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AssCompact Umfrage: Gewerbeversicherung unter Druck

(Bild: ©MH - stock.adobe.com)

AssCompact Umfrage: Gewerbeversicherung unter Druck

02. März 2026

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9 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt

Die AssCompact-Kurzumfrage „Gewerbeversicherung 2026“ unter mehr als 200 österreichischen Maklerinnen und Maklern zeigt ein ambivalentes Bild: Die Gewerbeversicherung bleibt fachlich und wirtschaftlich relevant, gleichzeitig steigen Komplexität, Vorfeldaufwand und Anforderungen an Beratung, Dokumentation und Versicherbarkeit deutlich.

Andreas Richter

Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 02.03.2026

Die Gewerbeversicherung bleibt für die überwiegende Mehrheit der österreichischen Maklerschaft ein zentraler Bestandteil des künftigen Neugeschäfts. 86,2% der Befragten sehen sie weiterhin als wesentlichen Geschäftsbereich, nur 13,8% verneinen dies .

In den individuellen Rückmeldungen wird jedoch deutlich, dass diese grundsätzliche Bedeutung nicht mit Unbeschwertheit gleichzusetzen ist. Mehrere Makler betonen, dass sie Gewerbegeschäft zwar als Kernsegment sehen, gleichzeitig aber eine zunehmende Spezialisierung und klarere Fokussierung für notwendig halten. Gewerbeversicherung wird vielfach nicht mehr als „Mitnahmegeschäft“, sondern als existenzielles Beratungsthema für Unternehmer verstanden.

Sach dominiert – bAV bleibt Nische im Gewerbekontext

Auf die Frage nach dem fachlichen Schwerpunkt zeigt sich ein klares Bild: 76,7% der Befragten fokussieren sich primär auf die Sachversicherung, lediglich 1,5% nennen ausschließlich die betriebliche Altersvorsorge. 21,8% bearbeiten beide Bereiche .

In den Freitextantworten wird bAV zwar regelmäßig als Zukunftsthema bezeichnet, gleichzeitig aber auch als spezialisiertes Beratungsfeld, das in vielen Betrieben ausgelagert oder bewusst nicht aktiv bearbeitet wird. Die Sachversicherung bleibt damit das Rückgrat des Gewerbegeschäfts – allerdings mit wachsender inhaltlicher Tiefe.

Vorfeldaufwand im Underwriting:Gemeinsame Aufgabe – faktisch oft Maklersache

Beim Thema Vorfeldaufwand im Underwriting sprechen sich 62,2% der Befragten dafür aus, diesen als gemeinsame Aufgabe von Makler und Versicherer zu verstehen. 34,7% sehen ihn primär als Aufgabe des Maklers, nur 1,6% ordnen ihn klar dem Versicherer zu .

Die individuellen Antworten relativieren dieses Bild deutlich: Viele Makler schildern, dass der Großteil der Datenerhebung, Aufbereitung und Risikoanalyse faktisch auf Maklerseite liegt – insbesondere bei kleineren und mittleren Gewerbekunden. Mehrfach wird darauf hingewiesen, dass Versicherer Unterlagen auf einem Detaillierungsgrad verlangen, der weit über klassische Risikoermittlung hinausgeht.

Vergütung des Mehraufwands:Wunsch nach hybriden Modellen

Auf die Frage nach der angemessenen Vergütung dieses zusätzlichen Aufwands sprechen sich 44,0% für eine Kombination aus Honorar und Provision aus. 34,7% sehen den Aufwand durch die laufende Provision abgedeckt, 21,2% plädieren für ein gesondertes Honorar.

In den Freitextfeldern zeigt sich ein realistischer Pragmatismus: Viele Makler halten Honorare grundsätzlich für gerechtfertigt, bezweifeln jedoch deren Durchsetzbarkeit – insbesondere im KMU- und Regionalgeschäft. Mehrfach wird betont, dass Provisionen den „Normalaufwand“ abdecken könnten, zusätzlicher Analyse- und Ausschreibungsaufwand jedoch gesondert zu honorieren wäre.

Provisionsdruck:kein Massenphänomen, aber spürbar vorhanden

57,2% der Befragten geben an, noch nie unter Druck geraten zu sein, auf Provision zu verzichten. 37,8% erleben dies fallweise, 5,0% sogar häufig .

Auffällig ist, wo dieser Druck entsteht: Er komme weniger vom Endkunden als vielmehr vom Marktumfeld – etwa durch große Maklerhäuser, Netto-Polizzen oder spezielle Geschäftsmodelle im Industriebereich. Einzelne Makler berichten offen, dass sie sich aus bestimmten Kundensegmenten bewusst zurückziehen, wenn Provision systematisch infrage gestellt wird.

Bevorzugte Vergütungsform:Provision dominiert – mit Einschränkungen

Trotz aller Diskussionen bleibt die Provision die bevorzugte Vergütungsform: 69,4% sprechen sich grundsätzlich dafür aus. 28,9% bevorzugen eine Kombination aus Provision und Honorar, reine Honorarmodelle spielen mit 1,7% kaum eine Rolle .

In den Kommentaren wird jedoch klar differenziert: Während im klassischen KMU-Geschäft Provision als praktikabel gilt, ist im Industrie- und Großkundensegment Honorar vielfach bereits gelebte Praxis.

Versicherungssummen: hoher Anteil externer Expertise

Die Ermittlung von Versicherungssummen erfolgt überwiegend auf Basis der Angaben des Kunden (69,4%), jedoch ebenso häufig mit Unterstützung externer Experten (61,1%) oder durch Vorgaben der Versicherer (50,0%). 25,6% stützen sich auf eigene Erfahrung, 19,4% auf technische oder digitale Hilfsmittel (Hier waren Mehrfachnennungen möglich).

In der Praxis wird fast immer ein Methodenmix angewandt. Besonders bei Gebäuden, Maschinen oder größeren Investitionen werden Sachverständigengutachten als unverzichtbar angesehen – auch zur eigenen haftungsrechtlichen Absicherung.

Kooperationen: Mehrheit arbeitet arbeitsteilig

60,0% der Befragten arbeiten im Gewerbebereich mit Kooperationspartnern gegen Provisionsteilung, 40,0% nicht .

Genannt werden vor allem Cyber, D&O, Financial Lines, Transport, Maschinenbruch und bAV. Kooperation wird in den Freitextantworten weniger als Schwäche, sondern als Qualitätsmerkmal verstanden – insbesondere gegenüber anspruchsvollen, informierten Unternehmerkunden.

Eigenes Haftungsrisiko:breite Streuung der VSH-Deckungen

Die Höhe der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung ist stark unterschiedlich verteilt. 13,3% begnügen sich mit der gesetzlichen Mindestdeckung von 1,6 Mio. Euro, während 16,1% über Deckungen von mehr als 20 Mio. Euro verfügen .

Mehrere Kommentare deuten darauf hin, dass sich einige Makler der möglichen Unterdeckung bewusst sind und Anpassungen planen – andere wiederum machen keine konkrete Angabe, was auf Unsicherheiten im eigenen Risikomanagement schließen lässt.

Größe und Konsolidierung:Markt bleibt gespalten

Nur 21,9% hatten bereits konkreten Kontakt mit einem Konsolidierer. In der Einschätzung der Zukunft gehen die Meinungen auseinander: 47,3% halten größere Einheiten für notwendig, 52,7% sehen weiterhin gute Chancen für eigentümergeführte Betriebe.

Zeichnungspolitik als größte Baustelle

In der abschließenden offenen Frage wird ein Thema besonders häufig angesprochen: die Zeichnungspolitik der Versicherer. Genannt werden mangelnde Flexibilität, sinkende Risikobereitschaft, lange Offert-Zeiten und fehlende Ansprechpartner mit Entscheidungskompetenz .

Die Makler fordern wieder mehr lösungsorientierte Underwriter, branchenbezogene Produkte und den Mut, auch nicht-standardisierte Risiken zu begleiten. Gleichzeitig wird klar formuliert: Gewerbeversicherung bleibt anspruchsvoll – aber für fachlich gut aufgestellte Makler weiterhin ein spannendes und relevantes Geschäftsfeld.

AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026

AssCompact Umfrage: Gewerbeversicherung unter Druck

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Die AssCompact-Umfrage zeigt deutlich, dass die Gewerbeversicherung für viele Maklerinnen und Makler weiterhin ein zentrales Geschäftsfeld ist, zugleich aber mit steigender Komplexität, höherem Vorfeldaufwand und wachsenden Haftungsanforderungen verbunden ist. Themen wie restriktive Zeichnungspolitik, korrekte Versicherungssummen, digitale Risiken und rechtliche Rahmenbedingungen prägen den Beratungsalltag zunehmend.

Das AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026 greift diese Fragestellungen auf und ordnet sie fachlich ein. Im Mittelpunkt stehen wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Versicherbarkeit im Gewerbe- und KMU-Geschäft, die richtige Bewertung von Versicherungs- und Deckungssummen sowie digitale und rechtliche Risiken. Ziel ist es, Maklerinnen und Maklern praxisnahe Orientierung in einem anspruchsvollen Marktumfeld zu bieten.

Das AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026 findet am 3. März 2026 im Eventhotel Pyramide Wien/Vösendorf statt (Einlass ab 8:00 Uhr). Die Teilnahme wird mit bis zu 5 unabhängigen IDD-Weiterbildungsstunden angerechnet. Für Vermittler und Sponsorpartner gilt ein reduzierter Teilnahmebeitrag von 205 Euro zzgl. MwSt. (Normalpreis: 410 Euro zzgl. MwSt.).

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