zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

Helvetia: „Digitalisierung und Partnerschaft sind entscheidende Differenzierungsfaktoren“

Helvetia: „Digitalisierung und Partnerschaft sind entscheidende Differenzierungsfaktoren“

30. April 2026

|

8 Min. Lesezeit

|

Im Blickpunkt

Veränderungen in Marktstruktur, Regulierung und Kundenerwartungen prägen aktuell die Versicherungsbranche. Alexander Neubauer, Leiter des Partnervertriebs der Helvetia Versicherungen AG, beschreibt, wie sich Vertrieb, Vorsorgegeschäft und Kundenanforderungen aus seiner Sicht entwickeln und welche Schwerpunkte Helvetia dabei setzt.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 30.04.2026

Helvetia positioniert sich im Vertrieb klar entlang bestimmter Zielgruppen und Produktbereiche. Alexander Neubauer stellt dabei insbesondere die Ausrichtung auf Privatkunden und kleine sowie mittlere Unternehmen sowie die Rolle der Vorsorgelösungen in den Vordergrund.

„Seit dem Jahr 2012 verantworte ich den Helvetia Partnervertrieb, und wenn man die letzten vierzehn Jahre betrachtet, war kein Jahr wie das andere – das gilt auch für das aktuelle Jahr. Für mich ist eine klare Positionierung wichtig, die unsere ist: Wir sind ein Versicherer für Privatkunden und KMU. Unser Fokus sind hochwertige Produktlösungen in der Sach- und Kfz-Versicherung und herausragende fondsgebundene Vorsorgelösungen, verbunden mit digitalisierten Antrags- und Abwicklungsstrecken. Unsere Kernkompetenz für Vorsorgelösungen bestätigen jährlich rund 10.000 neue Kundinnen und Kunden in diesem Bereich.“ so Neubauer.

Rahmenbedingungen treiben die Vorsorge

Niedrige Zinserwartungen fördern die Nachfrage nach mittel- und langfristigen Vorsorgelösungen – und damit insbesondere nach fondsgebundenen Lebensversicherungen, ist Neubauer überzeugt. Allerdings gebe es in Österreich nur eingeschränkt steuerlich attraktive Alternativen. „Erträge aus Sparbuchvermögen, Direktinvestments und Wertpapierveranlagungen werden durch die Kapitalertragssteuer stark belastet. Vor diesem Hintergrund wird die Kombination aus steuerlichen Vorteilen und attraktiven Veranlagungsmöglichkeiten zunehmend relevant. Ein Einstieg ist bereits mit rund 35 Euro monatlich möglich, weniger als ein Coffee-to-Go am Tag – und damit absolut leistbar.“ erklärt Neubauer.

Erwartungen an Transparenz und Anpassbarkeit

Parallel dazu verändern sich laut Neubauer die Anforderungen der Kunden an Produkte und Betreuung. Im Mittelpunkt stehen Transparenz, Nachvollziehbarkeit und die Möglichkeit, bestehende Lösungen laufend anzupassen.

„Kundinnen und Kunden sind heute deutlich interessierter und informierter. Sie erwarten vor allem Transparenz ihrer Veranlagung, in der Kostenstruktur und bei den Veranlagungsmöglichkeiten. Flexibilität ist Voraussetzung, also die Möglichkeit, den Vertrag und die Veranlagung laufend anzupassen. Damit stehen neben dem Produkt selbst auch die digitalen Prozesse im Fokus. Ein moderner Lebensversicherer muss eine digitalisierte Antragsstrecke und eine durchgängige Vertragsverwaltung anbieten.“ so Neubauer.

Digitalisierung verändert die Abwicklung

Die Digitalisierung ist auch im Vertrieb ein Thema. Sie betrifft die Abwicklung von Anträgen sowie die Durchführung von Beratung und Abschluss. Digitale Prozesse ermöglichen dabei eine zeit- und ortsunabhängige Umsetzung. „Der Umfang der Unterlagen bleibt im Kern derselbe – unabhängig davon, ob Antrag oder Bedingungen in Papierform oder digital sind. Die Informationen, die durch die regulatorischen Vorgaben enthalten sein müssen, sind umfangreich. Entscheidend ist es, diese Inhalte so transparent wie möglich aufzubereiten und darzustellen. Die Digitalisierung unterstützt uns dabei, indem sie eine deutlich effizientere Abwicklung ermöglicht. Beratung und Abschluss können heute durch die Digitalisierung unabhängig von Ort und Zeit erfolgen. Über elektronische Signaturen kann ein Antrag innerhalb weniger Minuten abgeschlossen und weiterverarbeitet werden.“ führt Neubauer aus.

Ausbau digitaler Systeme und Angebote

Neben der Abwicklung arbeitet Helvetia laut Neubauer auch an der Weiterentwicklung ihrer Systeme und Produkte. Dabei spielt das Vertriebsportal TIM ebenso eine Rolle wie die Erweiterung der Veranlagungsmöglichkeiten im Vorsorgebereich.

„Im vergangenen Jahr haben wir unsere Prozesse und insbesondere die Digitalisierung in unserem Webportal ‚TIM – tarifieren, informieren, managen‘ weiterentwickelt. Jeder zweite Lebensversicherungsantrag wird vollständig digital unterschrieben und übergeleitet. Ein zentraler Fokus ist unsere Fondspalette – aktuell stehen über 250 Fonds zur Verfügung, die unterschiedliche Veranlagungsstrategien ermöglichen.“ erläutert Neubauer.

Anpassungen im Rechtsschutzgeschäft

Im Rechtsschutzbereich hat Helvetia organisatorische und inhaltliche Änderungen umgesetzt. Ziel ist es, die Position im Markt zu stärken und das Angebot weiterzuentwickeln.

„Wir haben uns in der Rechtsschutzversicherung strategisch neu ausgerichtet und ein eigenes Competence Center geschaffen, das sich gezielt mit Produktentwicklung, Deckungskonzepten und vertrieblicher Unterstützung beschäftigt. Erste Ergebnisse dieser Maßnahmen sind bereits sichtbar – das Neugeschäft entwickelt sich dynamisch im Vergleich zu den Vorjahren. Es wurden der Tarif und die Deckungen überarbeitet sowie ein attraktives Prämienniveau geschaffen. Wir sind mittlerweile ein absolut konkurrenzfähiger Rechtsschutzversicherer.“ so Neubauer.

Zusammenarbeit im Maklervertrieb

Im Vertrieb setzt Helvetia auf die Zusammenarbeit mit freien Vermittlern. Die Betreuung erfolgt regional, mit kurzen Wegen und direkter Ansprechbarkeit. Entscheidungen werden dabei möglichst vor Ort getroffen.

„Helvetia ist ein sehr verlässlicher Partner für freie Vermittler. Wir sind regional stark aufgestellt, suchen bewusst die Nähe zu unseren Vertriebspartnern und legen großen Wert auf Servicequalität, Erreichbarkeit und Entscheidungskompetenz vor Ort. Sehr viele Entscheidungen im Tagesgeschäft können unsere regionalen Betreuungskräfte treffen, wir können damit rasche Lösungen anbieten.“ sagt Neubauer.

Digitalisierung als strategischer Schwerpunkt

Auf Unternehmensebene ist Digitalisierung laut Neubauer organisatorisch klar verankert. Im Mittelpunkt steht der Ausbau digitaler Prozesse für Kunden und Vermittler.

„IT und Digitalisierung sind für uns eine zentrale Kernkompetenz und seit Jahresbeginn organisatorisch auf Vorstandsebene verankert. Über unser Portal TIM werden zwei von drei Anträgen digital übergeleitet, wir erweitern laufend Funktionen, um Prozesse zu vereinfachen und schneller zu machen. So wie z.B. die Integration der Eurotax-Liste, die Anbindung an die Zulassungsdatenbank oder die digitale Versicherungsbestätigung ermöglichen schnelle, effiziente und fehlerfreie Antragsstrecken.“ erklärt Neubauer.

Branche im Wandel

Die Branche ist laut Neubauer durch strukturelle Veränderungen und steigende Anforderungen an Vermittler gekennzeichnet. Regulierung, Digitalisierung und Konsolidierung wirken dabei als zentrale Einflussfaktoren. „Die Branche wird sich weiter stark verändern – durch Regulierung, Digitalisierung und Konsolidierung. Zusammenschlüsse und strukturelle Veränderungen werden die Branche weiterhin prägen. Gleichzeitig sehe ich die Herausforderung der Unternehmensnachfolge, die viele Maklerunternehmen in Österreich betrifft. Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Digitalisierung auf der Vermittlerebene – also die Frage, wie stark Vermittler in ihre eigenen digitalen Prozesse investieren und wie sie diese in die Kundenbeziehung integrieren. Erfolgreich werden jene Unternehmen sein, die Stabilität mit Innovationskraft verbinden und echte Partnerschaften leben.“ so Neubauer.

Das gesamte Interview lesen Sie in der AssCompact Mai-Ausgabe!

Foto oben: Alexander Neubauer, Leiter des Partnervertriebs der Helvetia Versicherungen AG

zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

sharing is caring

Das könnte Sie auch interessieren


Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

(Klicken um Kommentar zu verfassen)