Eine realistische Bewertung von Versicherungs- und Deckungssummen ist für Gewerbe- und KMU-Unternehmen ein zentraler Bestandteil wirksamer Risikovorsorge. Fehler oder Vereinfachungen können im Schadenfall gravierende finanzielle Folgen haben – für Unternehmen ebenso wie für ihre Berater. Oliver Fuss, Leiter der Niederlassung Oberösterreich bei der Aktuell Raiffeisen Versicherungs-Maklerdienst Gesellschaft m.b.H. und Referent beim AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026, erläutert im Interview, warum Summenbewertung kein formaler Akt, sondern ein laufender Prozess ist und welche Verantwortung damit für Vermittler verbunden ist.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 24.02.2026
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Summenbewertung als Kern des Risikomanagements
Die fachgerechte Ermittlung von Versicherungs- und Deckungssummen ist laut Oliver Fuss ein zentraler Bestandteil des betrieblichen Risikomanagements, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen. Fehlerhafte Annahmen oder veraltete Werte können im Schadenfall zu erheblichen Finanzierungslücken führen und den Fortbestand des Unternehmens gefährden. „Eine professionelle Bewertung der Versicherungssummen in der betrieblichen Sach- und Haftpflichtversicherung hat für Firmen und insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen eine zentrale wirtschaftliche und existenzielle Bedeutung. Sie ist das Herzstück des betrieblichen Risikomanagements. Darüber hinaus gewährleistet sie Planungssicherheit für den Fortbestand des Unternehmens und es werden hohe finanzielle Eigenbelastungen vermieden“, betont Fuss.
Gerade in der Sachversicherung sei eine korrekte Versicherungssumme entscheidend, um Gebäude, Maschinen oder Vorräte im Schadenfall zum Neuwert ersetzen zu können. In der Haftpflichtversicherung komme hinzu, dass Unternehmen gesetzlich unbegrenzt haften und einzelne Schadensfälle existenzbedrohende Ausmaße annehmen können.
Dynamische Risiken erfordern laufende Anpassung
In der Praxis sieht Fuss die größten Herausforderungen in der Dynamik betrieblicher Veränderungen und der häufig statischen Betrachtung von Versicherungssummen. Investitionen, Modernisierungen oder Preissteigerungen würden oft nicht zeitnah berücksichtigt, was das Risiko einer Unterversicherung deutlich erhöhe. „Die größte Herausforderung liegt darin, Versicherungssummen nicht statisch, sondern als laufenden Bewertungsprozess zu verstehen. Nur durch regelmäßige Überprüfung, realistische Annahmen und klare Kommunikation zwischen Unternehmen und Beratern lässt sich eine praxisgerechte und sichere Versicherungssummenbewertung erreichen“, führt Fuss aus.
Kurzfristige Prämienoptimierung könne dabei zwar wirtschaftlich nachvollziehbar sein, berge aber das Risiko, den tatsächlichen Absicherungsbedarf aus dem Blick zu verlieren – mit entsprechenden Folgen im Schadenfall.
Nachvollziehbarkeit ohne Überforderung der Kunden
Für Vermittler besteht laut Fuss die Aufgabe darin, komplexe Bewertungsprozesse strukturiert und verständlich aufzubereiten. Entscheidend sei nicht, jede rechnerische Detailtiefe zu vermitteln, sondern die Zusammenhänge zwischen Risiko, Versicherungssumme und möglicher Unterversicherung klar zu machen. „Aus meiner Sicht ist es besonders wichtig, den Klienten nicht jede rechnerische Einzelheit zu erklären, sondern den Zusammenhang zwischen Versicherungssumme und Risiko verständlich zu machen. Die Ergebnisse sollten übersichtlich dokumentiert und gemeinsam mit dem Kunden abgestimmt werden. Klientenentscheidungen – insbesondere bei Abweichungen von Empfehlungen – müssen klar festgehalten werden, um Transparenz sicherzustellen und Haftungsrisiken zu vermeiden“, erläutert Fuss.
Eine saubere Dokumentation sei dabei nicht nur im Interesse des Kunden, sondern auch ein zentraler Schutzfaktor für den Vermittler selbst.
Mitversicherung und Rückversicherung als Stabilitätsfaktoren
Bei größeren oder kumulierten Risiken spielen laut Fuss Mitversicherungskonzepte und Rückversicherung eine tragende Rolle für die langfristige Versicherbarkeit. Sie ermöglichen die Streuung hoher Risiken und sichern die Stabilität des Marktes, etwa bei Cyberrisiken oder Naturkatastrophen. „Mitversicherungskonzepte und klassische Rückversicherungen sind ein tragender Pfeiler der Versicherbarkeit moderner Unternehmensrisiken. Sie sorgen für Risikostreuung, Stabilität und ermöglichen langfristig hohe Versicherungs- und Deckungssummen“, so Fuss.
Voraussetzung bleibe jedoch, dass Unternehmen selbst in risikomindernde Maßnahmen investieren und Versicherungsschutz nicht als Ersatz für Prävention verstehen.
Haftungsrelevanz für Vermittler: Fachgerecht, dokumentierte Bewertung der Versicherungssummen
Die Summenbewertung hat laut Fuss auch eine erhebliche haftungsrechtliche Dimension für Versicherungsmakler. Fehlerhafte oder unzureichend dokumentierte Bewertungen können im Schadenfall zu Regressforderungen und Vertrauensverlust führen „Wenn Summen falsch bewertet werden, kann der Klient im Schadensfall nicht vollständig entschädigt werden. In diesem Fall kann der Versicherungsmakler für den finanziellen Schaden haftbar gemacht werden. Die fachgerechte und dokumentierte Bewertung der Versicherungssummen schützt daher nicht nur vor Haftungsrisiken, sondern stärkt auch das Vertrauensverhältnis zwischen Makler und Klient“, betont Fuss.
Oliver Fuss beim AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026

Oliver Fuss, Leiter der Niederlassung Oberösterreich bei der Aktuell Raiffeisen Versicherungs-Maklerdienst Gesellschaft m.b.H
Oliver Fuss, Leiter der Niederlassung Oberösterreich bei der Aktuell Raiffeisen Versicherungs-Maklerdienst Gesellschaft m.b.H., spricht beim AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026 am 3. März in der Pyramide Wien/Vösendorf zum Thema „Summen richtig bewerten – Sicherheit für Unternehmen und Makler“. Der Vortrag zeigt praxisnah, wie Versicherungssummen in der Sachversicherung und Deckungssummen in der Haftpflicht realistisch ermittelt werden, welche Rolle Mitversicherung und Rückversicherung spielen und wann alternative Formen des Risikotransfers – etwa Captive-Modelle – in besonderen Situationen relevant werden können. Zudem werden die zentralen Haftpflichtformen im Gewerbegeschäft eingeordnet und ihre Bedeutung für eine nachhaltige Absicherung dargestellt.
AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026

Wirtschaftliche Unsicherheit, digitale Haftungsfallen und steigende Anforderungen an die Beratung verändern das Gewerbegeschäft grundlegend – wer hier bestehen will, braucht mehr als Standardlösungen. Am 3. März 2026 zeigt das AssCompact Gewerbeversicherungssymposium in der Pyramide Wien/Vösendorf, wie Versicherungsmakler mit diesen Entwicklungen professionell umgehen können – inklusive 5 unabhängiger IDD-Weiterbildungsstunden.
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