Der Softwareanbieter Guidewire hat auf seiner Kundenkonferenz „Connections 2026“ in Las Vegas einen neuen Plattformansatz für den Einsatz agentenbasierter künstlicher Intelligenz vorgestellt. Unter dem Begriff „Agentic Insurance“ sollen KI-Agenten künftig enger mit den Kernsystemen, Daten und Geschäftsprozessen von Versicherungsunternehmen verknüpft werden. Im Fokus stehen insbesondere Produktentwicklung, Tarifierung, Underwriting und Schadenmanagement.
Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 28.10.2026
Anders als bei isolierten KI-Anwendungen verfolgt Guidewire das Ziel, intelligente Agenten unmittelbar in bestehende Arbeitsabläufe einzubinden. Diese sollen nicht nur Informationen analysieren und aufbereiten, sondern auch mehrstufige Aufgaben innerhalb definierter Vorgaben übernehmen. Versicherungsunternehmen sollen dadurch Prozesse beschleunigen, manuelle Tätigkeiten reduzieren und ihre Mitarbeiter bei komplexen Entscheidungen unterstützen können.
Ein Anwendungsfeld ist die Produktentwicklung und Tarifierung. KI-gestützte Funktionen sollen Versicherer dabei unterstützen, neue Produkte schneller zu konzipieren, Tarifmodelle zu entwickeln und Anpassungen effizienter umzusetzen. Auch im Underwriting sieht Guidewire Einsatzmöglichkeiten: KI-Agenten sollen relevante Informationen zusammenführen, Risiken analysieren und Entscheidungsgrundlagen für die Risikoprüfung bereitstellen.
Besonderes Potenzial sieht der Anbieter im Schadenmanagement. Vorgestellt wurden unter anderem Funktionen, mit denen KI-Agenten Schadenmeldungen über Sprach- oder Chatdialoge aufnehmen, Informationen strukturiert erfassen und weitere Bearbeitungsschritte vorbereiten können. Darüber hinaus sollen sie Schadenreferenten bei der Prüfung von Unterlagen, der Informationsbeschaffung und der Steuerung von Bearbeitungsprozessen unterstützen.
Eine zentrale Rolle spielt die Verbindung mit den vorhandenen Versicherungsdaten. Guidewire setzt dabei auf eine integrierte Datenplattform sowie ein Framework, mit dem Versicherer eigene KI-Agenten entwickeln und verwalten können. Neben vorgefertigten Anwendungen sollen damit auch unternehmensspezifische Einsatzszenarien möglich werden.
Sicherheit und Kontrolle als Voraussetzung
Guidewire betont, dass KI-Agenten innerhalb festgelegter Sicherheits-, Zugriffs- und Kontrollmechanismen arbeiten sollen. Dazu zählen die Einhaltung bestehender Berechtigungen, die Nachvollziehbarkeit von Aktionen sowie die Möglichkeit, menschliche Entscheidungen und Freigaben in die Prozesse einzubinden. Damit adressiert der Anbieter eine zentrale Herausforderung beim Einsatz autonomer KI-Systeme in regulierten Versicherungsunternehmen.
Einordnung für die Branche: Mit dem vorgestellten Ansatz zeichnet sich eine Entwicklung ab, bei der KI nicht mehr nur als ergänzendes Analyse- oder Assistenzwerkzeug eingesetzt wird, sondern zunehmend Bestandteil operativer Versicherungsprozesse werden soll. Entscheidend für den praktischen Nutzen werden die Integration in bestehende Systemlandschaften, die Qualität der verfügbaren Daten und eine verlässliche Steuerung der KI-Agenten sein.
Zu berücksichtigen ist allerdings, dass sich mehrere der angekündigten Funktionen noch im Early Access oder auf der Entwicklungs-Roadmap befinden. Wann und in welchem Umfang sie für einzelne Versicherungsunternehmen verfügbar sein werden, ist daher noch offen.
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