Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und steigende Naturgefahren verändern die Anforderungen an die Eigenheim- und Haushaltsversicherung. Im ersten Teil der Interviewrunde erläutern Wolfgang Petschko, Vorstand der DONAU Versicherung AG Vienna Insurance Group, Dipl.-Ing. Christian Sipöcz, Vorstand der VAV Versicherungs-AG, und Mag. Hubert Sprosec, CUO Retail und Mitglied des Vorstands bei Zurich in Österreich, wie sich der Versicherungsschutz an neue Technologien und veränderte Risikosituationen anpassen muss und wie umfassende Deckung trotz steigender Schadenkosten leistbar bleiben kann.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 19.08.2026
Moderne Eigenheime stellen neue Anforderungen
Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Batteriespeicher, Wallboxen und Smart-Home-Systeme gehören heute vielerorts zur Standardausstattung. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Eigenheim- und Haushaltsversicherung.
Wolfgang Petschko beobachtet, dass die zunehmende Technisierung neue Risiken mit sich bringt. „Das Eigenheim wird zunehmend technischer und damit auch komplexer. Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, Batteriespeicher oder Wallboxen gehören heute vielerorts zur Standardausstattung und zu einem zeitgemäßen Eigenheim. Gleichzeitig gewinnen Absicherungen gegen technische Defekte oder Bedienungsfehler an Bedeutung, weil die eingesetzten Systeme immer leistungsfähiger und komplexer werden.“
Auch Christian Sipöcz sieht in der technischen Entwicklung einen wesentlichen Treiber für neue Anforderungen an den Versicherungsschutz. „Die moderne Immobilie ist heute weit mehr als ein Gebäude – sie ist ein intelligentes Gesamtsystem. Photovoltaikanlagen, Solaranlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Wallboxen und Smart-Home-Lösungen gehören für viele Hausbesitzer mittlerweile zur Standardausstattung. Diese technischen Investitionen erhöhen nicht nur den Wert einer Immobilie, sondern bringen auch neue Risiken mit sich, die im Versicherungsschutz berücksichtigt werden müssen.“
Für Hubert Sprosec kommen neben der Technisierung auch die Folgen des Klimawandels hinzu. „Die Anforderungen an die Eigenheim- und Haushaltsversicherung verändern sich aktuell in mehrfacher Hinsicht. Einerseits investieren viele Hausbesitzer in Technologien wie Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Wallboxen oder Smart-Home-Systeme. Andererseits beobachten wir die Auswirkungen des Klimawandels sehr deutlich. Häufigere Unwetter, Starkregenereignisse oder Stürme führen zu einer steigenden Schadenbelastung.“
Umfassender Schutz muss leistbar bleiben
Steigende Baukosten und häufigere Naturereignisse stellen die Sachversicherung vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig erwarten Kunden einen leistungsstarken und bezahlbaren Versicherungsschutz.
Wolfgang Petschko sieht flexible Lösungen als entscheidenden Ansatz. „Die deutlich gestiegene Zahl der Naturkatastrophen – ob dies jetzt ein großräumiges Hochwasser wie im Jahr 2024 ist oder viele kleinere Schadenereignisse – beispielsweise lokaler Starkregen oder Hagel – haben die Kosten steigen lassen. In Verbindung mit den steigenden Baukosten macht es erforderlich, den Versicherungsschutz flexibler zu gestalten.“
Entscheidend sei aus seiner Sicht, dass der Versicherungsschutz an die jeweilige Risikosituation angepasst werden kann. „Deshalb setzen wir auf einen modularen Aufbau. Bereits in der Grunddeckung sind wichtige Naturgefahren abgesichert, gleichzeitig können Versicherungssummen und Deckungsumfang – etwa für Hochwasser oder Erdbeben – bedarfsgerecht erweitert werden. So lässt sich ein ausgewogenes Verhältnis zwischen umfassendem Versicherungsschutz und leistbarer Prämie schaffen.“
Auch Christian Sipöcz verweist auf die deutlich gestiegenen Schadenkosten. „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich Risiken deutlich verändern. Steigende Material- und Handwerkerkosten führen dazu, dass Schäden heute wesentlich teurer sind als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig nehmen Extremwetterereignisse wie Sturm, Hagel oder Starkregenereignisse spürbar zu.“
Aus seiner Sicht sollte deshalb nicht allein der Preis im Mittelpunkt stehen. „Umso wichtiger ist in diesem Zusammenhang ein Versicherungsschutz, der nicht nur preislich attraktiv ist, sondern vor allem ausreichend Deckung bietet. Wer ausschließlich auf den günstigsten Tarif achtet, läuft Gefahr, im Ernstfall eine erhebliche Finanzierungslücke zu haben.“
Hubert Sprosec sieht neben innovativen Produkten vor allem Prävention als wichtigen Baustein für langfristig leistbaren Versicherungsschutz. „Der Schlüssel liegt aus meiner Sicht in einem ausgewogenen Zusammenspiel von Risikobewusstsein, Prävention und innovativen Versicherungslösungen. Die stark gestiegenen Bau- und Handwerkerkosten haben dazu geführt, dass eine regelmäßige Überprüfung des Deckungsumfangs wichtiger denn je geworden ist.“
Zudem könnten moderne Technologien dazu beitragen, Risiken besser einzuschätzen und Schäden zu vermeiden. „Gleichzeitig müssen wir als Branche verstärkt auf Präventionsmaßnahmen setzen. Jeder verhinderte Schaden hilft nicht nur den Kundinnen und Kunden, sondern trägt auch zur langfristigen Leistbarkeit von Versicherungsschutz bei. Moderne Datenanalysen und gezielte Schadenvermeidungsmaßnahmen ermöglichen es uns, Risiken besser zu bewerten und Versicherungsschutz bedarfsgerecht anzubieten.“
Im zweiten Teil der Interviewrunde geht es um die wachsende Bedeutung von Präventionsmaßnahmen und digitalen Services sowie um die Frage, wie sich der Versicherungsschutz an Modernisierungen und Investitionen rund um das Eigenheim anpassen lässt - mehr dazu lesen Sie im morgigen AssCompact-Newsletter.
Die gesamte Interviewrunde lesen Sie in er AssCompact August-Ausgabe!
Foto oben v.l.n.r.: Wolfgang Petschko, Vorstand der DONAU Versicherung AG Vienna Insurance Group, Dipl.-Ing. Christian Sipöcz, Vorstand der VAV Versicherungs-AG, und Mag. Hubert Sprosec, CUO Retail und Mitglied des Vorstands bei Zurich in Österreich
zurück zur Übersicht
Beitrag speichern
sharing is caring
Das könnte Sie auch interessieren












