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Trendtag-Keynote Peschorn: Was braucht es, damit Kunden Unternehmen vertrauen?

(Bild: © Looker_Studio -stock.adobe.com)

Trendtag-Keynote Peschorn: Was braucht es, damit Kunden Unternehmen vertrauen?

01. September 2026

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8 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt-Trendtag-News

Vertrauen entsteht nicht durch Versprechen, sondern durch nachvollziehbare Regeln, verantwortungsvolles Handeln und persönliche Beziehungen. Dr. Wolfgang Peschorn, Präsident der Finanzprokuratur, spricht über die besondere Verantwortung der Versicherungswirtschaft, den Umgang mit Künstlicher Intelligenz und die Bedeutung glaubwürdiger Führung. Beim AssCompact Trendtag zeigt er, warum ein funktionierender Rechtsstaat gerade in Zeiten technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen eine wesentliche Grundlage für Vertrauen und wirtschaftliche Stabilität ist.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 01.09.2026

Vertrauen gehört zum Geschäftsmodell der Versicherungswirtschaft: Kunden verlassen sich darauf, dass Zusagen auch dann halten, wenn sie Leistungen tatsächlich benötigen. Doch was schafft Vertrauen – und was gefährdet es? Für Wolfgang Peschorn führt die Antwort über die Versicherungsbranche hinaus: „Gerade die mit der Frage angesprochenen Umbrüche, in denen wir uns gerade befinden und deren Ausmaß sowie Auswirkungen wir als Zeitgenossen noch nicht endgültig einschätzen können, belegen, welche Bedeutung dem Faktor Mensch zukommt. Vertrauen ist eine zentrale Voraussetzung für das Zusammenwirken in der Gesellschaft. Vertrauen gibt Lebensfreude und ist die Grundlage für Zuversicht, auch und gerade in der Wirtschaft.“

Für die Versicherungswirtschaft verbindet Peschorn Vertrauen mit einer besonderen Verantwortung. Neben dem sorgsamen Umgang mit finanziellen Mitteln spielt für ihn dabei auch die Beziehung zum Kunden eine wesentliche Rolle: „Versicherungen sollten gleichsam ein Seismograph für unlauteres Verhalten sein. Es kommt ihnen durch die Verpflichtungen zur Veranlagung ihrer finanziellen Mittel eine Vorbildwirkung zu. Der besonders sorgsame Umgang schafft Vertrauen. Umso unverständlicher ist es mir, dass etwa deutsche Versicherungsunternehmen hohe Geldbeträge bei SIGNA veranlagt und verloren haben. Damit hat man weitere unlautere Geschäfte ermöglicht und die Frage aufgeworfen, ob man seine eigenen Regeln beachtet. Letztlich ist meines Erachtens die Beziehung zum Kunden entscheidend. Ich bin froh, ein Versicherungsbüro meines Vertrauens gefunden zu haben, das mich perfekt serviciert.“

Klare Regeln statt überbordender Bürokratie

Unternehmen wünschen sich weniger Bürokratie, zugleich braucht ein funktionierender Rechtsstaat verbindliche Regeln. Für Peschorn hängt die richtige Balance wesentlich davon ab, wie verständlich diese ausgestaltet sind: „Die Gesetze bilden in einem Rechtsstaat unsere Regeln. Für die Akzeptanz dieser Regeln ist es wichtig, dass diese für jeden einsichtig sind und verstanden werden können. Nicht nur Unternehmen, sondern alle Staatsbürgerinnen und Staatsbürger sind durch überbordende oder unklare gesetzliche Regelungen in gleicher Weise belastet. Die richtige Balance ist gegeben, wenn die Menschen verstehen, was ihre Rechte und Verpflichtungen sind, und daher nachvollziehen können, warum etwas passiert und welche Folgen mit dem eigenen Handeln verbunden sind. Dafür wäre es erforderlich, dass wir uns die Frage stellen, welche Aufgaben der Staat durch wen und wie erfüllen soll. Eine sorgfältige Antwort auf diese Frage bildet die Grundlage für klare und einfach verständliche gesetzliche Regelungen.“

KI kann Fähigkeiten stärken – oder verdrängen

Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten für Unternehmen und Gesellschaft. Peschorn richtet den Blick neben den Effizienzgewinnen auch darauf, welche Konsequenzen der Einsatz langfristig für menschliche Fähigkeiten haben könnte: „Durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz können wir in fast allen Bereichen Aufgaben effizienter wahrnehmen. Für unser Zusammenleben stellt sich aber auch die Frage, wie mit der Haftung aus dem Einsatz Künstlicher Intelligenz umgegangen wird. Beispielsweise kann sich durch die künstliche Intelligenz die Zeit und der Ressourceneinsatz für Recherchen auf wenige Minuten verkürzen. Dies kann aber auch bewirken, dass viele Menschen die Fähigkeit verlieren werden, mit eigenen Mitteln einen Sachverhalt zu erheben und Rechtsfragen zu lösen. Wir sollten uns daher vor dem Einsatz der Künstlichen Intelligenz nicht nur fragen, aus welchen Gründen wir diese in welchem Bereich einsetzen wollen, sondern vor allem auch, welche Fähigkeiten weiterhin von den Menschen erlernt und angewandt werden müssen.“

Verantwortung muss klar zugeordnet sein

Peschorn war unter anderem in komplexe Verfahren rund um Hypo Alpe Adria und Signa eingebunden. Aus diesen Erfahrungen leitet er auch Grundsätze für Entscheidungen in Unternehmen und im staatlichen Bereich ab: „Sowohl für den privaten als auch den staatlichen Bereich gilt, dass klar sein muss, wer für Entscheidungen die Verantwortung trägt. Eine klare Verantwortungszuweisung im Zusammenwirken mit Konsequenzen für den Fall, dass Entscheidungen sorglos gefällt wurden, kann eine wirksame Vorsorge gegen die von Ihnen erwähnten Machenschaften bilden. Geschäfte, die man nicht versteht, sollten unterlassen werden. Auch wenn es mühsam ist: Nachfragen und Regeltreue helfen. Die Gesellschaft und damit wir alle können einen entscheidenden Beitrag leisten, etwa indem Personen, die Versprechungen kritisch hinterfragen und sich an Regeln in Unternehmen oder im Staat halten, vor den Vorhang geholt werden.“

Glaubwürdigkeit zeigt sich im Handeln

Ob Organisationen Vertrauen bewahren, entscheidet sich für Peschorn nicht allein an ihrer Kommunikation: „Entscheidend ist ein regelkonformes Verhalten, weil auch Unternehmen und Institutionen an ihrer Glaubwürdigkeit gemessen werden. Das Tun ist wichtiger als das darüber Reden.“

Eine besondere Verantwortung kommt dabei den Führungskräften zu: „Ich bin davon überzeugt, dass eine Führungskraft das, was sie von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlangt, vorleben muss. Damit sollte eine Führungskraft auch über jene spezifischen Fähigkeiten bzw. das Know-How verfügen, das die jeweilige Organisation auszeichnet. Führen bedeutet aus meiner Sicht gerade auch, sich inhaltlich, beispielsweise bei der Ausgestaltung einer Dienstleistung oder eines Produktes, einbringen zu können. Eine Führungsperson sollte zudem integer und in ihrem Verhalten gegenüber Mitarbeitenden voraussehbar und fair sein.“

Trendtag-Keynote: Rechtsstaat als Fundament von Vertrauen

Trendtag-Keynote Peschorn: Was braucht es, damit Kunden Unternehmen vertrauen?

Dr. Wolfgang Peschorn, Präsident der Finanzprokuratur

Beim AssCompact Trendtag am 8. Oktober 2026 in der Pyramide Wien/Vösendorf spricht Wolfgang Peschorn in seiner Keynote „Unsere gemeinsame Verantwortung – Der Rechtsstaat als Fundament von Vertrauen und Zukunft“, powered by Wüstenrot Versicherungs-AG. Die Keynote beleuchtet, warum klare Regeln, gegenseitiges Vertrauen und persönliche Verantwortung gerade in einer Zeit rasanter technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen für Wirtschaft, Unternehmen und Gesellschaft von Bedeutung sind.

„Der Staat ist die Organisation der Gesellschaft. Wir alle sind die Gesellschaft und es liegt damit in der Hand von uns allen, unsere Organisation zu verbessern oder zumindest einen Beitrag dafür zu leisten“, so Peschorn.

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AssCompact Trendtag 2026 – der Branchentreff der Versicherungs- und Finanzwirtschaft

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Am 8. Oktober 2026 trifft sich die Versicherungs- und Finanzbranche in der Pyramide Wien/Vösendorf zum AssCompact Trendtag. Freuen Sie sich auf hochkarätige Keynotes und praxisnahe Fachvorträge zu aktuellen Entwicklungen in den Bereichen Versicherungs- und Vermittlerrecht, Biometrie und Vorsorge, Digitalisierung sowie Innovationen der Gesellschaften. Ergänzt wird das Fachprogramm durch eine umfangreiche Fachmesse und zahlreiche Gelegenheiten zum persönlichen Austausch mit Expertinnen und Experten sowie Entscheidungsträgern der Branche.

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