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JKU-Veranstaltung: Experten sehen Reformbedarf im Pensionssystem

JKU-Veranstaltung: Experten sehen Reformbedarf im Pensionssystem

17. April 2026

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3 Min. Lesezeit

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Recht & Wissen

Bei einer Veranstaltung des Instituts für Versicherungswirtschaft der JKU Linz diskutierten rund 130 Teilnehmer über die Zukunft der Altersvorsorge. Angesichts demografischer Entwicklungen wird Reformbedarf gesehen.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 17.04.2026

Das österreichische Pensionssystem steht unter Druck. Steigende Lebenserwartung, sinkende Geburtenraten und wachsende Ausgaben erhöhen die Belastung. Gleichzeitig basiert die Altersvorsorge weiterhin überwiegend auf der staatlichen Pension.

Laut Studien rechnen 60 % der Österreicher damit, auch im Ruhestand weiterarbeiten zu müssen. Zudem sorgen sich mehr als drei Viertel der jungen Menschen um ihre Altersvorsorge.

Othmar Nagl, Institutsvorstand und Generaldirektor der Oberösterreichischen Versicherung:

"Nicht jeder ist dazu in der Lage und auch nicht jeder Beruf bietet diese Möglichkeit. Gleichzeitig sorgen sich bereits mehr als drei Viertel der jungen Menschen um ihre Altersvorsorge – und das zu Recht. Das Vertrauen in das staatliche System sinkt."

Reformansätze im Fokus

Im Rahmen der Diskussion wurde unter anderem eine stärkere Ausrichtung auf ein Drei-Säulen-Modell thematisiert, das staatliche, betriebliche und private Vorsorge kombiniert.

Hanno Lorenz, stellvertretender Direktor der Agenda Austria:

"Das österreichische Pensionssystem fährt derzeit sehenden Auges gegen die demografische Wand. Dieses Umlageverfahren stößt aufgrund politischer Reformunwilligkeit an seine finanziellen Grenzen."

Auch die betriebliche Vorsorge wurde als möglicher Ansatzpunkt diskutiert.

Markus Reindl, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für betriebliches Vorsorgewesen, Lebensversicherung und Pensionsversicherung:

"Die Altersvorsorge ist derzeit ein wackeliges Dreibein. Gerade die betriebliche Vorsorge könnte für breite Teile der Bevölkerung eine ideale Zusatzpension sein – dafür braucht es jedoch gesetzliche Änderungen."

Finanzielle Perspektiven

Neben strukturellen Fragen wurde auch die langfristige Finanzierbarkeit des Systems thematisiert, insbesondere im Zusammenhang mit steigenden Ausgaben für Pflege und Gesundheit.

Christoph Badelt, Präsident des Fiskalrates und Professor an der WU Wien:

"Das Pensionssystem ist grundsätzlich finanzierbar, aber es braucht Reformen. Diese dienen nicht dem Wegnehmen, sondern der langfristigen Absicherung – auch im Hinblick auf steigende Pflege- und Gesundheitskosten."

Einigkeit bestand darin, dass ohne Reformen und eine Stärkung aller drei Säulen die Stabilität des Systems langfristig gefährdet ist.

Insurance Award Brain verliehen

Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der Insurance Award Brain vergeben. Der Preis wird jährlich für wissenschaftliche Arbeiten im Bereich Versicherungswirtschaft vergeben und ist mit bis zu 3.000 Euro dotiert.

Ausgezeichnet wurden Dissertationen zu Haftpflichtversicherung, Betriebsversicherung und Versicherungsvertragsrecht sowie Masterarbeiten zu ESG-Ratings und zum Risikoverhalten von Unternehmen.

Foto oben v.l.n.r: Gastgeber und Institutsvorstand GD Othmar Nagl. GF Markus Reindl, Präs. des Fiskalrates Prof. Christoph Badelt und Dir.-Stv. Hanno Lorenz

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