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Gewerbesymposium 2026: Ohne professionelle Risikoanalyse kein Versicherungsschutz

Gewerbesymposium 2026: Ohne professionelle Risikoanalyse kein Versicherungsschutz

03. März 2026

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6 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt

Über 400 Teilnehmer, fünf Fachvorträge und ein klarer Fokus auf die aktuellen Rahmenbedingungen im Gewerbegeschäft: Beim 14. AssCompact Gewerbeversicherungssymposium im Eventhotel Pyramide Vösendorf stehen heute die verschärfte Zeichnungspolitik, steigende Schadenkosten, höhere Anforderungen an Risikodarstellung und Prävention sowie Fragen der Summenbewertung und Maklerhaftung im Mittelpunkt. Insgesamt können dabei 5 unabhängige IDD-Weiterbildungsstunden erworben werden.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 03.03.2026

Zum Auftakt des Gewerbeversicherungssymposiums zeichnete AssCompact-Herausgeber Franz Waghubinger ein bewusst pointiertes, aber realistisches Bild der aktuellen Marktsituation. Vieles habe sich in der Gewerbeversicherung grundlegend verändert – und nicht alles zum Vorteil von Vermittlern und Kunden. „Während Versicherer früher aktiv Risiken gesucht und langfristige Partnerschaften angestrebt haben, ist der Markt heute deutlich selektiver geworden. Langfristige Verträge sind seltener, Ausschreibungen werden enger geführt, Beteiligungen schwieriger“ so Waghubinger und führte weiter aus: „Steigende Schadenkosten, veränderte Geschäftsmodelle, neue Risikolandschaften – etwa durch Cyber, komplexere Produktionsprozesse oder höhere technische Abhängigkeiten – haben das Underwriting anspruchsvoller gemacht. Das führt dazu, dass Risiken heute deutlich kritischer geprüft würden.“

Oft scheitere eine Versicherungslösung nicht am Risiko selbst, so Waghubinger, sondern an unzureichender Aufbereitung, fehlenden Informationen oder nicht umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen.

Ein zentrales Thema seiner Ausführungen: Die Risikobewertung und Prävention gewinnen massiv an Bedeutung – möglicherweise sogar als eigenständiges Geschäftsmodell: „Es geht künftig nicht mehr nur darum, einen Vertrag abzuschließen, sondern Risiken im Vorfeld professionell zu analysieren, Sicherheitsstandards zu evaluieren und Unternehmen beratend zu begleiten. Dokumentation, Sachverständigen-Gutachten und strukturierte Risikoaufbereitung werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor.“

Dabei stellte Waghubinger auch die Frage in den Raum, ob sich daraus neue Honorarmodelle entwickeln könnten – insbesondere dann, wenn Risikomanagementleistungen erbracht werden, auch wenn letztlich kein Vertrag zustande kommt.

Die aktuelle Marktsituation erfordere aus seiner Sicht vor allem eines: mehr Dialog und mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Versicherern, Maklern und Sachverständigen: „Mit Roundtables und Diskussionsformaten schafft AssCompact bewusst Plattformen , um genau diesen Austausch zu fördern. Denn nur wenn die Beteiligten die jeweiligen Zwänge und Anforderungen besser verstehen, lässt sich die Gewerbeversicherung zukunftsfähig gestalten.“

Unsicherheit als neue Normalität: Wie sich Unternehmen strategisch aufstellen sollten

Den ersten Vortrag hielt Ökonom Mag. Hanno Lorenz, Stellvertretender Direktor Agenda Austria, zum Thema „Unsicherheit als neue Normalität: Wie sich Unternehmen strategisch aufstellen sollten“.

Lorenz stellte die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs in einen internationalen Zusammenhang. Seit 2019 sei das Wachstum schwach, die Inflation hoch und die Produktivität rückläufig. Gleichzeitig nehme die globale Unsicherheit spürbar zu – durch geopolitische Spannungen, protektionistische Maßnahmen und strategische Konflikte zwischen großen Wirtschaftsräumen. Für ein exportorientiertes Land bedeute das steigende Risiken bei Lieferketten, Energie und Absatzmärkten.

„Unsicherheit ist natürlich ein positiver Effekt für Versicherungen, denn was machen Versicherungen natürlich Risiken. Wenn ich 100% sicher bin, was passiert, brauche ich keine Versicherung, weil ich weiß, was passiert. In dem Fall, wenn ich Unsicherheit habe, habe ich natürlich ein Geschäftsmodell für Versicherung“, erklärte Lorenz.

Darüber hinaus sprach er über Staatsausgaben, Budgetdefizite, das Pensionssystem, Arbeitsanreize, Produktivitätsentwicklung sowie über Reformansätze bei Bürokratie, Energie und Wettbewerbsfähigkeit.

Mehr als Prävention: Wie professionelle Risikobewertung und Risikodarstellung Versicherbarkeit sichern

Im Anschluss sprachlt Dipl. Ing. Gerhart Ebner, Geschäftsführender Gesellschafter, Risk Experts Risiko Engineering GmbH, zum Thema „Mehr als Prävention: Wie professionelle Risikobewertung und Risikodarstellung Versicherbarkeit sichern“.

Ebner zeigte, dass Versicherbarkeit heute weniger an einzelnen Gefahren scheitert, sondern an unklarer oder unvollständiger Information. Unternehmen, Makler und Versicherer würden Risiken unterschiedlich wahrnehmen. Aufgabe des Maklers sei es daher, diese Sichtweisen zu verbinden und Risiken so aufzubereiten, dass sie für den Underwriter nachvollziehbar sind . Prävention bleibe wesentlich, müsse jedoch strukturiert dokumentiert und verständlich dargestellt werden – insbesondere im Hinblick auf bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen.

„Eine oberflächliche Risikobewertung führt zu höheren Prämien, zu hohen Selbstbehalten oder sogar zur Ablehnung des Risikos. Ein professionelles Risikomanagement zeigt dem Versicherer: Wir haben unser Geschäft im Griff. Das schafft Vertrauen und macht das Risiko kalkulierbar“, so Ebner .

Sein Kernpunkt: Versicherbarkeit entsteht durch Transparenz, nicht durch Schlagworte.

So geht es weiter ...

Im weiteren Verlauf des Gewerbeversicherungssymposiums wird sich Oliver Fuss, Leiter der Niederlassung Oberösterreich bei Aktuell Raiffeisen Versicherungs-Maklerdienst Gesellschaft m.b.H., der richtigen Bewertung von Versicherungs- und Deckungssummen widmen und zeigen, wie Fehlbewertungen im Gewerbegeschäft vermieden werden können.

Am Nachmittag beleuchtet Mag. Kerstin Keltner, Director Cyber Solutions bei Aon Österreich, die neue digitale Risikorealität im Gewerbebereich und verbindet Cyberkriminalität mit klassischen Sach- und Haftpflichtthemen.

Den Abschluss des Symposiums bildet der Vortrag von RA Dr. Roland Weinrauch zur haftungssicheren Beratung im Gewerbegeschäft. Anhand ausgewählter OGH-Urteile zur Maklerhaftung zeigt er auf, welche rechtlichen Maßstäbe insbesondere im Gewerbe- und KMU-Geschäft anzuwenden sind.

Ein ausführlicher Rückblick mit weiteren Eindrücken vom AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026 folgt morgen, Mittwoch, im AssCompact Newsletter!

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