundheitsbarometer 2026 wurde von Marketagent im Auftrag der Allianz Österreich durchgeführt. Befragt wurden 1.600 Personen, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung.
Foto oben: Dr.in Birgit Vetter-Scheidl, Referentin für Medien und Öffentlichkeitsarbeit der Österreichischen Zahnärztekammer, und Dr. Jörg Hipp, CPO Allianz Österreich
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