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Zwischen Kostenanstieg und Digitalisierung: Wie sich die private Krankenversicherung neu aufstellt

Zwischen Kostenanstieg und Digitalisierung: Wie sich die private Krankenversicherung neu aufstellt

22. Juli 2026

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6 Min. Lesezeit

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Recht & Wissen

Steigende Gesundheitskosten, neue digitale Angebote und veränderte Erwartungen der Versicherten verändern die private Gesundheitsvorsorge nachhaltig. Im zweiten Teil der Interviewrunde zur privaten Gesundheitsvorsorge erläutern Hans Aubauer, Leiter Group Health Insurance bei der UNIQA Insurance Group AG, Andrea Hutter, Leiterin der Krankenversicherung der Generali Versicherung AG, und Thomas Kuchlbacher, Gruppenleiter Krankenversicherung der Wiener Städtischen Versicherung AG, wie Versicherer hochwertige Leistungen langfristig leistbar halten wollen und warum Telemedizin sowie digitale Gesundheitsservices zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 22.07.2026

Leistbarkeit trotz steigender Gesundheitskosten

Die medizinische Inflation stellt private Krankenversicherer vor die Herausforderung, hochwertige Leistungen langfristig finanzierbar zu halten. Dabei setzen die drei Experten auf unterschiedliche Ansätze – von flexiblen Produkten über Prävention bis hin zu Digitalisierung.

Hans Aubauer sieht vor allem strukturelle Anpassungen als notwendig an: „Die Kosten steigen spürbar, medizinische Kosten wachsen deutlich über der volkswirtschaftlichen Inflation – 2024 lagen die Gesundheitsausgaben bei 57,8 Mrd. Euro, ein Plus von 8,3 % in nur einem Jahr, was natürlich auch auf die Prämien wirkt. Unsere Antwort darauf ist nicht einfach ‚mehr Leistung‘, sondern eine strukturelle Anpassung.“

Ein wichtiger Hebel sei die Anpassung der Produkte an die Entwicklungen im Gesundheitswesen: „Wir sehen etwa, dass der Anteil ambulanter Tarife im Neugeschäft bereits bei rund 50 % liegt, weil viele Behandlungen heute nicht mehr stationär erfolgen müssen. Mehr Prävention und die Nutzung von Möglichkeiten der Digitalisierung, wie etwa eine ergänzende Nutzung der Telemedizin sind weitere Lösungsoptionen.“

Auch Andrea Hutter sieht Prävention, Flexibilität und Digitalisierung als entscheidende Stellschrauben: „Die Kostenentwicklung ist eine zentrale Herausforderung, auf die die Generali mit Prävention, Flexibilität und Digitalisierung antwortet. Jeder verhinderte Leistungsfall ist ein Gewinn für alle. Als wichtiger Bestandteil einer umfassenden und sinnvollen Gesundheitsvorsorge trägt Prävention dazu bei, unseren Kunden mehr gesunde Lebensjahre zu ermöglichen.“

Versicherungsschutz müsse dabei an den individuellen Bedarf angepasst werden: „Berater stellen den Versicherungsschutz gemeinsam mit den Kunden individuell nach Bedarf und Budget zusammen. Versicherungsleistungen – vom gewünschten Komfort bis hin zum Umfang der Kostenübernahme – bleiben dadurch auch für unterschiedliche Einkommensgruppen langfristig finanzierbar.“

Thomas Kuchlbacher sieht den Schlüssel in flexiblen und bedarfsgerechten Produkten: „Dieser Spagat gelingt nur mit flexiblen und bedarfsgerechten Produkten. Unser Anspruch ist es, Gesundheitsvorsorge für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen – vom umfassenden Rundumschutz bis hin zu gezielten Lösungen mit bewusst schlankerem Leistungsumfang und entsprechend günstigerer Prämie.“

Die Produktpalette werde laufend an neue Anforderungen angepasst: „Die Basis jeder Produktentscheidung sind die individuellen Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten unserer Kunden. Deshalb setzen wir auf unterschiedliche Deckungsvarianten und modular erweiterbare Pakete. Gleichzeitig überprüfen wir unsere Produktpalette laufend hinsichtlich Aktualität und Bedarfsgerechtigkeit. Anpassungen erfolgen immer auf Basis fundierter versicherungsmathematischer Berechnungen.“

Vom Kostenerstatter zum Gesundheitsbegleiter

Neben den Produkten verändert sich auch die Rolle der privaten Krankenversicherung. Digitale Gesundheitsservices und Telemedizin erweitern das klassische Leistungsangebot zunehmend.

Hans Aubauer beobachtet veränderte Erwartungen der Versicherten: „Wenn man sich Erwartungen anschaut, merkt man schnell: Eine reine Kostenerstattung reicht den Menschen nicht mehr, auch wenn sie weiterhin wichtig bleibt. Gefragt ist Unterstützung im Alltag – also Zugang zu Versorgung, Orientierung und Geschwindigkeit.“

Digitale Angebote seien dabei nur ein Teil einer umfassenderen Entwicklung: „Telemedizin ist dabei ein innovativer Baustein, gerade für erste Einschätzungen. Auch international sehen wir, wie Telemedizin Versorgung entscheidend unterstützen kann. Aber genauso wichtig ist die Navigation im System, die oft unterschätzt wird. Die Frage lautet immer öfter: ‚Wo geh ich jetzt hin, und wie schnell bekomme ich einen Termin?‘“

Auch Andrea Hutter sieht die private Krankenversicherung zunehmend als Begleiter im Gesundheitsalltag: „Telemedizin und digitale Gesundheitsangebote sind heute keine Ergänzung, sondern bereits wesentliche Bestandteile in der Gesundheitsvorsorge. Mit Home of Health gehen wir bewusst über die klassische Kostenerstattung hinaus und bieten Gesundheitscoachings, Online-Sprechstunden und digitale Präventionsangebote.“

Im Mittelpunkt stehe dabei eine langfristige Begleitung der Kunden: „Unser Ziel als Lifetime Partner ist es, Kunden aktiv und langfristig zu begleiten – nicht erst im Krankheitsfall. Im Fokus steht Gesundbleiben statt Gesundwerden.“

Thomas Kuchlbacher verweist darauf, dass diese Entwicklung bereits seit Jahren vorangetrieben wird: „Diese Entwicklung findet bereits seit Jahren statt. Die Wiener Städtische baut seit Jahren ein eigenes Gesundheitsökosystem auf – mit dem Ziel, Kunden entlang der gesamten Customer Journey zu begleiten: von Prävention und Vorsorge über Behandlung bis hin zu digitalen Services.“

Vor allem digitale Anwendungen würden für viele Kunden zunehmend selbstverständlich: „Unsere losleben-App ermöglicht etwa die einfache Einreichung von Rechnungen oder den Überblick über Verträge und Leistungen. Gerade für jüngere Generationen sind solche Angebote mittlerweile selbstverständlich.“

Im dritten Teil der Interviewserie zur privaten Gesundheitsvorsorge erläutern Hans Aubauer, Andrea Hutter und Thomas Kuchlbacher, warum Prävention künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken wird und welche Entwicklungen sie für die private Krankenversicherung in den kommenden Jahren erwarten – von Künstlicher Intelligenz über personalisierte Medizin bis hin zu neuen Gesundheitsökosystemen.

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