zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

René Unger: „Nicht alles ist versicherbar – Verantwortung lässt sich nicht automatisieren“

René Unger: „Nicht alles ist versicherbar – Verantwortung lässt sich nicht automatisieren“

08. Mai 2026

|

6 Min. Lesezeit

|

Im Blickpunkt

Veränderungen in Marktstrukturen, steigende Schadenbelastungen und technologische Entwicklungen prägen derzeit die Versicherungsbranche. René Unger, CEO der Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft, spricht über Führungsverständnis, Digitalisierung, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz sowie strukturelle Entwicklungen im Markt.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 08.05.2026

Seit seinem Amtsantritt trägt René Unger die Gesamtverantwortung für das Unternehmen. Seine Arbeit ist dabei stark von Erfahrung im Unternehmen und einem klaren Verständnis wirtschaftlicher Kennzahlen geprägt. „Mir hilft vor allem meine langjährige Erfahrung im Unternehmen und in unterschiedlichen Funktionen. Ich arbeite grundsätzlich gerne mit Menschen und suche aktiv den Dialog. Mir ist wichtig, nicht nur oberflächlich zu kommunizieren, sondern zu verstehen, wo Herausforderungen tatsächlich liegen und wie Themen aus unterschiedlichen Perspektiven wahrgenommen werden. Zusätzlich gibt mir mein fachlicher Hintergrund als Finanzexperte große Sicherheit. Ich kenne die wirtschaftlichen Kennzahlen, die Bilanzstruktur, das Prämienvolumen und die Ergebnislogik sehr genau. Dieses Verständnis hilft mir, Entscheidungen fundiert zu treffen und Prioritäten klar zu setzen“, erklärt Unger.

Digitalisierung und Schnittstellen

Die Weiterentwicklung digitaler Prozesse ist für Zurich ein zentraler Bestandteil der strategischen Schwerpunkte. Dabei stehen insbesondere Schnittstellen zu Partnern und Abläufe im Privatkundengeschäft im Fokus. „Wir haben in den vergangenen Monaten bereits erste konkrete Maßnahmen umgesetzt, insbesondere im Bereich der digitalen Schnittstellen zu unseren Partnern. Der weitere Ausbau dieser Schnittstellen ist einer unserer zentralen strategischen Schwerpunkte. Vor allem im Privatkundengeschäft wollen wir Prozesse deutlich vereinfachen, effizienter gestalten und beschleunigen. Unsere Partner erwarten zu Recht, dass Abläufe reibungslos funktionieren und Medienbrüche vermieden werden. Erste Fortschritte sind bereits spürbar, gleichzeitig wissen wir, dass hier noch viel Arbeit vor uns liegt. Digitalisierung ist kein Projekt mit einem Enddatum, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess“, so Unger.

Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist derzeit ein zentrales Thema in der Versicherungsbranche. Auch bei Zurich werden entsprechende Anwendungen bereits in einzelnen Bereichen getestet. „Künstliche Intelligenz ist für uns ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung, gleichzeitig wird sie aktuell sehr stark diskutiert und teilweise auch überschätzt. Es ist wichtig, hier realistisch zu bleiben. KI ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das dort sinnvoll eingesetzt werden muss, wo es tatsächlich einen Mehrwert bringt. Wir setzen Künstliche Intelligenz bereits im Kfz-Schadenbereich bei der Schadenanlage ein und testen entsprechende Anwendungen. Dabei geht es vor allem um die Unterstützung bei standardisierten Abläufen und wiederkehrenden Prozessen. Die bisherigen Erfahrungen sind positiv, gerade dort, wo klare Strukturen und wiederkehrende Muster vorhanden sind. Gleichzeitig sehen wir sehr deutlich die Grenzen dieser Technologie“, sagt Unger.

Trennung von Kunden- und Vermittlerservice

Unterschiedliche Anforderungen von Kundinnen und Kunden sowie Vermittlern haben dazu geführt, dass Zurich die Servicebereiche getrennt hat. „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt, dass Kundinnen und Kunden und Vermittler sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben. Eine gemeinsame Service-Struktur kann diesen unterschiedlichen Anforderungen nur schwer gerecht werden. Deshalb haben wir uns bewusst dafür entschieden, Kundenservice und Vermittlerservice wieder klar zu trennen. Die Rückmeldungen aus dem Markt zeigen, dass diese Entscheidung richtig war. Das Service ist klarer geworden, Abläufe sind effizienter und die Qualität hat sich verbessert“, erklärt Unger.

Kostenentwicklung und Effizienz

Inflation und steigende Kosten sind seit einigen Jahren ein zentrales Thema für die Versicherungsbranche. Zur Senkung von Kosten setzt Zurich laut Unger vor allem auf Automatisierung und Digitalisierung: „Inflation ist seit einigen Jahren ein zentrales Thema, insbesondere in Österreich, wo sie zeitweise deutlich höher war als in anderen europäischen Ländern. Sie bringt daher die gesamte Wirtschaft erheblich unter Druck und wirkt sich natürlich auch auf die Versicherungsbranche aus. Für uns stellt sich also permanent die Frage, wie wir Kosten im Griff behalten, ohne Qualität oder Service einzuschränken. Personalabbau ist dabei nicht automatisch die richtige Antwort. Stattdessen setzen wir gezielt auf Automatisierung und Digitalisierung, um Prozesse effizienter zu gestalten.“

Versicherbarkeit und Naturgefahren

Naturgefahren spielen laut Unger eine zentrale Rolle für die Versicherungsbranche. Die Entwicklung der vergangenen Jahre stellt Versicherer dabei vor neue Herausforderungen. „Naturgefahren stellen derzeit eine der größten Herausforderungen für die Versicherungsbranche dar, weil sie in ihrer Ausprägung und Häufigkeit immer schwerer kalkulierbar werden. In den vergangenen Jahren haben wir sehr unterschiedliche Schadenereignisse erlebt, die sich kaum miteinander vergleichen lassen. Wenn mehrere schwere Schadenjahre relativ knapp aufeinander folgen, stößt das klassische Versicherungsprinzip an seine Grenzen“, so Unger.

Konsolidierung im Markt

Der österreichische Versicherungs- und Maklermarkt ist laut Unger von strukturellen Veränderungen geprägt, wobei sich die Konsolidierung sowohl auf Versicherer- als auch auf Maklerebene zeige. „Der österreichische Versicherungsmarkt ist von mehreren großen Unternehmen geprägt, daneben gibt es starke mittelgroße Anbieter. Diese Struktur führt zu einer zunehmenden Konsolidierung, sowohl auf Versicherungs- als auch auf Maklerebene. Wichtig ist, dass die Balance gewahrt bleibt und Marktmacht nicht überhandnimmt. Vielfalt und Wettbewerb sind zentrale Elemente eines funktionierenden Marktes“, betont Unger abschließend.

Das gesamte Interview lesen Sie in der AssCompact Mai-Ausgabe!

Foto oben: René Unger, CEO der Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft

zurück zur Übersicht

Beitrag speichern

sharing is caring

Das könnte Sie auch interessieren


Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

(Klicken um Kommentar zu verfassen)