Der Österreichische Verband Financial Planners (AFP) sieht die Absicherung der eigenen Arbeitskraft als zentralen Baustein einer nachhaltigen Finanzplanung. Gerade angesichts des Trends zu ETFs, Kryptowährungen und Social-Media-Finanztipps werde das Risiko eines Einkommensausfalls häufig unterschätzt.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 16.07.2026
ryptowährungen, ETFs und Social-Media-Finanztipps prägen zunehmend die Diskussion über Geldanlage und Vermögensaufbau. Nach Ansicht des Österreichischen Verbands Financial Planners (AFP) wird dabei jedoch häufig ein wesentlicher Faktor vernachlässigt: die Absicherung der eigenen Arbeitskraft.
Der Verband weist darauf hin, dass langfristiger Vermögensaufbau in erster Linie auf einem regelmäßigen Einkommen basiert. Entsprechend sollte die Absicherung der Arbeitskraft integraler Bestandteil einer ganzheitlichen Finanzplanung sein.
Sonja Ebhart-Pfeiffer, Vorstandsmitglied des AFP und Senior Financial Consultant bei FiNUM.Private Finance:
"Die wichtigste finanzielle Ressource der meisten Menschen ist nicht ihr Aktiendepot oder ihr Sparbuch, sondern ihre Fähigkeit, laufend Einkommen zu erzielen. Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, sollte daher zuerst die eigene Existenzgrundlage absichern. Ohne Einkommen geraten selbst die besten Veranlagungsstrategien rasch ins Wanken."
Gesetzliche Absicherung häufig überschätzt
Nach Einschätzung des AFP überschätzen viele Menschen die Leistungen der gesetzlichen Absicherung bei Berufsunfähigkeit. Der Verband verweist auf die Reform der Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension im Jahr 2014. Seither gelte für die meisten Versicherten verstärkt der Grundsatz „Rehabilitation vor Pension“. Anstelle einer dauerhaften Berufsunfähigkeitspension stünden häufig medizinische Rehabilitation, berufliche Wiedereingliederung oder Umschulungsmaßnahmen im Vordergrund.
Ebhart-Pfeiffer erklärt, viele Menschen wüssten nicht, dass sie im Ernstfall möglicherweise keine klassische Berufsunfähigkeitspension erhalten, sondern zunächst auf Rehabilitations- oder Umschulungsmaßnahmen verwiesen werden. Das könne dazu führen, dass sie ihren ursprünglich erlernten Beruf nicht mehr ausüben könnten und gleichzeitig finanzielle Einbußen hinnehmen müssten.
Der AFP sieht deshalb eine private Berufsunfähigkeitsversicherung als Möglichkeit, eine mögliche Versorgungslücke zu schließen. Nach Angaben des Verbands leistet diese in der Regel, wenn die versicherte Person ihren zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich dauerhaft nicht mehr ausüben kann. Bei der Produktauswahl seien unter anderem die Höhe der vereinbarten Rente, die Leistungsbedingungen sowie mögliche Verweisungsklauseln zu beachten.
Absicherung und Vermögensaufbau gemeinsam denken
Neben der Absicherung der Arbeitskraft spricht sich der AFP für einen frühzeitigen und langfristigen Vermögensaufbau aus. Bereits regelmäßige kleinere Sparbeträge könnten über einen langen Zeitraum eine beachtliche Wirkung entfalten. Entscheidend seien Kontinuität, ein langfristiger Anlagehorizont und eine klare Strategie. Nach Ansicht des Verbands sollten Risikoabsicherung und Vermögensaufbau nicht getrennt betrachtet werden, sondern einander ergänzen.
Mit Blick auf soziale Medien warnt der AFP zudem vor unrealistischen Erwartungen an den Vermögensaufbau. ETFs seien grundsätzlich ein bewährtes Instrument für langfristiges Investieren, problematisch werde es jedoch, wenn sie als kurzfristige Renditemaschine verstanden würden. Nachhaltiger finanzieller Erfolg entstehe nach Ansicht des Verbands durch Disziplin, Diversifikation, einen langfristigen Anlagehorizont und eine solide Risikoabsicherung.
Foto oben: Sonja Ebhart-Pfeiffer, Vorstandsmitglied des AFP und Senior Financial Consultant bei FiNUM. Private Finance
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