Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierten die Österreichische Plattform für Interdisziplinäre Alternsfragen (ÖPIA) gemeinsam mit der Wiener Städtischen Versicherung zentrale Ergebnisse der vierten Welle der Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigenstudie (ÖIHS). Die Daten liefern ein differenziertes Bild der Lebensrealität von Menschen ab 80 Jahren in Österreich.
Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 28.04.2026
Zentrales Ergebnis: Trotz gesundheitlicher Einschränkungen ist die Lebenszufriedenheit hoch. Rund neun von zehn Befragten zeigen sich laut Studie „sehr“ oder „eher“ zufrieden mit ihrem Leben. Gleichzeitig lebt die große Mehrheit weiterhin im eigenen Zuhause, nur ein kleiner Teil in Pflegeeinrichtungen. Ein Drittel der Hochaltrigen gilt als gesundheitlich vergleichsweise gut aufgestellt und weitgehend selbstständig.
Studienleiter Georg Ruppe betonte bei der Präsentation die Vielfalt im hohen Alter: Pauschale Altersbilder würden der Realität nicht gerecht, vielmehr zeige sich eine große Bandbreite an Lebenssituationen.
Auch verbreitete Annahmen zu Einsamkeit und psychischer Belastung relativiert die Studie: Laut ÖIHS leidet die Mehrheit weder unter Depression noch unter regelmäßiger Einsamkeit. Gleichzeitig bestehen jedoch gesundheitliche Herausforderungen, etwa ein erhöhter Demenzverdacht bei rund der Hälfte der Befragten – insbesondere bei Frauen und Personen mit niedriger Bildung.
Deutlich wird in den Studienergebnissen vor allem die Rolle sozialer Faktoren. Bildung, Einkommen und Geschlecht prägen Gesundheit und Lebensbedingungen im Alter maßgeblich. Personen mit niedriger Bildung sind häufiger von Mehrfacherkrankungen betroffen, Frauen weisen insgesamt schlechtere Gesundheitswerte auf und tragen ein höheres Armutsrisiko. Laut Wiener Städtischer Versicherung zeigt sich damit, dass soziale Ungleichheit über den gesamten Lebensverlauf wirkt und sich im hohen Alter weiter zuspitzt.
Auch die Einkommenssituation ist heterogen: Während ein Teil der Hochaltrigen finanziell stabil ist, gilt rund ein Viertel als armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Frauen und Personen mit geringerem Bildungsniveau.
Im Pflegefall bevorzugen viele weiterhin die Betreuung in den eigenen vier Wänden. Modelle wie die 24-Stunden-Betreuung stoßen auf größere Akzeptanz als der Umzug in ein Pflegeheim. Gleichzeitig zeigt die Studie strukturelle Herausforderungen bei Zukunftsthemen: Die digitale Teilhabe ist gering – nur ein Viertel nutzt das Internet regelmäßig – und Wohnraumanpassungen erfolgen häufig erst bei konkretem Bedarf.
Die präsentierten Studienergebnisse unterstreichen zwei zentrale Aspekte: Einerseits bleibt die Lebensqualität im hohen Alter vielfach stabiler als oft angenommen. Andererseits zeigen sich deutliche strukturelle Unterschiede, die für die Versicherungswirtschaft relevant sind. Für Vermittler und Produktanbieter ergibt sich daraus die Notwendigkeit, Vorsorge-, Pflege- und Einkommensabsicherung stärker entlang unterschiedlicher Lebensrealitäten zu denken – und frühzeitig anzusetzen.
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