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Gewerbesymposium 2026: Digitalisierung verändert Risiken, nicht die Haftung

(Bild: © fitria - stock.adobe.com)

Gewerbesymposium 2026: Digitalisierung verändert Risiken, nicht die Haftung

21. Januar 2026

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6 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt

Automatisierung, KI und Cloud-Anwendungen verändern das Risikoprofil vieler Gewerbebetriebe spürbar. Mag. Kerstin Keltner, Managing Director / Head Specialty Austria bei Aon Austria, und Referentin beim AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026, spricht im Interview über Haftungsfragen im Zusammenhang mit Digitalisierung und KI, über reale Schadenszenarien aus Cybercrime und automatisierten Entscheidungen sowie über Grenzen bestehender Versicherungslösungen im Gewerbegeschäft.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 21.01.2026

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Die zunehmende Digitalisierung verändert Prozesse, Geschäftsmodelle und Abhängigkeiten in vielen Gewerbebetrieben. Automatisierte Abläufe, KI-Anwendungen und Cloud-Dienste bringen Effizienzgewinne, führen aber auch zu neuen Schadenbildern und komplexeren Risikozusammenhängen. Vor allem für die Absicherung im Gewerbegeschäft stellt sich damit die Frage, wie bestehende Haftungs- und Versicherungskonzepte mit diesen Entwicklungen Schritt halten.

Laut Keltner verändert der Einsatz digitaler Technologien nicht die haftungsrechtlichen Grundsätze. Für Unternehmen verschiebe sich jedoch das Risikoumfeld deutlich: „Die Automation bzw. Digitalisierung schaffen kaum neue Haftungsfragen, sie erzeugen jedoch neue bzw. geänderte Risikosituationen. Dem Gericht und dem Endkunden ist es egal, ob Sie ihre mangelhaften Produkte mit der Hand oder digital produziert haben – als Hersteller haften Sie so oder so dafür. Für Sie als Unternehmer entsteht durch die Digitalisierung jedoch eine neue Risikosituation, und Sie müssen Ihre Produktionsstrecke anders absichern.“

Neue Ursachen für Betriebsunterbrechungen

Produktions- und Dienstleistungsprozesse seien laut Keltner heute deutlich anfälliger für digitale Störungen. Klassische Schadenbilder werden dadurch erweitert. „Ihre Produktionsstrecke kann nun nicht mehr nur wegen eines Brandes oder Hochwassers zum Stillstand geraten, sondern auch wegen einer Cyberattacke oder eines technischen Problems. Sofern Sie alle Risiken verlagern möchten, benötigen Sie ein abgestimmtes Versicherungskonzept, das alle Bereiche umfasst“, führt Keltner aus.

Bewertung von Kaskadenschäden

Der Blick der Versicherungswirtschaft auf verkettete Schadenereignisse habe sich laut Keltner verändert. Solche Szenarien gelten heute als besser kalkulierbar: „Aus unseren Gesprächen mit den Versicherern und Rückversicherern gewinnen wir den Eindruck, dass sie diese Risiken aktuell gut einschätzen können. Die Gefahr derartiger Szenarien wird nicht mehr so stark bewertet wie früher. Aus diesem Grund bietet der Markt aktuell umfassenden Versicherungsschutz für Betriebsunterbrechungen bei externen Dienstleistern, inklusive Cloud-Anbietern und Rück- sowie Wechselwirkungsschäden.“

Reale Schadensfälle durch KI

Aus Sicht von Keltner sind Schäden durch KI längst keine theoretische Diskussion mehr. „Insbesondere im Bereich Cybercrime ist KI längst kein hypothetisches Problem mehr, sondern wird aktiv genutzt. Erst kürzlich berichteten die Medien über ein Unternehmen, das KI zur Datenarchivierung verwendet hat. Die KI entschied jedoch, die Daten zu verschlüsseln, anstatt sie zu archivieren“, schildert Keltner.

Grenzen einzelner Versicherungslösungen

Auch der Umfang des Versicherungsschutzes hänge stark vom jeweiligen Einsatz der KI ab. Keltner hält eine pauschale Absicherung für nicht zielführend: „Da KI so vielfältig genutzt wird, reicht ein einzelnes Versicherungsprodukt nicht aus, um alle Risiken abzudecken. Grundsätzlich bieten Betriebs- und Vermögensschadenhaftpflichtversicherungen Schutz für den Einsatz von KI im Rahmen der versicherten Betriebs- bzw. Berufstätigkeit. Entwickelt ein Unternehmen jedoch eigene KI, sollte es spezielle, neuartige Produkte einkaufen.“

Hoher Beratungsbedarf in der Praxis

Nach Ansicht von Keltner liegt die eigentliche Herausforderung weniger in der Technik als in der Beratung. Gerade hier sieht sie Vermittler besonders gefordert: „KI kann so viele unterschiedliche Risiken auslösen, die nicht durch ein einziges Produkt abgedeckt werden können. Diese Thematik klar und verständlich zu kommunizieren, ist überaus schwierig. Im Bereich KI ist der Beratungsbedarf besonders hoch; Makler sollten das Thema nicht ‚nebenbei‘ behandeln.“

Organisation und Regulierung

Keltner macht zudem auf organisatorische und regulatorische Schwachstellen aufmerksam. Diese werden ihrer Einschätzung nach häufig unterschätzt: „Den größten Nachholbedarf bei Unternehmen sehe ich im OT-Bereich. Die aktuellen Maßnahmen durch den europäischen Gesetzgeber wie NIS 2 und DORA stellen viele Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Unternehmen mit Niederlassungen in anderen EU-Staaten müssen diese nationalen Regelungen bereits einhalten.“

Mag. Kerstin Keltner beim AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026

Gewerbesymposium 2026: Digitalisierung verändert Risiken, nicht die Haftung

Mag. Kerstin Keltner, Managing Director / Head Specialty Austria bei Aon Austria

Mag. Kerstin Keltner ist Vortragende beim AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026 am 3. März 2026 in der Pyramide Wien/Vösendorf. In ihrem Vortrag „Digitalisierung erhöht die Schlagzahl an Schäden: Ransomware, Datenmanipulation, falsche automatisierte Entscheidungen, Ausfälle bei Dienstleistern und Cloud-/KI-Anbietern – und daraus resultierende Vermögensschäden, Haftungsansprüche und Reputationsfolgen“ verbindet sie Cyberkriminalität mit klassischen Gewerberisiken. Sie zeigt anhand typischer Szenarien, wo die Abgrenzung zwischen Sach- und Betriebsunterbrechungsschäden, Haftpflicht und Cyberversicherung verläuft. Zudem vermittelt sie konkrete Takeaways für ungebundene Vermittler – von der Risikoerhebung über die Kombination geeigneter Deckungsbausteine bis hin zu typischen Missverständnissen in der Beratung.

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AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2026

Gewerbesymposium 2026: Digitalisierung verändert Risiken, nicht die Haftung

Wirtschaftliche Unsicherheit, digitale Haftungsfallen und steigende Anforderungen an die Beratung verändern das Gewerbegeschäft grundlegend – wer hier bestehen will, braucht mehr als Standardlösungen. Am 3. März 2026 zeigt das AssCompact Gewerbeversicherungssymposium in der Pyramide Wien/Vösendorf, wie Versicherungsmakler mit diesen Entwicklungen professionell umgehen können – inklusive 5 unabhängiger IDD-Weiterbildungsstunden.

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