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Jochen Zoeschg: „Business, Technologie und Menschen bilden die Basis unserer Entwicklung“

Jochen Zoeschg: „Business, Technologie und Menschen bilden die Basis unserer Entwicklung“

06. März 2026

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8 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt

Reiseverhalten, Serviceerwartungen und technologische Rahmenbedingungen verändern sich spürbar. Dr. Jochen Zöschg, CEO der Europäischen Reiseversicherung AG und der Europ Assistance GmbH, spricht über seine ersten Monate im Amt, strategische Schwerpunkte und die Rolle der Makler im österreichischen Markt.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 06.03.2026

Seit Oktober 2025 steht Jochen Zöschg an der Spitze bei der Europäischen Reiseversicherung AG und der Europ Assistance GmbH. Zu Beginn seiner Tätigkeit stand für ihn eine umfassende Standortbestimmung im Vordergrund. Neben der Analyse von Strukturen und Ergebnissen suchte er bewusst den direkten Austausch mit Mitarbeitenden und Vertriebspartnern.

„In den ersten Monaten war es mir besonders wichtig, das Unternehmen, unsere Kundinnen und Kunden sowie Vertriebspartnerinnen und Vertriebspartner persönlich kennenzulernen und ein tiefes Verständnis für die bestehenden Strukturen zu entwickeln. Daher habe ich bewusst sehr früh den Austausch gesucht – unter anderem durch meine Teilnahme am AssCompact Trendtag bereits im ersten Monat, wo ich wertvolle Einblicke in die Anforderungen des Maklervertriebs erhalten habe. Kurz gesagt: Mein Fokus lag darauf, die Menschen, Strukturen und Partner unseres Unternehmens unmittelbar zu verstehen – denn erfolgreiche Weiterentwicklung beginnt immer mit einem starken persönlichen Fundament“, erklärt Zöschg.

Aus dieser Analyse leitete er drei strategische Säulen ab, die künftig die Entwicklung prägen sollen. „Ein zentrales Thema ist die Business-Entwicklung. Ziel ist es, die Marktführerschaft der Europäischen Reiseversicherung nicht nur zu halten, sondern konsequent weiter auszubauen. Das gelingt aus unserer Sicht vor allem über klare Produktstrategien, stabile Partnerschaften und eine nachhaltige Weiterentwicklung des Geschäfts. Ein weiterer Schwerpunkt ist die technische Transformation. Strategisch besonders wichtig ist dabei die Integration beider österreichischer Unternehmen in die globale Europ Assistance Gruppe“, führt Zöschg aus.

Ganzheitliches Sicherheitsnetz auf Reisen

Im österreichischen Markt greifen Reiseversicherung und Assistance-Leistungen eng ineinander. Dieses Zusammenspiel soll weiter vertieft werden. „Die Reiseversicherung schützt Kundinnen und Kunden vor finanziellen Risiken, insbesondere in Ländern, in denen die staatliche Sozialversicherung nicht oder nur eingeschränkt leistet. Gleichzeitig übernimmt die Assistance die operative Hilfe direkt vor Ort: von der medizinischen Versorgung über Rückholungen bis zur Koordination mit Leistungserbringern weltweit. Dadurch bieten wir ein ganzheitliches Sicherheitsnetz auf Reisen, das über die klassische Versicherung hinausgeht“, erläutert Zöschg.

Künftig soll die Prozessintegration weiter verbessert werden. „Wir arbeiten an einer noch engeren Prozessintegration – von der Erstmeldung über Telemedizin bis zur Schadenregulierung – um Medienbrüche zu vermeiden und die Kommunikation reibungsloser zu gestalten. Ergänzend entwickeln wir Assistance jenseits von Travel weiter: IT-Assistance bei Cybervorfällen, Senior Care für betreuungsrelevante Fragestellungen, Green Assistance beim Umstieg auf nachhaltige Mobilität“, sagt Zöschg.

Veränderte Erwartungen und stabile Nachfrage

Trotz konjunktureller Unsicherheiten sieht Zöschg eine stabile Reisetätigkeit, allerdings mit veränderten Mustern und höherem Risikobewusstsein. „Sie erwarten heute persönlichen Service, unmittelbare Erreichbarkeit und Transparenz – noch stärker als vor einigen Jahren. Dazu zählen 24/7-Hotlines, telemedizinische Unterstützung und eine nahtlose Organisation im Ernstfall. Besonders häufig wird weiterhin nach dem Pandemieschutz gefragt – hier ist die klare Botschaft wichtig, dass entsprechende Ereignisse in unseren Deckungen berücksichtigt werden“, erklärt Zöschg.

Auch strukturell erkennt er Verschiebungen im Produktmix. „Außerdem sehen wir eine Verschiebung hin zu Jahresprodukten: Viele Kundinnen und Kunden möchten ‚einmal absichern – das ganze Jahr sorgenfrei reisen‘. Für Vermittlerinnen und Vermittler entsteht dadurch ein doppelter Mehrwert: weniger administrativer Aufwand pro Reise und eine stabilere Kundenbindung durch kontinuierliche Leistung. Modulisierung wird nachgefragt, wir bieten sie gezielt an, ohne den Beratungsprozess zu komplex zu gestalten“, so Zöschg.

Digitalisierung mit Augenmaß

Technologische Weiterentwicklung erfolgt aus Sicht Zöschgs schrittweise und mit klarer Ausrichtung. „Unsere Leitlinie ist ‚Digital first – mit Human Touch‘: Technologie beschleunigt Prozesse und macht sie intuitiv; im entscheidenden Moment bleiben Menschen die Ansprechpartner. In Österreich setzen wir auf digitale Schnittstellen zu Vertriebspartner-Systemen, ein Business-Portal für Maklerinnen und Makler mit bidirektionalem Datenaustausch sowie eClaims, um Schadenfälle einfach online einzureichen. Das ist noch keine KI – aber es verschlankt die Abläufe erheblich und legt die Basis, um KI später sinnvoll aufzusetzen“, erläutert Zöschg.

Makler als Schlüsselpartner

Im Vertrieb misst Zöschg den unabhängigen Vermittlern eine zentrale Rolle bei. „Maklerinnen und Makler sind für uns strategische Schlüsselpartner – gerade, weil Produkte komplexer und Kundenerwartungen höher werden. Nach einer Phase, in der Teile des Marktes passiver waren, stellen wir jetzt aktiv um: Key-Accounting als Speerspitze, Vermittlerservice mit schneller Erreichbarkeit, Nähe auf Augenhöhe. Jahrespakete sind dabei ein zentraler Hebel: Sie liefern wiederkehrenden Kundennutzen und planbare Erträge im Bestand“, betont Zöschg.

Zunehmende Komplexität für die Versicherungswirtschaft

Die Rahmenbedingungen für Versicherungsunternehmen verändern sich derzeit spürbar. Zöschg sieht mehrere Faktoren, die gleichzeitig auf die Branche einwirken und strategische Anpassungen erforderlich machen. „Die Versicherungswirtschaft steht derzeit vor mehreren miteinander verknüpften Herausforderungen. Besonders stark wirkt sich der Klimawandel aus: Schäden durch Naturkatastrophen nehmen zu, die Volatilität steigt schneller als die Versicherbarkeit einzelner Risiken, und die Protection Gap bleibt in vielen Segmenten erheblich. Gleichzeitig zwingt die digitale Transformation die Branche zur grundlegenden Erneuerung ihrer IT-Landschaften. Die Modernisierung von Kernsystemen, eine verbesserte Datenqualität und ein höherer Automatisierungsgrad gelten dabei als zentrale Voraussetzungen, um KI sinnvoll zu skalieren und Servicequalität zu erhöhen“, erklärt Zöschg.

Er verweist zudem auf regulatorische Anforderungen und veränderte Marktmechanismen. „Hinzu kommen wachsende regulatorische Anforderungen. Parallel verschärft sich der Wettbewerb: Neue Marktteilnehmer, veränderte Kundenerwartungen und eine hohe Preissensibilität erfordern verständliche Produkte, schnelle Assistance und eine konsequent kundenzentrierte Ausrichtung. Branchenanalysen zeigen dabei deutlich, dass Versicherer vor allem dann robust wachsen können, wenn sie Technologie, Daten und Partnerökosysteme gezielt miteinander verbinden“, so Zöschg.

Das gesamte Interview lesen Sie in der AssCompact März-Ausgabe!

Foto oben: Dr. Jochen Zöschg, CEO der Europäischen Reiseversicherung AG und der Europ Assistance GmbH (rechts) im Gespräch mit AssCompact Herausgeber Franz Waghubinger (links)

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