Prävention, Digitalisierung und personalisierte Medizin werden die private Gesundheitsvorsorge in den kommenden Jahren nachhaltig verändern. Im dritten Teil der Interviewrunde zur privaten Gesundheitsvorsorge geben Hans Aubauer, Leiter Group Health Insurance bei der UNIQA Insurance Group AG, Andrea Hutter, Leiterin der Krankenversicherung der Generali Versicherung AG, und Thomas Kuchlbacher, Gruppenleiter Krankenversicherung der Wiener Städtischen Versicherung AG, einen Ausblick auf die künftige Rolle der privaten Krankenversicherung und zeigen auf, welche Entwicklungen die Gesundheitsversorgung künftig prägen werden.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 23.07.2026
Prävention rückt in den Mittelpunkt
Prävention gilt für alle drei Experten als einer der entscheidenden Faktoren für die Zukunft der Gesundheitsvorsorge. Damit entsprechende Angebote ihre Wirkung entfalten können, müssten sie jedoch einfach zugänglich und alltagstauglich sein.
Hans Aubauer sieht vor allem in konkreten Anreizen großes Potenzial: „Prävention ist in der Theorie unbestritten wichtig, in der Praxis aber nach wie vor unterentwickelt, was man schon daran sieht, dass nur rund 4 % der Ausgaben dorthin fließen, obwohl der Hebel groß wäre. Der Grund ist auch nachvollziehbar: Der Nutzen zeigt sich oft erst Jahre später, während die Kosten sofort entstehen. Deshalb funktionieren reine Appelle selten.“
Präventionsangebote müssten deshalb möglichst einfach in den Alltag integriert werden.: „Was besser wirkt, sind konkrete Anreize, die man im Alltag spürt – etwa schnellerer Zugang zu Leistungen oder zusätzliche Services, wenn man aktiv etwas für seine Gesundheit tut. Und die Angebote müssen simpel sein, weil komplexe Programme kaum genutzt werden. Wenn Prävention funktionieren soll, dann muss sie Teil des täglichen Lebens werden, nicht ein Zusatzthema bleiben.“
Auch Andrea Hutter sieht Prävention längst als festen Bestandteil moderner Gesundheitsvorsorge: „Prävention ist heute kein ,Add-on‘ mehr, sondern ein zentraler Bestandteil eines leistungsfähigen Gesundheitssystems. Entscheidend sind alltagstaugliche Angebote, die einfach zugänglich sind und einen spürbaren Mehrwert bieten.“
Vor allem jüngere Generationen hätten neue Erwartungen an Gesundheitsangebote: „Vor allem die jüngere Generation erwartet eine Gesundheitsbegleitung, die digital, flexibel und selbstbestimmt ist. Dafür sind eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Services sowie eine konsequente Verbesserung von Customer Experience maßgeblich.“
Thomas Kuchlbacher betont die gesellschaftliche Bedeutung frühzeitiger Vorsorge. „Prävention wird künftig eine noch zentralere Rolle spielen – sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich. Denn je früher Gesundheitsprobleme erkannt oder vermieden werden, desto besser ist das für die Betroffenen und das gesamte System.“
Neben konkreten Gesundheitsangeboten spiele auch Information eine wichtige Rolle: „Gleichzeitig investieren wir stark in Gesundheitskompetenz und Aufklärung. Über unser neues Online-Magazin losleben.stories greifen wir alltagsnahe Themen wie Ernährung, Bewegung, Schlaf oder mentale Gesundheit auf. Denn Prävention funktioniert dann besonders gut, wenn sie niederschwellig, alltagstauglich und individuell relevant ist.“
Die Gesundheitsvorsorge der Zukunft
Neben der Prävention werden auch technologische Entwicklungen die private Krankenversicherung nachhaltig verändern. Die drei Experten erwarten dabei sowohl medizinische als auch gesellschaftliche Veränderungen.
Hans Aubauer sieht künftig vor allem stärker personalisierte Angebote: „Der Wunsch nach individueller Versorgung und persönlichen Angeboten wird weiter zunehmen. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms hat eine Türe aufgestoßen, die neue Möglichkeiten schaffen wird. Das fordert eine stärkere Verschränkung von Versicherungsprodukten und Angeboten der Leistungserbringer.“
Auch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz würden den Alltag zunehmend prägen: „Auch die Digitalisierung wird spürbarer werden, allerdings weniger als Schlagwort, sondern im konkreten Nutzen im Alltag. Schon heute ist Roboter- und KI-Einsatz in der modernen Medizin als Unterstützung für hochqualifizierte Gesundheitsteams nicht wegzudenken.“
Andrea Hutter erwartet insbesondere Fortschritte in der personalisierten Medizin und beim Einsatz neuer Technologien: „Personalisierte Medikamente und Therapien werden weiter an Bedeutung gewinnen. Sie ermöglichen gezieltere Behandlungen, werden aber auch die Kostenentwicklungen zusätzlich verstärken. Auf der technologischen Seite rechnen wir damit, dass Telemedizin und KI-gestützte Services einen noch größeren Stellenwert einnehmen werden.“
Gleichzeitig wachse auch die Eigenverantwortung der Menschen: „Gesellschaftlich wird neben dem Druck auf das öffentliche Gesundheitssystem vor allem die wachsende gemeinsame Verantwortung für Gesundheit prägend sein. Gleichzeitig steigen Eigenverantwortung und Gesundheitskompetenz der Menschen sowie die Erwartungen an eine schnelle, qualitativ hochwertige Versorgung.“
Thomas Kuchlbacher geht davon aus, dass sich die private Krankenversicherung zunehmend zum aktiven Gesundheitspartner entwickeln wird: „Technologisch werden Künstliche Intelligenz, digitale Gesundheitsplattformen und Telemedizin weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach Orientierung und persönlicher Begleitung in einer zunehmend komplexen Gesundheitswelt.“
Die Rolle der privaten Krankenversicherung werde sich dadurch grundlegend verändern: „Gesundheit wird immer stärker als langfristige Investition in Lebensqualität verstanden. Die private Krankenversicherung wird sich deshalb weiterentwickeln: weg vom reinen Kostenerstatter hin zu einem aktiven Partner für Gesundheit, Prävention und Versorgung.“
zurück zur Übersicht
Beitrag speichern
sharing is caring
Das könnte Sie auch interessieren











