Über 400 Teilnehmer, fünf Fachvorträge und ein klarer Fokus auf die aktuellen Rahmenbedingungen im Gewerbegeschäft: Beim 14. AssCompact Gewerbeversicherungssymposium im Eventhotel Pyramide Vösendorf stehen heute die verschärfte Zeichnungspolitik, steigende Schadenkosten, höhere Anforderungen an Risikodarstellung und Prävention sowie Fragen der Summenbewertung und Maklerhaftung im Mittelpunkt. Insgesamt können dabei 5 unabhängige IDD-Weiterbildungsstunden erworben werden.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 03.03.2026
Zum Auftakt des Gewerbeversicherungssymposiums zeichnete AssCompact-Herausgeber Franz Waghubinger ein bewusst pointiertes, aber realistisches Bild der aktuellen Marktsituation. Vieles habe sich in der Gewerbeversicherung grundlegend verändert – und nicht alles zum Vorteil von Vermittlern und Kunden. „Während Versicherer früher aktiv Risiken gesucht und langfristige Partnerschaften angestrebt haben, ist der Markt heute deutlich selektiver geworden. Langfristige Verträge sind seltener, Ausschreibungen werden enger geführt, Beteiligungen schwieriger“ so Waghubinger und führte weiter aus: „Steigende Schadenkosten, veränderte Geschäftsmodelle, neue Risikolandschaften – etwa durch Cyber, komplexere Produktionsprozesse oder höhere technische Abhängigkeiten – haben das Underwriting anspruchsvoller gemacht. Das führt dazu, dass Risiken heute deutlich kritischer geprüft würden.“
Oft scheitere eine Versicherungslösung nicht am Risiko selbst, so Waghubinger, sondern an unzureichender Aufbereitung, fehlenden Informationen oder nicht umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen.
Ein zentrales Thema seiner Ausführungen: Die Risikobewertung und Prävention gewinnen massiv an Bedeutung – möglicherweise sogar als eigenständiges Geschäftsmodell: „Es geht künftig nicht mehr nur darum, einen Vertrag abzuschließen, sondern Risiken im Vorfeld professionell zu analysieren, Sicherheitsstandards zu evaluieren und Unternehmen beratend zu begleiten. Dokumentation, Sachverständigen-Gutachten und strukturierte Risikoaufbereitung werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor.“
Dabei stellte Waghubinger auch die Frage in den Raum, ob sich daraus neue Honorarmodelle entwickeln könnten – insbesondere dann, wenn Risikomanagementleistungen erbracht werden, auch wenn letztlich kein Vertrag zustande kommt.
Die aktuelle Marktsituation erfordere aus seiner Sicht vor allem eines: mehr Dialog und mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Versicherern, Maklern und Sachverständigen: „Mit Roundtables und Diskussionsformaten schafft AssCompact bewusst Plattformen , um genau diesen Austausch zu fördern. Denn nur wenn die Beteiligten die jeweiligen Zwänge und Anforderungen besser verstehen, lässt sich die Gewerbeversicherung zukunftsfähig gestalten.“
Unsicherheit als neue Normalität: Wie sich Unternehmen strategisch aufstellen sollten
Den ersten Vortrag hielt Ökonom Mag. Hanno Lorenz, Stellvertretender Direktor Agenda Austria, zum Thema „Unsicherheit als neue Normalität: Wie sich Unternehmen strategisch aufstellen sollten“.
Lorenz zeichnete ein Bild einer Wirtschaft, die sich gleichzeitig mit internen Strukturproblemen und externen Schocks auseinandersetzen muss. Er verwies auf die schwache Wachstumsentwicklung seit 2019, hohe Inflation und eine rückläufige Produktivität. Im internationalen Vergleich verliere Österreich an Dynamik. Gleichzeitig nehme die globale Unsicherheit zu – durch geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren, strategische Rivalitäten zwischen den USA und China sowie neue Abhängigkeiten bei Rohstoffen und Energie.
Für Unternehmen bedeute das steigende Planungsrisiken entlang von Lieferketten, in Exportmärkten und bei Investitionsentscheidungen. In diesem Zusammenhang stellte Lorenz auch einen Bezug zur Versicherungswirtschaft her. Unsicherheit sei kein Ausnahmezustand mehr, sondern ein struktureller Faktor moderner Volkswirtschaften – und genau dort setze Versicherungsschutz an. „Wenn Entwicklungen vollständig vorhersehbar wären, würde niemand eine Versicherung benötigen, weil das Risiko eindeutig kalkulierbar wäre. Erst dort, wo unklar ist, was eintreten kann, entsteht überhaupt Bedarf an Absicherung“, so Lorenz.
Neben den globalen Risiken sprach er auch über Staatsfinanzen, demografische Belastungen, Arbeitsanreize und Reformbedarf bei Bürokratie und Energie. Ohne strukturelle Anpassungen drohe eine weitere Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
Wie Risiken versicherbar bleiben
Den nächsten Vortrag hielt Dipl. Ing. Gerhart Ebner, Geschäftsführender Gesellschafter, Risk Experts Risiko Engineering GmbH, zum Thema „Mehr als Prävention: Wie professionelle Risikobewertung und Risikodarstellung Versicherbarkeit sichern“.
Ebner zeigte, dass Versicherbarkeit heute weniger an einzelnen Gefahren scheitert, sondern an unklarer oder unvollständiger Information. Unternehmen, Makler und Versicherer würden Risiken unterschiedlich wahrnehmen. Aufgabe des Maklers sei es daher, diese Sichtweisen zu verbinden und Risiken so aufzubereiten, dass sie für den Underwriter nachvollziehbar sind. Prävention bleibe wesentlich, müsse jedoch strukturiert dokumentiert und verständlich dargestellt werden – insbesondere im Hinblick auf bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen.
„Eine oberflächliche Risikobewertung führt zu höheren Prämien, zu hohen Selbstbehalten oder sogar zur Ablehnung des Risikos. Ein professionelles Risikomanagement zeigt dem Versicherer: Wir haben unser Geschäft im Griff. Das schafft Vertrauen und macht das Risiko kalkulierbar“, so Ebner .
Sein Kernpunkt: Versicherbarkeit entsteht durch Transparenz, nicht durch Schlagworte.
So geht es weiter ...
Im weiteren Verlauf des Gewerbeversicherungssymposiums wird sich Oliver Fuss, Leiter der Niederlassung Oberösterreich bei Aktuell Raiffeisen Versicherungs-Maklerdienst Gesellschaft m.b.H., der richtigen Bewertung von Versicherungs- und Deckungssummen widmen und zeigen, wie Fehlbewertungen im Gewerbegeschäft vermieden werden können.
Am Nachmittag beleuchtet Mag. Kerstin Keltner, Director Cyber Solutions bei Aon Österreich, die neue digitale Risikorealität im Gewerbebereich und verbindet Cyberkriminalität mit klassischen Sach- und Haftpflichtthemen.
Den Abschluss des Symposiums bildet der Vortrag von RA Dr. Roland Weinrauch zur haftungssicheren Beratung im Gewerbegeschäft. Anhand ausgewählter OGH-Urteile zur Maklerhaftung zeigt er auf, welche rechtlichen Maßstäbe insbesondere im Gewerbe- und KMU-Geschäft anzuwenden sind.
Ein ausführlicher Rückblick mit weiteren Eindrücken vom AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026 folgt morgen, Mittwoch, im AssCompact Newsletter!
zurück zur Übersicht
Beitrag speichern
sharing is caring
Das könnte Sie auch interessieren












