zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

Creditreform: Firmeninsolvenzen bleiben auf hohem Niveau, Privatinsolvenzen ziehen wieder an

(Bild: © Creditreform)

Creditreform: Firmeninsolvenzen bleiben auf hohem Niveau, Privatinsolvenzen ziehen wieder an

06. August 2026

|

5 Min. Lesezeit

|

Studien

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist im ersten Halbjahr 2026 leicht um 1,6% zurückgegangen. Von einer nachhaltigen Entspannung könne laut Creditreform dennoch keine Rede sein. Gleichzeitig stiegen die Privatinsolvenzen wieder an, unter anderem aufgrund geänderter insolvenzrechtlicher Rahmenbedingungen.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 06.08.2026

Unternehmensinsolvenzen weiter auf hohem Niveau

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Österreich 3.443 Unternehmensinsolvenzen registriert. Das sind um 56 Fälle beziehungsweise 1,6% weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Damit habe sich die Dynamik der starken Insolvenzwelle der vergangenen Jahre zwar abgeschwächt, das Insolvenzniveau bleibe jedoch historisch hoch. Durchschnittlich mussten laut Creditreform weiterhin rund 29 Unternehmen pro Werktag Insolvenz anmelden. Gleichzeitig stieg die Zahl der mangels Vermögens abgewiesenen Insolvenzverfahren um 9% auf 1.459 Fälle.

Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands Creditreform:

"Der leichte Rückgang ist zweifellos ein positives Signal. Von einer nachhaltigen Entspannung kann jedoch keine Rede sein. Die österreichische Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer Phase der Konsolidierung. Viele Unternehmen kämpfen nach wie vor mit schwacher Nachfrage, hohen Personal- und Energiekosten sowie einer insgesamt angespannten Ertragslage."

Nach Einschätzung von Creditreform hätten sich viele Unternehmen zwar zunehmend an das schwierige wirtschaftliche Umfeld angepasst. Gleichzeitig würden aber weiterhin jene Betriebe aus dem Markt ausscheiden, deren Eigenkapitalbasis durch die Krisen der vergangenen Jahre nachhaltig geschwächt worden sei. Das Insolvenzgeschehen liege nach wie vor deutlich über dem langjährigen Durchschnitt der Vor-Pandemiejahre.

Wien bleibt Insolvenz-Hotspot

Mit 1.313 Unternehmensinsolvenzen entfiel weiterhin mehr als ein Drittel aller Firmeninsolvenzen auf Wien. Die Bundeshauptstadt weist mit 15,9 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen auch weiterhin die höchste Insolvenzquote auf. Besonders starke Zuwächse gab es in Vorarlberg (+37,5%), Kärnten (+13,3%), Niederösterreich (+5,8%) und Oberösterreich (+3,9%). Rückläufig entwickelten sich die Insolvenzzahlen hingegen vor allem in Tirol (−39,9%) und Salzburg (−17,9%).

Bauwirtschaft bleibt besonders betroffen

Nach Branchen bleibt das Bauwesen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Mit 458 Insolvenzen entfiel nach Handel und unternehmensbezogenen Dienstleistungen die dritthöchste Zahl aller Verfahren auf die Bauwirtschaft. Die Insolvenzquote liegt dort bei 19 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen. Auch das Beherbergungs- und Gaststättenwesen verzeichnete mit einem Plus von 5,7% mehr Insolvenzen. Rückläufig entwickelten sich die Verfahren dagegen unter anderem in der Sachgütererzeugung (−9,9%), im Handel (−11,2%), bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (−4,7%) sowie im Kredit- und Versicherungswesen (−23,4%). Das höchste Insolvenzrisiko weist laut Creditreform weiterhin der Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung mit 23,3 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen auf.

Die meisten Insolvenzverfahren betrafen erneut GmbHs (1.532 Fälle), gefolgt von nicht protokollierten Gewerbebetrieben (1.338) und Einzelunternehmen (184). Erstmals scheinen auch Insolvenzen der Rechtsform FlexKapG in der Statistik auf – mit neun Verfahren. Aufgrund der geringen Fallzahl lasse sich daraus laut Creditreform allerdings noch kein belastbarer Trend ableiten.

Privatinsolvenzen steigen wieder

Parallel dazu wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 5.092 Privatinsolvenzen registriert – ein Plus von 5,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Durchschnittlich mussten damit rund 42 Privatpersonen pro Werktag ein Schuldenregulierungsverfahren beantragen. Creditreform führt den Anstieg vor allem auf das Auslaufen des Tilgungsplanverfahrens für Nicht-Unternehmer zurück, das eine Restschuldbefreiung bereits nach drei Jahren ermöglicht hatte.

Für das zweite Halbjahr erwartet Creditreform sowohl bei den Unternehmens- als auch bei den Privatinsolvenzen keine grundlegende Trendwende. Während sich die Konjunktur langsam stabilisieren dürfte, blieben Finanzierungskosten, Investitionszurückhaltung und geopolitische Unsicherheiten belastende Faktoren. Bei den Privatinsolvenzen rechnet der Gläubigerschutzverband mit einem Einpendeln auf dem Vorjahresniveau von rund 9.500 Verfahren.

Foto oben: Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands Creditreform

zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

sharing is caring

Das könnte Sie auch interessieren


Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

(Klicken um Kommentar zu verfassen)