Der Versicherungsmarkt steht unter anhaltendem wirtschaftlichem, regulatorischem und technologischem Druck. Die VAV Versicherungs-AG begegnet diesen Entwicklungen mit einer klaren strategischen Ausrichtung. Im Gespräch erläutern Dipl.-Oek. Sven Rabe, Vorstandsvorsitzender der VAV Versicherungs-AG, und Dipl.-Ing. Christian Sipöcz, Vorstand der VAV Versicherungs-AG, wie sich das Unternehmen auf steigende Schadenkosten, veränderte Risikolandschaften und den strategischen Ausbau des Gewerbegeschäfts vorbereitet.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 13.02.2026
Die Rahmenbedingungen für Versicherer bleiben herausfordernd. Neben der anhaltend hohen Schadeninflation wirken sich auch regulatorische Anforderungen und klimabedingte Schadenereignisse zunehmend auf Prämien, Zeichnungspolitik und Prozesse aus. „Die Branche hat in den letzten Jahren stark unter der Inflation gelitten, vor allem überproportional bei den Schadenkosten. Auch wenn es etwas besser geworden ist, liegt die Schadeninflation immer noch über der allgemeinen Inflation – und das spürt man bei Schäden und Prämien. Gleichzeitig kommen immer mehr regulatorische Anforderungen dazu, etwa im Zusammenhang mit KI oder Sanktionskontrollen. Und wir dürfen die Klimarisiken nicht unterschätzen. Die Schadenereignisse werden häufiger und teurer. Ein gutes Jahr heißt nicht, dass sich der Trend umkehrt. Insgesamt bleibt das Umfeld anspruchsvoll, und wir müssen auf mehreren Ebenen aufmerksam bleiben“, erklärt Rabe.
Parallel dazu verändern sich Risikoprofile einzelner Branchen deutlich. Rückversicherer reagieren mit engeren Bedingungen, was sich unmittelbar auf den Erstversicherungsmarkt auswirkt. „Wir beobachten diese Entwicklungen laufend. Es gibt Branchen, die aktuell besonders risikobehaftet sind. Ein großes Thema sind derzeit Entsorger und Recycler – dort kommt es laufend zu Bränden, von klein bis groß. Das liegt nicht nur an veränderter Mobilität, etwa durch Batterien, sondern auch am geänderten Rauchverhalten. Viele Brände entstehen durch Vapes und E-Zigaretten. Diese Entwicklungen müssen wir in unserer Zeichnungspolitik berücksichtigen. Unser Anspruch ist, nicht hinterherzulaufen, sondern vor der Welle zu bleiben“, erläutert Sipöcz.
Ziel bis 20230: Die VAV im Bestand und auf Vertriebspartnerbasis weiter zu diversifizieren
Mit der neuen Strategieperiode bis 2030 setzt die VAV auf eine konsequente Weiterentwicklung ihres bestehenden Geschäftsmodells. Ziel ist eine stärkere Diversifikation über Sparten und Vertriebspartner hinweg. „Unsere neue Strategieperiode ist eine konsequente Weiterentwicklung dessen, was wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben. Zentral ist für uns, die VAV weiter zu diversifizieren – sowohl im Bestand als auch über eine breitere Vertriebspartnerbasis. Wir sind in den privaten Sparten stark gewachsen, vor allem in den privaten Sachsparten. Parallel dazu haben wir unseren traditionellen Schwerpunkt im Baugeschäft wieder deutlich gestärkt und sehr gute Wachstumsraten erzielt. Auf dieser Basis wollen wir den nächsten Schritt gehen: Wir öffnen uns stärker für das Gewerbestandardgeschäft, um unseren Gesamtbestand breiter aufzustellen und neue, attraktive Risiken zu erschließen“, informiert Rabe.
Die Verbreiterung der Vertriebspartnerbasis versteht die VAV dabei nicht nur als Gewinnung neuer Partner, sondern auch als Vertiefung bestehender Beziehungen. „Wir bleiben ein Maklerversicherer und arbeiten auch weiterhin mit Mehrfachagenten zusammen. Bei der Verbreiterung der Vertriebspartnerbasis geht es aber um beides: neue Partner und mehr Geschäft innerhalb bestehender Partnerschaften. Viele Vermittler kennen uns bislang vor allem aus dem Kfz-Bereich. Unser Wachstum der letzten Jahre ist auch deshalb möglich gewesen, weil wir diese Partner motiviert haben, zusätzlich Sachgeschäft bei uns zu platzieren. Insgesamt haben wir mehr als 2.500 Courtagevereinbarungen, und in dieser breiten Basis konnten wir Aktivitäten kontinuierlich steigern“, führt Sipöcz aus.
Abläufe sollen schneller und verlässlicher werden
Neben der strategischen Ausrichtung legt die VAV einen Schwerpunkt auf Prozessqualität, technische Weiterentwicklung und interne Effizienz. „Wir werden uns weiter stark auf die Produktseite konzentrieren und dort neue Lösungen entwickeln, die klare Best-Advice-Elemente und zusätzliche Deckungsbausteine bieten. Gleichzeitig wollen wir die technische Abwicklung für Makler deutlich vereinfachen und komfortabler machen. Parallel dazu optimieren wir interne Prozesse, damit Abläufe insgesamt schneller, reibungsloser und verlässlicher werden“, berichtet Rabe.
Kfz bleibt wichtig - Balance soll besser werden
Bis 2030 strebt die VAV ein deutliches Wachstum an, verbunden mit einer ausgewogeneren Spartenstruktur. Die Kfz-Versicherung bleibt dabei eine tragende Säule. „Wir richten unsere Positionierung schon jetzt Schritt für Schritt stärker auf das Gewerbegeschäft aus. Bisher sind wir vor allem als Kfz-, Sach- und Bauversicherer bekannt, künftig wollen wir auch als Gewerbeversicherer klar erkannt werden. Bis 2030 planen wir ein Prämienvolumen von über 260 Mio. Euro. Ein weiteres Ziel ist eine ausgeglichene Struktur zwischen Kfz und Sachgeschäft – also rund 50:50. Kfz bleibt wichtig, aber die Balance soll deutlich besser werden“, erläutert Sipöcz.
„Kfz bleibt auch in Zukunft eine zentrale Sparte für uns. Selbst am Ende der Strategieperiode 2030 wird die Kfz-Versicherung rund 50% unseres Prämienvolumens ausmachen und damit die größte Sparte bleiben. Wichtig ist für uns, diese Sparte ertragsorientiert zu führen, weil sie weiterhin einen großen Einfluss auf das Gesamtergebnis der VAV hat“, ergänzt Rabe.
Ehrliche Kommunikation, die Vertrauen schafft
Auch die zunehmende Konsolidierung im Maklermarkt wird aufmerksam beobachtet. Die Bedeutung unabhängiger Vermittler sieht die VAV weiterhin gegeben. „Die Konsolidierung wird weiter zunehmen – das liegt vor allem an der demografischen Entwicklung in Österreich. Trotzdem erwarten wir keinen Rückgang der Bedeutung des Maklers. Der Beratungsbedarf bleibt bestehen, besonders im Schadenfall, und Österreich ist kein ausgeprägter Onlineversicherungsmarkt. Wichtig ist, ehrlich zu kommunizieren, was möglich ist und was nicht, weil das Vertrauen schafft“, erklärt Sipöcz.
Auch im Kontext der Wachstumsstrategie bleibt die Zeichnungspolitik unverändert ausgerichtet. „Wachstum ist wichtig, aber es ist kein Wert an sich. Entscheidend bleibt die Risikoselektion: die richtigen Risiken zu den richtigen Preisen zu zeichnen. Das ist das Fundament unserer Strategie – und daran ändert sich nichts“, betont Rabe abschließend.
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Foto oben: Dipl.- Oek. Sven Rabe (rechts) und Dipl.-Ing. Christian Sipöcz (links) im Gespräch mit AssCompact Herausgeber Franz Waghubinger
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