Österreich schneidet bei der Finanzbildung im internationalen Vergleich zwar besser ab als viele andere Länder, dennoch sieht die Allianz erheblichen Aufholbedarf. Laut der aktuellen Finanzbildungsstudie von Allianz Research entgehen jeder Österreicherin und jedem Österreicher im Schnitt rund 6.100 Euro Vermögen, weil Geld überwiegend auf Sparbüchern liegt, statt langfristig investiert zu werden. Für Versicherer und Vermittler unterstreichen die Ergebnisse die wachsende Bedeutung qualifizierter Vorsorge- und Veranlagungsberatung.
Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 31.07.2026
Für die Studie wurden mehr als 8.000 Personen in acht Ländern befragt. Österreich erreicht gemeinsam mit Deutschland einen Anteil von 22% an Personen mit hohem Finanzbildungsniveau und liegt damit hinter dem Vereinigten Königreich (23%) auf Rang zwei. Insgesamt zeigt die Untersuchung jedoch, dass Finanzwissen weiterhin die Ausnahme ist: Nur 17% der Befragten verfügen über ein hohes Finanzbildungsniveau, während bei jedem Vierten erhebliche Wissensdefizite festgestellt wurden.
Frauen und junge Menschen mit den größten Wissenslücken
Nach Berechnungen von Allianz Research könnten Haushalte ihr Vermögen deutlich steigern, wenn sie einen Teil ihrer Spareinlagen langfristig in Anleihen oder Aktien investieren würden. Allein eine Umschichtung der Hälfte der Bankeinlagen hätte das Pro-Kopf-Finanzvermögen in den vergangenen zwei Jahrzehnten je nach Land um 14 bis 21% erhöht. Für Österreich entspricht die dadurch entstehende Vermögenslücke inflationsbereinigt rund 6.100 Euro beziehungsweise etwa 300 Euro pro Jahr.
Besonders deutlich zeigt die Studie Unterschiede zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen. Frauen verfügen wesentlich seltener über ein hohes Finanzbildungsniveau als Männer. In Österreich erreichen lediglich 14% der Frauen einen hohen Finanzbildungsgrad, bei den Männern sind es 30%. Ähnlich groß fällt die Differenz zwischen den Generationen aus: Während 29% der Babyboomer über ein hohes Finanzwissen verfügen, trifft dies bei der Generation Z lediglich auf 13% zu. Besonders niedrig sind die Werte bei jungen Frauen.
„Auch wenn Österreich im internationalen Vergleich verhältnismäßig gut abschneidet, ist noch viel Luft nach oben. In einer Zeit, in der die Menschen länger leben und private Vorsorge immer stärker in den Vordergrund rückt, entscheidet Finanzkompetenz zunehmend darüber, wer von dieser Entwicklung profitiert und wer nicht", sagt Sabine Stöger, CFO der Allianz Österreich.
KI ersetzt keine qualifizierte Finanzberatung
Ein weiteres Ergebnis betrifft den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Bereits 10% der Befragten in Österreich nennen KI als wichtigste Quelle für Finanzinformationen, bei der Generation Z sind es 16%. Allerdings zeigt die Studie, dass KI-Nutzer ihr Finanzwissen zwar häufiger als ausreichend einschätzen, tatsächlich aber keine höhere Finanzkompetenz aufweisen als Personen, die keine KI nutzen. „KI macht Finanzinformationen zugänglicher als je zuvor, aber sie kann Finanzbildung nicht ersetzen", betont Simon Krause, Ökonom bei Allianz Research.
Aus Sicht der Allianz braucht es daher ein Zusammenspiel von Politik, Bildungseinrichtungen, Arbeitgebern und Finanzinstituten, um die Finanzkompetenz nachhaltig zu stärken. Für die Versicherungswirtschaft verdeutlicht die Studie einmal mehr, dass Vermittler bei den Themen Vermögensaufbau, Altersvorsorge und Investmentberatung eine wichtige Rolle spielen. Qualifizierte Beratung kann dazu beitragen, Wissenslücken zu schließen und Kunden bei langfristigen Finanzentscheidungen zu begleiten.
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