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Gewerbeversicherung: AssCompact Roundtable legte aktuelle Herausforderungen offen - Teil 2

Gewerbeversicherung: AssCompact Roundtable legte aktuelle Herausforderungen offen - Teil 2

13. Februar 2026

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7 Min. Lesezeit

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Recht & Wissen

Im zweiten Teil des Beitrags zum AssCompact Roundtable rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das während der Diskussion immer wieder mitschwang: die Qualität der Maklerarbeit im Gewerbegeschäft. Die Teilnehmer sprachen darüber, warum Versicherbarkeit häufig an fehlender Risikotransparenz scheitert, welche Informationen Underwriter tatsächlich benötigen – und weshalb Spezialisierung und Kooperation künftig entscheidend dafür sein könnten, Risiken überhaupt noch wirtschaftlich zeichnen zu können.

Andreas Richter

Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 13.02.2026

Nach der Diskussion über Mindestprämien, individuelle Deckungslösungen und die Rolle von Selbstbehalten verlagerte sich der Fokus beim AssCompact Roundtable zunehmend auf die praktische Zusammenarbeit zwischen Maklern und Versicherern. Dabei wurde deutlich, dass sich viele Herausforderungen im Gewerbegeschäft nicht allein über Produktgestaltung lösen lassen. Vielmehr ging es um die Frage, welche Qualität in der Risikoaufbereitung erforderlich ist, um komplexe Betriebe überhaupt noch nachvollziehbar darstellen und versichern zu können. Insbesondere Risikotransparenz, Spezialisierung und strukturierte Prozesse wurden von beiden Seiten als zentrale Voraussetzungen genannt.

Maklerqualität als implizites Kernthema

Ohne explizit als eigenes Kapitel benannt zu werden, zog sich ein Thema wie ein roter Faden durch den gesamten Roundtable: die Qualität der Maklerarbeit im Gewerbegeschäft. Versichererseitig wurde offen angesprochen, dass viele Ablehnungen weniger am Risiko selbst scheitern als an unzureichender Aufbereitung, fehlender Transparenz oder unklaren Tätigkeitsbeschreibungen.

Gleichzeitig wurde differenziert: Spezialisierte Makler oder solche mit klaren Kooperationsstrukturen liefern deutlich bessere Unterlagen, strukturierte Risikoanalysen und realistische Einschätzungen. Allround-Modelle stoßen dagegen bei komplexeren Risiken rasch an ihre Grenzen. Aus Maklersicht wiederum wurde selbstkritisch eingeräumt, dass Haftungsangst und Unsicherheit zu einer Inflation von Klauseln und Zusatzdeckungen geführt haben – oft ohne echten Mehrwert.

Risikotransparenz als Voraussetzung für Versicherbarkeit

Ein zentrales Fazit des Roundtables lautete: Versicherbarkeit scheitert selten am Risiko selbst, fast immer an dessen Darstellung. Underwriter benötigen ein klares, nachvollziehbares Bild des tatsächlichen Geschäftsbetriebs. Standardisierte Fragebögen, unvollständige Unterlagen oder formale Gewerbebeschreibungen reichen dafür nicht aus.

Beide Seiten betonten die Bedeutung von Risikobesichtigungen, technischen Gutachten und branchenspezifischen Erhebungen. Diese Instrumente entfalten ihren Nutzen jedoch nur dann, wenn sie vom Makler aktiv als Mehrwert positioniert und vom Kunden akzeptiert werden. Risikotransparenz wurde damit nicht nur als technische, sondern als kommunikative Aufgabe definiert.

Effizienz, Spezialisierung und Kooperation

Ein weiterer Diskussionsstrang betraf die Frage, wie Effizienz im Gewerbegeschäft künftig erreicht werden kann. Einigkeit bestand darin, dass Spezialisierung und Kooperation an Bedeutung gewinnen. Nicht jeder Makler kann jede Branche abdecken, nicht jeder Versicherer jedes Risiko zeichnen. Kooperationen – sowohl auf Makler- als auch auf Versichererseite – wurden als realistischer Weg gesehen, um Qualität und Wirtschaftlichkeit zu verbinden.

Besonders betont wurde, dass die besten Konzepte und Unterlagen in der Regel von spezialisierten Maklern kommen. Diese verfügen über Branchenverständnis, klare Prozesse und realistische Erwartungshaltungen – Voraussetzungen für funktionierende Zusammenarbeit.

Gemeinsame Erkenntnisse statt Frontenbildung

Trotz der Vielzahl an Spannungsfeldern überwog am Ende ein bemerkenswert hohes Maß an Konsens. Makler und Versicherer teilten viele Einschätzungen: die Notwendigkeit realistischer Prämien, die Bedeutung von Risikotransparenz, die Grenzen der Standardisierung und die Rolle von Selbstbehalten.

Was fehlte, war weniger das Verständnis als vielmehr der strukturelle Rahmen, um dieses Verständnis in marktfähige Lösungen zu übersetzen.

Die Gewerbeversicherung braucht neue Ehrlichkeit

Der Roundtable zeigte eindrucksvoll, dass die Zukunft der Gewerbeversicherung nicht in immer komplexeren Produkten liegt, sondern in klaren Entscheidungen. Welche Risiken sind standardisierbar? Wo beginnt echte Individualität? Und was darf sie kosten?

Ohne eine ehrliche Neubewertung von Prämien, Selbstbehalten, Maklerrollen und Prozesskosten droht das Gewerbegeschäft zwischen Anspruch und Wirklichkeit zerrieben zu werden. Der Wille zur Veränderung war spürbar – ob er sich auch nachhaltig im Markt durchsetzt, bleibt eine offene, aber zentrale Frage.

Die Teilnehmer des
AssCompact Roundtables:

  • Moderator: AssCompact Herausgeber Franz Waghubinger
  • Dr. Martin Beste (Geschäftsführer, R+V Allgemeine Versicherung AG, Niederlassung Österreich)
  • Elisabeth Bicik (Geschäftsführende Gesellschafterin, Bicik & Struggl Insurance Brokers GmbH)
  • Andreas Brandl (Abteilungsleiter Gewerbekoordination, DONAU Versicherung AG)
  • Christoph Bachlechner, MBA (Leitung Partnervertrieb Österreich, Wiener Städtische Versicherung AG)
  • Jens Fischer (Leiter Underwriting Gewerbe & Industrie, Allianz Elementar Versicherungs-AG)
  • Oliver Fuss (Niederlassungsleiter,
Raiffeisen Versicherungs-Maklerdienst GmbH)
  • Mag. Alexander Gimborn (Präsident ÖVM)
  • Sebastian Eckl, MBA (Leiter Produktmanagement SME, UNIQA Insurance Group AG)
  • Christoph Kopp (Geschäftsführer & Inhaber,
Glantschnig Versicherungsmakler GmbH,
Ressortleiter Gewerbeversicherung, IGV)
  • Akad. Vkfm. Christian Mara (Geschäftsführer,
GGW Versicherungsmakler GmbH)
  • Mag. Hubert-Philipp Sprosec (Chief Underwriting Officer Retail, Mitglied des Vorstandes,
Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft)
  • Mag. (FH) Thomas Wild (Bereichsleitung Versicherungstechnik Schaden-Unfall, Niederösterreichische Versicherung AG)
  • Dr. Christoph Zauner (Leiter Retail und Corporate,
Generali Versicherung AG)

Hier geht's zum ersten teil des Beitrages ...

AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026

Gewerbeversicherung: AssCompact Roundtable legte aktuelle Herausforderungen offen - Teil 2

Die beim AssCompact Roundtable angesprochenen Fragen zur Zukunft der Gewerbeversicherung werden beim AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026 weiter vertieft. Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Unsicherheit, neuer Haftungsrisiken durch Digitalisierung und steigender Anforderungen an Transparenz und Dokumentation richtet sich das Symposium an Versicherungsmakler, die Risiken im Gewerbe- und KMU-Bereich fundiert bewerten und nachvollziehbar absichern müssen.

Im Programm stehen unter anderem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für österreichische Unternehmen, die professionelle Aufbereitung von Risiken als Voraussetzung für Versicherbarkeit, die richtige Bewertung von Versicherungs- und Deckungssummen sowie neue digitale Risiko- und Haftungsszenarien. Ergänzt wird dies durch rechtliche Einordnungen zur Maklerhaftung auf Basis aktueller OGH-Entscheidungen. Teilnehmer können bis zu fünf unabhängige IDD-Weiterbildungsstunden erwerben.

Termin: 3. März 2026, Einlass ab 8:00 Uhr
Ort: Eventhotel Pyramide Wien/Vösendorf
Ticket: 205 Euro zzgl. MwSt. (Normalpreis 410 Euro zzgl. MwSt.)

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