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AssCompact Beratertage 2026: Finale in Graz mit starkem Besucherandrang

AssCompact Beratertage 2026: Finale in Graz mit starkem Besucherandrang

22. April 2026

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9 Min. Lesezeit

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Recht & Wissen

Mit dem Beratertag in Graz endete die AssCompact Beratertage 2026 – und das vor ausgebuchtem Haus. Über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen ins Novapark Flugzeughotel, um sich bei einem spannenden Veranstaltungstag über aktuelle Entwicklungen in der Vermittlungspraxis zu informieren. Das Programm spannte einen breiten Bogen von rechtlichen Fragestellungen im Schadenfall über biometrische Risiken und Gesundheitslösungen bis hin zu Künstlicher Intelligenz, Cyber-Risiken und Themen aus der Standesvertretung.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 22.04.2026

Aktuelles aus der Standesvertretung

Bei der Diskussionsrunde „Aktuelles aus der Standesvertretung“ standen KommRat Wolfgang Wachschütz (Fachgruppenobmann der Versicherungsmakler und Berater in Versicherungsangelegenheiten Steiermark) und Markus Kohlmeier (Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister Steiermark) am Podium. Im Gespräch mit Moderator Ernst Vallant wurden zentrale Themen für die Vermittlung diskutiert – von Künstlicher Intelligenz über regulatorische Anforderungen bis hin zu Ausbildung, Vergütungsmodellen und Bürokratie.

Zum Einstieg ging es um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dabei wurde deutlich, dass die Technologie bereits im Arbeitsalltag angekommen ist, ihr sinnvoller Einsatz aber entsprechendes Wissen voraussetzt.

„Künstliche Intelligenz wird nicht vor uns haltmachen. Sie bietet viele Chancen, aber auch Risiken, weil sie stark von den vorhandenen Daten im Netz lebt. Wenn diese Basis nicht mehr gepflegt wird, kann auch die Qualität der Ergebnisse leiden. Entscheidend ist daher, dass der Anwender weiß, wie er mit den Tools umgeht, sonst entstehen schnell unbrauchbare Ergebnisse“, erklärte Wachschütz.

Im weiteren Verlauf standen Themen aus der Standesvertretung der Finanzdienstleister im Mittelpunkt. Kohlmeier verwies darauf, dass viele Rahmenbedingungen auf Bundes- und EU-Ebene entschieden werden und sich direkt auf die Praxis auswirken. Besonders angesprochen wurden regulatorische Anforderungen und steigende Kosten.

„Ein großes Thema sind die regulatorischen Vorgaben, etwa im Bereich Geldwäsche oder bei den Aufsichtskosten. Hier haben wir eine deutliche Schieflage, weil einzelne Bereiche wesentlich stärker belastet werden als andere Marktteilnehmer. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dokumentation und Haftung weiter, was für viele Betriebe eine echte Herausforderung darstellt“, so Kohlmeier.

Bei den Versicherungsmaklern liegt ein Schwerpunkt auf der Ausbildung. Wachschütz bereichtete, dass die neue Prüfungsordnung zu einer umfassenden Neustrukturierung geführt hat und stärker auf praktische Kompetenzen ausgerichtet ist. Auch die Ausbildung von Mitarbeitern in Maklerbüros sowie Fördermöglichkeiten wurden angesprochen.

„Mit der neuen Prüfungsordnung wurde das gesamte Ausbildungssystem neu aufgesetzt. Im Fokus steht nicht mehr reines Faktenwissen, sondern die Fähigkeit, konkrete Fallbeispiele zu lösen und Beratungssituationen abzubilden. Das erhöht die Anforderungen an die Kandidaten, bringt aber auch mehr Praxisbezug in die Ausbildung“, erläuterte Wachschütz.

Darüber hinaus wurde die Zusammenarbeit zwischen Versicherern, Kunden und Maklern thematisiert. Hintergrund sind geplante Regelungen zur digitalen Kommunikation, bei denen aus Sicht der Standesvertretung der Versicherungsmakler sichergestellt werden soll, dass Makler weiterhin eingebunden bleiben.

Auch das Thema Vergütung wurde diskutiert. Dabei ging es um die Abgrenzung zwischen provisionsbasierter und honorarbasierter Beratung sowie um regulatorische Entwicklungen. Kohlmeier macht deutlich, dass diese Diskussion für die Finanzdienstleister weiterhin eine zentrale Rolle spielt und wirtschaftliche Auswirkungen hat.

„Wir haben das Thema Provisionen in mehreren Bereichen gleichzeitig und stehen ständig unter regulatorischem Druck. Gleichzeitig sollen wir umfassend beraten, dokumentieren und haften, aber wirtschaftlich kaum Spielraum haben. Ich glaube nicht, dass ein Provisionsverbot automatisch zu günstigeren Produkten für Kunden führen würde, und deshalb wird es entscheidend sein, dass wir hier als Branche geschlossen auftreten“, informierte Kohlmeier.

Zum Abschluss wurde die zunehmende Bürokratie angesprochen. Beide Standesvertretungen sehen darin eine Belastung für die tägliche Arbeit, da der Dokumentationsaufwand in vielen Fällen nicht mehr im Verhältnis zur eigentlichen Beratung steht.

Grenzerfahrungen als Grundlage für unternehmerische Entscheidungen

Den letzten Vortrag hielt Marc Girardelli, Ski-Ikone und Unternehmer. Unter dem Titel „Grenzerfahrungen – Teil des unternehmerischen Alltags“ sprach er über den Umgang mit Unsicherheit, Risiko und Rückschlägen und darüber, welche Schlüsse sich daraus für unternehmerische Entscheidungen ziehen lassen.

Ausgehend von seiner Karriere im Spitzensport zeigte Girardelli, wie stark Erfolg von Eigenverantwortung und der Fähigkeit abhängt, unter unsicheren Bedingungen Entscheidungen zu treffen. Gerade in Situationen mit begrenzten Informationen sei es entscheidend, handlungsfähig zu bleiben und nicht auf perfekte Rahmenbedingungen zu warten.

„Ich war nie einer, der auf Gelegenheiten wartete. Ich musste immer aktiv sein. Ich bin auch überzeugt, dass die Chancen im Leben nicht einfach kommen, wenn man wartet. Man muss auf sie zugehen. Auch wenn man nicht genau weiß, wo es endet, entstehen Möglichkeiten erst durch eigenes Handeln“, erklärt Girardelli.

Anhand von Rückschlägen und seiner unternehmerischen Tätigkeit nach der Sportkarriere verdeutlichte er, dass nachhaltiger Erfolg nicht aus einzelnen richtigen Entscheidungen entsteht, sondern aus der Bereitschaft, sich anzupassen und konsequent weiterzuarbeiten. Für die Praxis bedeutet das, auch unter Druck klare Prioritäten zu setzen und Verantwortung zu übernehmen.

Weitere Keynote-Vorträge

Dr. Nora Michtner griff auch beim Beratertag in Graz ihr Thema „Die gefährlichsten Irrtümer bei Fälligkeit und Verjährung im Schadenfall“ auf und zeigte, dass Ansprüche in der Praxis häufig nicht an fehlender Deckung scheitern, sondern daran, dass Fristen falsch eingeschätzt oder zu spät geprüft werden.
(Details zum Vortrag finden Sie im Beitrag zum Beratertag Wels …)

Ein weiterer Keynote-Vortrag widmete sich dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Vermittleralltag: Gerhard G. Stockinger zeigte konkrete Anwendungsmöglichkeiten für die Praxis.
(Details zum Vortrag finden Sie im Beitrag zum Beratertag Salzburg …)

Impulsvorträge und Fachthemen – das weitere Programm im Überblick

Neben den Keynotes, dem Wissens Circle und dem Standesblock bot der Beratertag Graz ein kompaktes Programm an Fachvorträgen:

  • Stefan Bauer (WWK): „Die Symbiose aus KI und Investmenterfahrung“
  • Georg Saringer (Dialog Lebensversicherungs-AG): „Die Neuerungen der Dialog in den RLV- und BU-Tarifen“
  • Mag. Richard Weissenbacher (muki Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit): „Der neue muki-Unfallschutz – Klar strukturiert: Kundenfreundliche, innovative und individuelle Absicherung“
  • Michael Siering (InterRisk): „Die Absicherung der Berufsunfähigkeit, eine komplexe Herausforderung – Individuelle und bedarfsgerechte Lösungen für unterschiedliche Risikosituationen“
  • Peter Zorn (Ascendia Österreich): „Aufbruch in ein neues Kapitel – Unternehmensnachfolge neu gedacht! Erfolgsfaktoren für die nachhaltige Weiterführung Ihres Lebenswerks“
  • Akad. FDL Manfred Perhab (Allianz): „Meine Gesundheitsversicherung – Einfach erklärt“
  • Manuel Häusler (Markel): „Cyber Versicherung: Risiken erkennen und passende Versicherungslösung ermitteln“
  • Martina Hörmann (GRAWE): „GRAWE MyMED – Highlights der neuen Gesundheitsversicherung der GRAWE“

Das waren die Beratertage 2026

Mit über 1.000 Teilnehmern, vier Keynote-Speakern, insgesamt 53 Vorträgen – darunter vier Keynote-Vorträge (drei Keynote-Vorträge pro Beratertag), 27 Vorträge zu aktuellen Produkt- und Servicethemen der Versicherungsgesellschaften sowie zwölf Vorträge im Rahmen des Wissens Circles – boten die AssCompact Beratertage 2026 auch heuer wieder ein umfassendes Weiterbildungsangebot. Bei allen vier Beratertagen standen zudem Podiumsdiskussionen unter dem Titel „Aktuelles aus der Standesvertretung“ auf dem Programm. Insgesamt wurden 3.844 IDD-Weiterbildungsstunden zertifiziert. Pro Beratertag konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mindestens 3,5 unabhängige IDD-Weiterbildungsstunden erwerben.

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