Die neue EU-Geldwäscheverordnung AMLR verschärft ab Juli 2027 die Anforderungen an Datenqualität, Kundenprüfung und laufendes Monitoring – und nimmt auch entsprechend tätige Versicherungsmakler stärker in die Pflicht. Robert Gottwald, Key Account Manager für die Sektoren Energie und Versicherungen CRIF Austria zeigt, warum die notwendige Bereinigung historisch gewachsener Datenbestände nicht nur Compliance-Aufwand bedeutet, sondern zugleich Chancen für effizientere Prozesse, mehr Sicherheit und eine ganzheitliche Kundensicht eröffnet.
Artikel von:
Robert Gottwald
Key Account Manager für die Sektoren Energie und Versicherungen; CRIF Austria
Ab dem 10. Juli 2027 gilt in der gesamten Europäischen Union ein neues, einheitliches Geldwäscherecht. Mit der neuen Anti-Money Laundering Regulation (AMLR) steigen die Anforderungen an die Kundendatenqualität, die Verifizierung und das laufende Monitoring deutlich an – bei Verstößen reicht die Strafe im Extremfall bis zur Beschränkung von Geschäftsbeziehungen. Was auf den ersten (und zweiten) Blick wie eine gewaltige regulatorische Belastung wirkt, eröffnet Versicherungsunternehmen und Maklern bei richtiger technologischer Herangehensweise die Chancen auf eine bessere Qualität der Kundendaten, gezielteres Cross- und Upselling durch eine ganzheitliche Kundensicht, sowie höhere Sicherheit gegenüber Identitätsbetrug.
Mit der AMLR schafft die EU daher ein unmittelbar in allen Mitgliedstaaten geltendes Regelwerk und mit der AMLA (Anti-Money Laundering Authority) wird zudem eine neue europäische Behörde geschaffen, die die einheitliche Anwendung und Koordination der Geldwäscheaufsicht innerhalb der EU stärken soll.
Versicherungsmakler werden dem Kreis der Finanzinstitute zugerechnet
Mit der AMLR zählen künftig nicht mehr nur Versicherungsunternehmen, die Lebensversicherungen oder andere Produkte mit Anlagecharakter anbieten, zu den geldwäscherechtlich Verpflichteten. Auch Versicherungsvermittler, die solche Anlageprodukte vertreiben, werden in den Anwendungsbereich einbezogen. Die bisherigen Ausnahmen werden deutlich eingeschränkt, sodass entsprechend tätige Versicherungsmakler künftig dem Kreis der Finanzinstitute hinzugerechnet werden.
Die Herausforderung: Historische Datensilos und komplexe Eigentümerstrukturen
Die operativen Hürden zur Erfüllung der AMLR-Pflichten sind hoch. Ein Kernproblem in der Versicherungsbranche sind mangelhafte Stammdaten. Dubletten, falsch geschriebene oder abgekürzte Namen, ein wilder Mix in den Schreibweisen von akademischen Graden oder Haus- und Stiegennummern gemeinsam in einem einzigen Datenfeld: Durch die erweiterten Sanktions- und PEP-Prüfungen auf politisch exponierte Personen führt dies in der automatischen Prüfung unweigerlich zu einer hohen Zahl an Fehlalarmen, sogenannter False Positives, und damit zu einem massiven manuellen Prüfaufwand. Denn nicht nur das Neugeschäft, sondern auch große Teile des Altbestands müssen den neuen Anforderungen entsprechen. Ebenso sind in den historisch gewachsenen Systemlandschaften Kunden-, Vertrags- und Transaktionsdaten häufig über mehrere Sparten verteilt, wodurch nicht immer eine konsolidierte Sicht auf den Kunden besteht.
Noch gefinkelter wird es im Firmenkundengeschäft: Die Identifikation der wirtschaftlich Berechtigten zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben im modernen Compliance-Management. Die immer komplexeren Unternehmensstrukturen mit Beteiligungen – oft über mehrere Länder und Gesellschaften hinweg – erschweren den Überblick über die tatsächlichen Eigentümer. Der gezielte Einsatz von Holdinggesellschaften, Zweckgesellschaften und Off- shore-Strukturen erschwert die Nachvollziehbarkeit von Kontrollverhältnissen erheblich. Gerade bei komplexen Stiftungs- und Beteiligungsstrukturen kann die Ermittlung der wirtschaftlich Berechtigten mit erheblichem Prüfaufwand verbunden sein. Die manuelle Recherche nach den tatsächlichen Eigentümern wird so zu einem aufwendigen und fehleranfälligen Prozess, der das Risiko regulatorischer Verstöße steigert. Um diese Herausforderungen zu bewältigen, wird der Einsatz moderner technologischer KYB/KYC-Lösungen für viele Marktteilnehmer ein wesentlicher Erfolgsfaktor sein.
Die Chance: Der Paradigmenwechsel zurganzheitlichen Kundensicht
Wer die AMLR-Vorgaben jetzt als rein regulatorische Belastung abtut, verpasst eine enorme Chance. Die Verordnung erzwingt faktisch die ohnehin schon längst überfällige Bereinigung von Kundendatenbeständen, die in vielen Häusern jahrelang wie die ebenso längst überfällige Entrümpelung des Dachbodens vor sich hergeschoben wurde.
Gerade Versicherungen und Makler, die frühzeitig in diese Datenqualität investieren, können nachhaltig profitieren. Aufgeräumte CRM-Systeme ohne Karteileichen und Dubletten verringern den Prüfaufwand durch weniger False Positives und reduzieren gleichzeitig die Möglichkeiten zum (KI-gestützten) Identitätsbetrug. Die Integration von Schnittstellen und externen Dienstleistern wird leichter, wodurch sich Möglichkeiten für einen höheren Automatisierungsgrad und effizientere Prozesse ergeben.
Zudem lässt sich durch die vollständige Sicht auf alle Verträge eines Kunden oder eines ganzen Haushalts der tatsächliche Kundenwert besser einschätzen. Dies schafft die notwendige Datengrundlage für gezielte Cross- und Upselling-Kampagnen. Am Ende des regulatorischen Frühjahrsputzes steht für modern aufgestellte Unternehmen somit nicht nur die Erfüllung der Compliance, sondern ein spürbarer und nachhaltiger Wettbewerbsvorteil durch zitrusfrisch sauber aufgeräumte Kundendaten.
Den gesamten Beitrag lesen Sie in der AssCompact September-Ausgabe!
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