Laut Comgest reagieren Kapitalmärkte heute deutlich schneller auf Informationen als früher. Die durchschnittliche Haltedauer von Aktien ist von rund acht Jahren in den 1960er-Jahren auf weniger als sechs Monate gesunken. CIO Franz Weis sieht darin strukturelle Veränderungen für langfristige Investoren.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 19.02.2026
Comgest sieht eine deutliche Veränderung in der Funktionsweise der Kapitalmärkte. Informationen würden heute schneller verarbeitet und kurzfristige Impulse hätten mehr Einfluss auf Kursbewegungen als in früheren Marktphasen. Ein Indikator dafür ist die durchschnittliche Haltedauer von Aktien: Während diese in den 1960er-Jahren im Schnitt rund acht Jahre betrug, liegt sie heute bei weniger als sechs Monaten.
Von langfristigem Investieren zu kurzfristigem Reagieren
Nach Einschätzung von Comgest beeinflussen Nachrichten, Narrative und Marktstimmungen Investitionsentscheidungen zunehmend stärker. Neben institutionellen Investoren spielen auch Privatanleger eine wachsende Rolle, was kurzfristige Bewegungen zusätzlich verstärken kann. Phänomene wie Meme-Aktien gelten als Beispiel dafür, wie soziale Medien und kollektives Verhalten Kursentwicklungen beschleunigen können.
KI verstärkt Konzentration auf einzelne Segmente
Besonders sichtbar ist diese Dynamik laut Comgest beim Thema Künstliche Intelligenz. Die starke Aufmerksamkeit habe dazu geführt, dass sich Kapital verstärkt auf wenige Unternehmen und Marktsegmente konzentriert. Zusätzlich würden steigende Zuflüsse in passive Strategien diesen Effekt verstärken, da Indexmechaniken Kapital automatisch in hoch gewichtete Titel lenken.
Fundamentaldaten und Bewertungen entkoppeln sich zeitweise
In Phasen starker Marktaufmerksamkeit kann es nach Einschätzung von Comgest zu temporären Abweichungen zwischen operativer Unternehmensentwicklung und Aktienkursen kommen. Auch stabile Geschäftsmodelle und solide Bilanzen würden nicht immer verhindern, dass Bewertungen kurzfristig stärker von Marktstimmung als von Ertragskraft geprägt sind.
Franz Weis, CIO und Portfoliomanager bei Comgest:
Wir sind davon überzeugt, dass sich die Aktienkurse langfristig an der Entwicklung der Gewinne orientieren. Vor diesem Hintergrund setzen wir weiterhin auf Unternehmen mit klaren Wettbewerbsvorteilen, soliden Bilanzen und gut sichtbaren, langfristigen Wachstumstreibern. Entscheidend ist für uns eine fundierte, unternehmensspezifische Analyse und ein langfristiger Anlagehorizont – nicht die kurzfristige Marktstimmung.
Benchmark-Vergleiche neu bewerten
Comgest verweist außerdem darauf, dass Benchmark- und Stilzuordnungen wie Growth oder Quality nur Teilaspekte abbilden und in ausgeprägten Marktphasen nicht immer eine ausreichende Vergleichsbasis liefern. Für Investoren sei daher eine differenzierte Betrachtung notwendig.
Foto oben: Franz Weis, CIO und Portfoliomanager bei Comgest
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