zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

Wenn Vertrauen schwindet: Wie Gerüchte und Machtspiele die Unternehmenskultur gefährden

(Bild: © Phamminn - stock.adobe.com)

Wenn Vertrauen schwindet: Wie Gerüchte und Machtspiele die Unternehmenskultur gefährden

20. Juli 2026

|

3 Min. Lesezeit

|

Recht & Wissen

Toxische Unternehmenskulturen entstehen meist nicht von heute auf morgen, sondern entwickeln sich schleichend durch indirekte Kommunikation, Gerüchte und subtile Machtspiele. Kommunikationsexpertin Yvonne Köster erklärt, wie solche Dynamiken Vertrauen und Zusammenarbeit beeinträchtigen können und welche Maßnahmen Unternehmen ergreifen können, um eine offene und respektvolle Kommunikationskultur zu fördern.

Artikel von:

Dr. Yvonne Köster

Dr. Yvonne Köster

Coach, Beraterin und Trainerin | © privat

Toxische Dynamiken in Organisationen entstehen selten abrupt; sie entwickeln sich schleichend in Umfeldern, in denen Unsicherheit, unklare Kommunikation und unausgesprochene Erwartungen zusammentreffen. Was zunächst wie beiläufige Spannungen wirkt, kann sich zu stabilen Mustern verdichten, die Vertrauen untergraben und Zusammenarbeit nachhaltig beeinträchtigen. Ein zentrales Merkmal solcher Kulturen ist die Verschiebung von direkter hin zu indirekter Kommunikation.

Anstelle offener Gespräche wird über Dritte kommuniziert. Kritik wird nicht dort adressiert, wo sie hingehört, sondern in informellen Runden weitergegeben. So entstehen verzerrte Wahrnehmungen und Narrative, die sich verselbstständigen. Wer sich daran beteiligt, verfolgt oft mehr als nur das Ziel, Frustration abzubauen. Häufig geht es auch darum, Unsicherheiten zu kaschieren, Zugehörigkeit zu signalisieren oder die eigene Position zu stärken. Besonders deutlich zeigt sich dies im Lästern: Es erzeugt kurzfristig Nähe, basiert jedoch auf implizitem Vertrauensbruch. Die unausgesprochene Logik ist klar – wer hier über andere spricht, wird anderswo auch über dich sprechen. Das Ergebnis ist ein Klima der Vorsicht und strategischen Kommunikation.

Hinzu kommt die Verbreitung von Gerüchten, insbesondere in Phasen organisationaler Veränderung. Wo Informationen fehlen, entstehen Deutungsräume, die durch Spekulationen gefüllt werden. Diese Narrative beeinflussen Entscheidungen und Verhalten, unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Nicht selten dienen sie dazu, Verantwortung abzuwälzen oder gezielt Einfluss zu nehmen. In ausgeprägten Fällen münden solche Dynamiken in subtile Ausgrenzung: Einzelne Mitarbeitende werden systematisch übergangen, aus Informationsflüssen ausgeschlossen oder sozial isoliert – mit dem Ziel, ihren Einfluss zu reduzieren oder sie zum Rückzug zu bewegen.

Organisationen reagieren darauf häufig mit allgemeinen Appellen, die jedoch wenig Wirkung entfalten. Wirksamer ist ein strukturiertes Gegensteuern. Ein erster Hebel liegt in der konsequenten Förderung direkter Kommunikation. Führungskräfte sollten indirekte Kritik nicht verstärken, sondern gezielt in den direkten Dialog zurückführen. Ebenso wichtig ist Transparenz: Klare, nachvollziehbare Kommunikation reduziert den Nährboden für Gerüchte.

Darüber hinaus helfen konkrete Verhaltensnormen. Wenn Teams vereinbaren, Kritik grundsätzlich direkt zu adressieren und respektvoll über Abwesende zu sprechen, entsteht Orientierung. Entscheidend ist jedoch die konsequente Umsetzung. Führungskräfte müssen solche Prinzipien vorleben und bei Abweichungen eingreifen. Auch subtile Ausgrenzung sollte aktiv adressiert werden, etwa durch bewusste Einbindung und klare Moderation von Entscheidungsprozessen.

Den Beitrag lesen Sie auch in der AssCompact August-Ausgabe!

zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

sharing is caring

Das könnte Sie auch interessieren


Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

(Klicken um Kommentar zu verfassen)