Vertrauen, Kommunikation und Vielfalt gewinnen in der Versicherungswirtschaft zunehmend an Bedeutung. Im gemeinsamen Interview sprechen Dr. Brigitte Feldhofer, Mitglied des Vorstandes der Wüstenrot Versicherungs-AG, und Renate Trummer-Stempfl, Leiterin Externer Vertrieb der Wüstenrot Gruppe, über Führungsverständnis, Entscheidungsfindung, Diversität und die Anforderungen an die Versicherungsbranche von morgen.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 17.07.2026
Führung bedeutet Orientierung und Verantwortung
Für Brigitte Feldhofer zeichnet sich gute Führung vor allem durch Orientierung, Vertrauen und die Einbindung der Mitarbeitenden aus: „Gute Führung bedeutet für mich, Orientierung zu geben, Verantwortung zu übernehmen und Menschen einzubinden. Klar zu kommunizieren, zuzuhören und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen ist gerade in einem komplexen Umfeld wie der Versicherungswirtschaft entscheidend. Vertrauen, respektvoller Umgang und eine offene Fehlerkultur schaffen die Basis, um gemeinsam beweglich und zukunftsorientiert zu bleiben.“
Renate Trummer-Stempfl sieht verantwortungsvolle Entscheidungen als wesentlichen Bestandteil guter Führung – insbesondere dann, wenn Unsicherheit und Zeitdruck eine Rolle spielen: „Ich bin der Auffassung, dass man in solchen Situationen keine perfekten Entscheidungen treffen kann – sondern nur bewusst verantwortbare. Daher versuche ich erstmal, Ruhe in die Situation zu bringen und zwischen Fakten, Annahmen und Bauchgefühl zu unterscheiden. Meiner Meinung nach entstehen gute Entscheidungen selten allein aus Kontrolle, sondern oft aus Klarheit, Prioritäten und ehrlicher Kommunikation.“
Unterschiedliche Perspektiven schaffen Mehrwert
Für Feldhofer leisten vielfältig zusammengesetzte Teams einen wichtigen Beitrag zu besseren Entscheidungen und einer stärkeren Kundenorientierung: „Meiner Überzeugung nach treffen heterogene Teams robustere und ausgewogenere Entscheidungen. So werden Risiken, Chancen und Alternativen umfassender diskutiert. Und das wirkt sich positiv auf die Innovationsfähigkeit und den Geschäftserfolg aus.“
Gerade im Vertrieb seien unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen ein wesentlicher Erfolgsfaktor: „Je diverser die Teams sind, desto besser gelingt Beratung auf Augenhöhe. Kundinnen und Kunden erwarten heute maßgeschneiderte Lösungen, eine individuelle Ansprache und passende Vertriebskanäle. Gerade bei zunehmend hybriden und anspruchsvollen Kunden ist Diversität im Vertrieb daher ein echter Erfolgsfaktor.“
Kommunikation schafft Orientierung
Für Trummer-Stempfl ist Kommunikation das wichtigste Führungsinstrument – insbesondere in schwierigen Situationen: „Ich habe gelernt, dass Menschen auch unangenehme Entscheidungen akzeptieren, wenn sie sich dabei ernst genommen fühlen und nachvollziehen können, warum sie getroffen wurden. Dabei ist mir wichtig, dass Menschen offen sprechen können, auch wenn sie anderer Meinung sind. Gerade unter Druck entstehen sonst schnell stille Vorbehalte, die später zum Problem werden.“
Wirksame Kommunikation bedeute für sie, Klarheit zu schaffen und auch schwierige Themen offen anzusprechen: „Wirksame Kommunikation bedeutet für mich, komplexe Dinge verständlich zu machen und auch unangenehme Themen offen anzusprechen und dabei gleichzeitig respektvoll zu bleiben. Ich finde, gute Führungskommunikation braucht drei Dinge: Klarheit, Konsistenz und Glaubwürdigkeit. Die Art, wie Führungskräfte in schwierigen Situationen sprechen, zuhören oder reagieren, gibt Teams Orientierung dafür, wie miteinander gearbeitet wird.“
Menschen fördern und Entwicklung ermöglichen
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist für Feldhofer die Entwicklung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: „Ich bin stolz darauf, wie sich Menschen entwickelt haben, die ich über längere Zeit begleiten durfte – fachlich, aber vor allem persönlich. Zu sehen, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Verantwortung übernehmen, selbstbewusster werden und ihren eigenen Weg im Unternehmen finden, ist für mich der nachhaltigste Erfolg. Dabei ist es mir wichtig, selbst Vorbild zu sein – auch ganz bewusst als Mutter in einer Führungsrolle in Vollzeit.“
Für Trummer-Stempfl steht die Entwicklung des eigenen Teams ebenfalls im Mittelpunkt: „Besonders stolz bin ich auf den Moment, als mir die Verantwortung für den Maklervertrieb in ganz Österreich übertragen wurde. Heute, vier Jahre später, erfüllt mich diese Entscheidung noch immer mit großer Freude. Genau das macht mich rückblickend besonders stolz, zu sehen, was entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam an etwas glauben, Verantwortung übernehmen und sich kontinuierlich weiterentwickeln.“
Der Mensch bleibt der entscheidende Faktor
Beide sehen die Versicherungsbranche in den kommenden Jahren vor großen Veränderungen. Trotz Digitalisierung und neuer Technologien dürfe der Mensch nicht aus dem Mittelpunkt rücken.
„Mein Wunsch ist es, dass wir als Branche wieder stärker über den eigentlichen Sinn sprechen: Menschen Sicherheit zu geben – über Jahrzehnte. Das bedeutet für mich auch mehr Einfachheit und Verständlichkeit für Kundinnen und Kunden, mehr Fokus auf nachhaltige Vorsorgekonzepte und eine offenere Fehlerkultur“, betont Feldhofer.
Persönliche Beratung und echte Kommunikation werden aus Sicht von Trummer-Stempfl auch künftig zentrale Erfolgsfaktoren der Versicherungsbranche bleiben: „Ich würde mir wünschen, dass die Branche insgesamt wieder stärker den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht nur Prozesse, Produkte oder Regulatorik. Digitalisierung kann vieles erleichtern, aber sie darf persönliche Verantwortung und echte Beratung nicht ersetzen. Denn der Kern unserer Arbeit wird immer echte Kommunikation bleiben – echte Kommunikation von Mensch zu Mensch.“
Das gesamte Interview lesen Sie in der August-Ausgabe des AssCompact Magazins.
Foto oben v.l.n.r.: Dr. Brigitte Feldhofer, Mitglied des Vorstandes der Wüstenrot Versicherungs-AG, und Renate Trummer-Stempfl, Leiterin Externer Vertrieb der Wüstenrot Gruppe.
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