Die aktuelle „Creditreform KMU-Umfrage Österreich, Frühjahr 2026“ zeigt weiterhin eine angespannte Lage im heimischen Mittelstand. Belastet werden die Unternehmen laut der Erhebung vor allem durch schwache Auftragseingänge, hohe Kosten, unsichere Konjunkturaussichten und zurückhaltende Investitionen.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 13.05.2026
Für die Umfrage wurden rund 1.400 mittelständische Unternehmen in Österreich befragt. Das Creditreform-Geschäftsklimabarometer liegt mit minus 3,8 Punkten weiterhin im negativen Bereich. Gegenüber den Tiefständen der Vorjahre hat sich die Stimmung zwar leicht verbessert, eine konjunkturelle Trendwende sieht Creditreform aber noch nicht.
Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer vom Österreichischen Verband Creditreform:
"Die österreichische Wirtschaft befindet sich in einer Phase der fragilen Stabilisierung. Zwar sind erste Erholungszeichen erkennbar, doch dominiert weiterhin die Unsicherheit – insbesondere aufgrund des Nahostkonflikts und steigender Energiepreise. Die erhoffte konjunkturelle Trendwende lässt weiter auf sich warten."
Auftragslage und Umsätze bleiben schwach
35,4% der Unternehmen berichteten zuletzt von sinkenden Auftragsbeständen. Nur 13,9% meldeten steigende Aufträge. Auch die Umsatzentwicklung bleibt schwach: 36,1% der Betriebe verzeichneten Umsatzrückgänge, während lediglich 14,9% steigende Umsätze meldeten.
Die Erwartungen für die kommenden Monate bleiben ebenfalls zurückhaltend. 17,3% der Unternehmen rechnen mit steigenden Auftragseingängen, gleichzeitig erwarten 21,3% weitere Rückgänge. Besonders pessimistisch zeigt sich das Bauwesen. Nur im Dienstleistungsbereich überwiegen positive Auftragserwartungen.
Bei den Umsätzen rechnen 19,6% der Unternehmen im kommenden Halbjahr mit Steigerungen. Gleichzeitig erwarten weiterhin 21,3% Rückgänge. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Stimmung etwas verbessert – damals lagen die negativen Umsatzerwartungen noch bei rund 30%.
Unternehmen rechnen wieder mit stärkerer Inflation
Die Studie geht davon aus, dass die Preisdynamik in den kommenden Monaten wieder zunimmt. 22,0% der Unternehmen planen Preiserhöhungen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 19,1%. Gleichzeitig wollen nur 9,4% ihre Preise senken.
Als Gründe nennt Creditreform steigende Rohstoffkosten sowie die Auswirkungen des Nahostkonflikts und höherer Energiepreise. Die Inflationsrate könnte dadurch erneut über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank von rund 2% liegen.
Besonders im Bauwesen rechnen viele Unternehmen mit höheren Preisen. Dort planen knapp 30% Preiserhöhungen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch im Handel steigt der Anteil der Unternehmen mit geplanten Preissteigerungen auf 27,4%, nach 21,5% im Vorjahr. Im Verarbeitenden Gewerbe dürfte der Preisanstieg hingegen schwächer ausfallen.
Personalaufbau bleibt die Ausnahme
Die Unternehmen bleiben auch bei Neueinstellungen vorsichtig. 13,1% planen einen Personalaufbau, gleichzeitig wollen 16,3% Stellen abbauen.
Bereits im vergangenen Winterhalbjahr setzte sich der Beschäftigungsrückgang fort: 29,2% der Unternehmen meldeten sinkende Mitarbeiterzahlen, während nur 10,1% zusätzliche Stellen geschaffen haben.
Die schwachen Konjunkturaussichten wirken sich damit weiterhin auf den Arbeitsmarkt aus. Viele Betriebe agieren laut der Studie bei Neueinstellungen zurückhaltend.
Investitionen bleiben auf niedrigem Niveau
Nur 30,9% der Unternehmen planen derzeit Investitionen. Das ist laut Creditreform der zweitschlechteste Wert seit 1996 und deutlich weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Als Ursachen nennt die Studie unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie erschwerte Finanzierungsbedingungen. Rund zwei Drittel der geplanten Investitionen entfallen zudem lediglich auf Ersatzanschaffungen. Besonders stark zurückgegangen sind die Investitionsabsichten im Bauwesen.
Eigenkapitalbasis gerät unter Druck
Die schwache Ertragslage wirkt sich zunehmend auf die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen aus. 20,1% der Betriebe verfügen nur noch über eine Eigenkapitalquote von maximal 10%.
Gleichzeitig weisen nur mehr 40,8% der Unternehmen eine Eigenkapitalquote von über 30% auf. Laut Creditreform müssen Verluste zunehmend über Eigenkapital oder Fremdfinanzierung ausgeglichen werden. Sinkende Eigenkapitalquoten schwächen damit die finanzielle Stabilität vieler Betriebe.
Bürokratieabbau bleibt wichtigste Forderung
Als wichtigste wirtschaftspolitische Themen nennen die befragten Unternehmen Bürokratieabbau mit 79,0%, gefolgt von Energiekosten mit 64,2% und dem Fachkräftemangel mit 59,8%. Auch die Inflation bleibt für viele Betriebe ein zentrales Thema. 56,8% der Unternehmen sehen hier weiteren Handlungsbedarf.
Vor diesem Hintergrund beurteilen rund 60% der Unternehmen die aktuelle Wirtschaftspolitik negativ. Die Studie zeigt zudem, dass die Forderung nach Bürokratieabbau gegenüber dem Vorjahr weiter an Bedeutung gewonnen hat.
Foto oben: Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer vom Österreichischen Verband Creditreform
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