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Gesundheitssystem, KI und Vorsorge: Worauf die Merkur künftig setzt

Gesundheitssystem, KI und Vorsorge: Worauf die Merkur künftig setzt

28. Juli 2026

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6 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt

Die private Krankenversicherung gewinnt weiter an Bedeutung. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, steigende Gesundheitskosten und der demografische Wandel die Rahmenbedingungen für Versicherer und Vermittler. Die Diskussion über die Zukunft der privaten Gesundheitsvorsorge, die wir vergangene Woche mit einer Interviewrunde gestartet haben, setzt AssCompact mit einem Interview mit Merkur-Vorstandsdirektor Christian Kladiva fort.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 28.07.2026

Im Gespräch mit AssCompact spricht Kladiva über aktuelle Entwicklungen im Gesundheitssystem, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, die Zukunft des Maklermarktes und die Rolle der privaten Vorsorge.

Die Merkur Versicherung blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 zurück. Neben dem Ausbau ihrer digitalen Services prägten vor allem die Krankenversicherung, Prävention und die langfristige strategische Ausrichtung das Jahr. Vorstandsdirektor Christian Kladiva erläutert, welche Entwicklungen die Branche derzeit besonders beschäftigen.

Gesundheitssystem unter Druck

Nach Einschätzung Kladivas verändert sich das österreichische Gesundheitssystem spürbar. Für viele Menschen werde ein rascher Zugang zu medizinischen Leistungen zunehmend wichtiger: „Viele Menschen nehmen wahr, dass es schwieriger wird, rasch einen Arzttermin zu bekommen. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach schneller medizinischer Versorgung und Planbarkeit. Besonders deutlich zeigt sich das bei den Wahlärzten.“

Er sieht deshalb Reformbedarf: „Das Sozialversicherungssystem gehört dringend strukturell und inhaltlich reformiert und auf die aktuellen Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet. Politik, Sozialversicherung und Expertenschaft aus der Wirtschaft gehören dringend an einen Tisch. Kosmetische Reformen und das Einzementieren von alten Pfründen halte ich für nicht zielführend.“

Für viele Menschen werde die private Krankenversicherung dadurch zunehmend zu einer Möglichkeit, schneller medizinische Leistungen in Anspruch nehmen zu können. Auch die Entwicklung der Gesundheitskosten werde aufmerksam verfolgt.

Prävention als Teil der Gesundheitsvorsorge

Nach eigenen Angaben beschäftigt sich die Merkur seit Jahrzehnten intensiv mit Prävention und Gesundheitsförderung. Ziel sei es, Menschen möglichst früh zu begleiten und nicht erst im Krankheitsfall zu unterstützen. „Wir beschäftigen uns bereits seit mehr als 35 Jahren mit diesem Thema. Mit unserem Vorsorgeprogramm Ego4You haben wir schon früh begonnen, Gesundheit nicht nur im Krankheitsfall zu begleiten, sondern aktiv präventive Angebote zu schaffen. Unser Ziel ist es, Kundinnen und Kunden möglichst früh zu unterstützen und ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um ihre Gesundheit langfristig zu erhalten“, so Kladiva.

Dabei setzt das Unternehmen unter anderem auf eigene Gesundheitsservices und Programme für die betriebliche Gesundheitsförderung. „Die Rückmeldungen darauf sind ausgesprochen positiv. Viele Menschen schätzen es, dass sie nicht erst dann Unterstützung erhalten, wenn bereits ein gesundheitliches Problem besteht, sondern auch präventiv begleitet werden. Wir wollen nicht nur medizinische Leistungen bezahlen, sondern unseren Kundinnen und Kunden dabei helfen, möglichst lange gesund zu bleiben“, informiert Kladiva.

KI als Unterstützung, nicht als Ersatz

Künstliche Intelligenz soll bei der Merkur vor allem standardisierte Prozesse unterstützen und die Effizienz steigern. Einsatzmöglichkeiten sieht Kladiva insbesondere in der Leistungsbearbeitung und der Betrugserkennung: „Ein wichtiger Bereich ist dabei die Betrugserkennung. KI-Modelle können helfen, Auffälligkeiten und Muster frühzeitig zu erkennen und damit unsere Mitarbeitenden in ihrer Arbeit zu unterstützen. Besonders wichtig ist uns dabei der verantwortungsvolle Umgang mit Gesundheitsdaten. Datenschutz und Datensicherheit haben für uns höchste Priorität.“

Den persönlichen Kontakt möchte das Unternehmen hingegen bewusst beibehalten. „Was wir allerdings ganz bewusst nicht machen werden, ist der Einsatz von Chatbots als Ersatz für persönliche Ansprechpartner. Wenn Maklerinnen, Makler oder Kundinnen und Kunden bei uns anrufen, sollen sie weiterhin mit Menschen sprechen können. Technologie soll unterstützen, aber nicht die persönliche Beziehung ersetzen“, erklärt Kladiva.

Nachfolge frühzeitig planen

Mit Blick auf den Maklermarkt beurteilt Kladiva die zunehmende Konsolidierung differenziert. Neben Unternehmensverkäufen müsse aus seiner Sicht vor allem die Nachfolgeplanung stärker in den Fokus rücken: „Ich sehe diese Entwicklung differenziert. Natürlich ist es die Entscheidung jedes Unternehmers, welchen Weg er für sein Unternehmen wählt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Konsolidierung langfristig auf Kundinnen und Kunden sowie den Markt hat.“

Für Maklerbetriebe, die keinen Verkauf anstreben, sei eine frühzeitige Nachfolgeplanung entscheidend: „Unternehmer sollten nicht bis zum letzten Moment warten und versuchen, alles selbst bis zum Schluss zu steuern. Junge Menschen müssen die Möglichkeit bekommen, sich einzubringen und eigene Ideen umzusetzen. Erfolgreiche Übergänge brauchen Zeit, Vorbereitung und die Bereitschaft, Verantwortung Schritt für Schritt weiterzugeben.“

Lebensversicherung bleibt wichtiger Baustein

Angesichts der demografischen Entwicklung misst Kladiva der privaten Vorsorge und der Lebensversicherung weiterhin große Bedeutung bei: „Ich halte die Lebensversicherung für eines der wichtigsten Produkte überhaupt. Wenn wir uns die demografische Entwicklung ansehen, wird die private Vorsorge künftig noch viel stärker an Bedeutung gewinnen. Wie soll das Pensionssystem finanziert werden, wenn bis 2045 die Zahl der Erwerbsfähigen zurückgeht und die Zahl der Menschen über 65 um ein Drittel steigt?“

Für Kladiva spricht diese Entwicklung für einen stärkeren Fokus auf die private Vorsorge: „Wer früh beginnt und über viele Jahre hinweg vorsorgt, kann die Möglichkeiten des Kapitalmarkts nutzen. Deshalb bin ich überzeugt, dass die Lebensversicherung auch künftig ein absolut wichtiger Bestandteil der privaten Vorsorge bleibt.“

Das gesamte Interview lesen Sie in der AssCompact Juli-Ausgabe!

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