Die AFPA beobachtet auf europäischer Ebene mit Sorge einen zunehmenden Trend, persönliche Finanzberatung zugunsten digitaler Vertriebsmodelle zurückzudrängen. Diskutiert werden verstärkt „Execution-Only"-Modelle, Online-Plattformen, KI-gestützte Empfehlungen und vereinfachte Vertriebsprozesse – Entwicklungen, die nach Ansicht der AFPA den Wert qualifizierter Beratung unterschätzen.
Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 21.07.2026
Auslöser der aktuellen Debatte ist unter anderem die geplante Überarbeitung des Paneuropäischen Privaten Pensionsprodukts (PEPP). Der Rat der Europäischen Union spricht sich dafür aus, bei einem Basis-PEPP auf die verpflichtende Beratung zu verzichten, um Kosten zu senken und den digitalen Vertrieb zu erleichtern.
Für die AFPA greift diese Schlussfolgerung zu kurz. Das bisher geringe Marktinteresse am PEPP sei nicht auf die verpflichtende Beratung zurückzuführen, sondern auf andere Faktoren wie unterschiedliche steuerliche Rahmenbedingungen, ein begrenztes Produktangebot und eine geringe Nachfrage.
Gemeinsam mit dem europäischen Dachverband FECIF setzt sich die AFPA daher aktiv gegenüber EU-Kommission und Europäischem
Parlament für den Erhalt professioneller Finanzberatung ein. Finanzbildung sei zweifellos wichtig, könne individuelle Beratung jedoch nicht ersetzen. Gerade bei komplexen Vorsorge- und Anlageentscheidungen brauche es persönliche Expertise, Verantwortung und die Berücksichtigung der individuellen Lebenssituation.
Kritisch sieht die AFPA zudem den wachsenden Einfluss von KI-Anwendungen und sogenannten Finfluencern. Algorithmen können Informationen liefern, übernehmen jedoch keine Verantwortung für individuelle Empfehlungen. Bei unregulierten Finanz-Content-Erstellern bestehen darüber hinaus Risiken durch unvollständige oder irreführende Informationen sowie mögliche Interessenkonflikte.
AFPA-Obmann Michael Herzhofer bringt die Position des Verbandes auf den Punkt: „Persönliche Beratung verursacht Kosten. Fehlentscheidungen kosten oftmals deutlich mehr. Wer Beratung ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet, verkennt ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wert.“
Die AFPA wird sich daher auch künftig auf österreichischer und europäischer Ebene für faire regulatorische Rahmenbedingungen und den Erhalt einer qualifizierten, unabhängigen und persönlichen Finanz- und Versicherungsberatung einsetzen.
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