KI bei Gesundheitsfragen, die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Gesundheitssystem und private Vorsorge waren zentrale Themen der heute vorgestellten Gesundheitsstudie 2026 der Wiener Städtischen. 59% haben bereits KI für Gesundheitsthemen genutzt, 34% warten länger als zwei Monate auf einen Kassenfacharzttermin und 52% halten eine private Krankenversicherung für wichtig.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 30.09.2026
Vorgestellt wurden die Ergebnisse heute von Manuel Schalk, Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen Versicherung, und Gabriele Reithner, Senior Studienleiterin beim Gallup Institut, bei einer Pressekonferenz. Untersucht wurden neben dem eigenen Gesundheitszustand der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Gesundheitsfragen, die Einschätzung des öffentlichen Gesundheitssystems, Gendermedizin und sexuelle Gesundheit sowie die private Gesundheitsvorsorge.
Für die Studie befragte das Gallup Institut im Auftrag der Wiener Städtischen zwischen 27. Juli und 16. August 2026 insgesamt 1.000 Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren mittels Online-Interviews. Die Stichprobe ist repräsentativ für die webaktive Bevölkerung Österreichs.
KI wird auch für Symptome und Diagnosen genutzt
59% der Befragten haben bereits KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity, Apps oder KI-gestützte Suchmaschinen genutzt, um sich über gesundheitliche Themen zu informieren. 34% haben dies mehrfach getan, weitere 25% ein- oder zweimal.
Unter den bisherigen Nutzern setzen 66% KI ein, um Symptome zu überprüfen und Unterstützung bei der Diagnose von Krankheiten zu erhalten. 55% nutzen sie zur Erklärung von Befunden und medizinischen Informationen, 39% für Fragen zu Medikamenten und Nebenwirkungen. Weitere 32% verwenden KI für Themen wie Fitness, Ernährung oder Schlaf und 29% zur Früherkennung beziehungsweise Risikoeinschätzung bei Beschwerden.
Insgesamt halten 38% KI bei Gesundheitsfragen für sehr oder eher hilfreich. Bei den 16- bis 35-Jährigen sind es 53%. Ärztlichen Informationen wird dennoch deutlich mehr vertraut: 82% halten diese für vertrauenswürdiger als Auskünfte einer KI. 13% bewerten dagegen KI als eher oder jedenfalls vertrauenswürdiger.
31% der bisherigen KI-Nutzer geben an, bei gesundheitlichen Problemen bereits einer KI-Empfehlung gefolgt zu sein und dabei auf einen Arztbesuch verzichtet oder statt der ärztlichen Empfehlung jene der KI befolgt zu haben. Bei den 16- bis 35-Jährigen liegt dieser Anteil bei 44%, bei den 56- bis 70-Jährigen bei 15%.
Manuel Schalk:
"KI wird für viele Menschen zunehmend zur ersten Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. Umso wichtiger ist es, Informationen richtig einordnen zu können und KI als Ergänzung, nicht als Ersatz für medizinische Beratung zu verstehen."
Zufriedenheit mit Gesundheitssystem nimmt ab
Mit dem öffentlichen Gesundheitssystem sind aktuell 47% sehr oder eher zufrieden. 2022 waren es noch 56%. 20% zeigen sich derzeit sehr oder eher unzufrieden. 44% sind der Ansicht, dass sich die medizinische Versorgung innerhalb der vergangenen zwölf Monate verschlechtert hat, während nur rund jeder Zehnte eine Verbesserung wahrnimmt.
Auch die Verfügbarkeit von Kassenärzten wurde abgefragt. 55% meinen, dass es nicht genügend Kassenärzte für Allgemeinmedizin gibt, bei anderen Fachrichtungen sind es 71%. Während 52% innerhalb weniger Tage einen Termin bei einem Kassenarzt für Allgemeinmedizin erhalten, trifft das bei Fachärzten nur auf 7% zu. 34% geben an, länger als zwei Monate auf einen Termin bei einem Kassenfacharzt zu warten.
58% können sich Ambulanzgebühr vorstellen
58% der Befragten sprechen sich grundsätzlich für eine Ambulanzgebühr bei nicht dringenden Besuchen in Krankenhausambulanzen aus. 25% sind jedenfalls dafür, weitere 33% eher dafür.
Unter den Befürwortern nennen 33% einen Betrag zwischen fünf und zehn Euro, 41% elf bis 20 Euro. Für 15% sollte die Gebühr zwischen 21 und 30 Euro liegen, 11% nennen mehr als 30 Euro.
Mehrheit beurteilt eigene Gesundheit positiv
61% beschreiben ihre körperliche Gesundheit als sehr gut oder gut, bei der mentalen Gesundheit sind es 62%. Gleichzeitig berichten 27% von einer Verschlechterung ihrer körperlichen Gesundheit innerhalb der vergangenen zwölf Monate, während 21% eine Verbesserung wahrnehmen. Bei der mentalen Gesundheit geben jeweils 19% eine Verbesserung beziehungsweise eine Verschlechterung an.
Bei den 16- bis 35-Jährigen berichten 29% von einer Verbesserung ihrer mentalen Gesundheit im vergangenen Jahr. Bei den 56- bis 70-Jährigen sind es 7%.
Gendermedizin und sexuelle Gesundheit
87% der Befragten nehmen geschlechtsspezifische Unterschiede bei Krankheitsbildern wahr. Von diesen nennen 65% Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 61% psychische Erkrankungen und 58% Schmerzen. Unter jenen, die Unterschiede bei Behandlungen wahrnehmen, werden vor allem die Schmerzbehandlung (56%), die Diagnose (51%) und die Medikamentenverschreibung (44%) genannt.
27% beurteilen die Aufklärung über sexuell übertragbare Infektionen durch Schulen, Ärzte, Gesundheitsorganisationen und Medien als sehr oder eher ausreichend. 34% der Befragten haben sich bereits mindestens einmal auf sexuell übertragbare Infektionen testen lassen.
Interesse an privater Krankenversicherung steigt
52% der Befragten halten eine private Krankenversicherung für sehr oder eher wichtig. Bei den 16- bis 35-Jährigen liegt dieser Anteil bei 60%. Als Gründe für einen Abschluss nennen die Befragten vor allem lange Wartezeiten auf Termine bei Kassenärzten (60%), wenig Zeit der Kassenärzte für ihre Patienten (51%) sowie Leistungseinschränkungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (47%).
Unter den Befragten ohne private Krankenversicherung ist bei 33% das Interesse an einem Abschluss innerhalb der vergangenen zwölf Monate gestiegen. Bei den 16- bis 35-Jährigen liegt der Anteil bei 41%. Von den Befragten, die bereits privat krankenversichert sind, verfügen 60% über eine Privatarztversicherung, 50% über eine Sonderklasseversicherung, 39% über Krankenhaustagegeld und 12% über eine Zahnkostenversicherung.
„Gerade bei Jüngeren sehen wir, dass Vorsorge und Prävention zunehmend früher mitgedacht werden. Private Gesundheitsvorsorge kann dabei zusätzliche Wahlmöglichkeiten schaffen und die öffentliche Versorgung sinnvoll ergänzen“, so Schalk.
Foto oben: Manuel Schalk, Vorstandsdirektor der Wiener Städtischen Versicherung
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