Bis 2030 benötigen 45% der österreichischen mittelständischen Unternehmen eine Nachfolgelösung. Gleichzeitig gewinnen familienexterne Übergaben an Bedeutung, während die klassische Familiennachfolge weiter zurückgeht. Das zeigt eine aktuelle Studie von Creditreform Österreich und CH Consult.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 28.07.2026
Auf Österreichs Mittelstand kommt in den kommenden Jahren eine umfassende Nachfolgewelle zu. Laut einer Studie von Creditreform Österreich und CH Consult benötigen bis 2030 rund 45% der mittelständischen Unternehmen eine Nachfolgeregelung. Besonders betroffen sind Oberösterreich und Salzburg, wo bereits heute mehr als die Hälfte der Betriebe vor einer Unternehmensübergabe steht.
Der Nachfolgebedarf betrifft Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen und entwickelt sich nach Einschätzung von Creditreform zunehmend zu einer wirtschaftspolitischen Herausforderung.
Gerhard M. Weinhofer, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform Österreich:
"Die erfolgreiche Unternehmensnachfolge entscheidet nicht nur über die Zukunft einzelner Betriebe. Sie sichert Arbeitsplätze, erhält Know-how und stärkt regionale Wirtschaftsstrukturen. Jede gescheiterte Nachfolge bedeutet den Verlust von Wertschöpfung und unternehmerischer Substanz."
Familienexterne Übergaben gewinnen an Bedeutung
Die Studie zeigt, dass bereits 40% der Unternehmen eine familienexterne Nachfolge planen – etwa durch den Verkauf an Investoren oder eine Übernahme durch das Management beziehungsweise Mitarbeitende. Die familieninterne Übergabe verliert hingegen weiter an Bedeutung. Wo sie erfolgt, geschieht sie laut Studie in 80% der Fälle ohne finanzielle Gegenleistung innerhalb der Familie.
Christian Hurek, Partner von CH Consult, erklärt:
"Die Unternehmensnachfolge zählt zu den komplexesten Phasen im Lebenszyklus eines Unternehmens. Wer frühzeitig plant - auch mit Unterstützung durch externe Expertise -, schafft die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Generationenwechsel."
Wachsender Markt für Unternehmensübernahmen
Gleichzeitig steigt das Interesse an Unternehmensübernahmen. 34% der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer können sich vorstellen, im Rahmen einer Nachfolge selbst einen Betrieb zu übernehmen. Nach Einschätzung von Creditreform dürfte der Markt für Unternehmensübernahmen dadurch in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
Die Studienergebnisse decken sich laut Creditreform mit Prognosen der KMU Forschung Austria und der Wirtschaftskammer Österreich. Demnach werden bis 2029 rund 51.000 Arbeitgeberbetriebe eine Nachfolgelösung benötigen. Davon hängen rund 692.000 Arbeitsplätze ab.
Aus Sicht von Creditreform ist eine frühzeitige Vorbereitung entscheidend. Dazu zählen unter anderem die Unternehmensbewertung, Finanzierungsfragen sowie rechtliche und steuerliche Aspekte.
Gerhard Weinhofer:
"Viele Unternehmer unterschätzen den zeitlichen Vorlauf einer erfolgreichen Nachfolge. Wer erst kurz vor dem Ausstieg mit der Planung beginnt, schränkt seine Handlungsmöglichkeiten deutlich ein. Eine professionelle Vorbereitung und Begleitung des Nachfolgeprozesses erhöht die Erfolgschancen erheblich."
Foto oben: Gerhard M. Weinhofer, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform Österreich
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