DWS: Internationale Steuerregeln – ob sinnvolles Gegensteuern gelingt?

DWS: Internationale Steuerregeln – ob sinnvolles Gegensteuern gelingt?

15. Juni 2021

|

3 Min. Lesezeit

|

News-Management & Wissen

Pläne zur Überarbeitung der internationalen Körperschaftssteuerregeln sind das jüngste Zeichen dafür, dass das politische Pendel zugunsten der Arbeitnehmer ausschwingt. Was Anleger von den Plänen der G7-Industrieländer zu neuen Regeln für internationale Körperschaftsteuern halten sollten, beantwortet die DWS-Gruppe im folgenden Beitrag.

Andreas Richter

Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 6/15/2021

Volkswirte preisen häufig den Wettbewerb, und traditionell bildete der Steuerwettbewerb dabei keine Ausnahme. Wenn die Bürger ihren Wohnsitz frei bestimmen können, wählen sie die Kombination aus Steuern und öffentlichen Dienstleistungen, die ihnen am besten gefällt. Darüber hinaus kann Steuerwettbewerb helfen, die Effizienz zu fördern und die Gesamtausgaben des Staates in Schach halten.

Was also sollten Anleger von den Plänen der G7-Industrieländer zu neuen Regeln für internationale Körperschaftsteuern halten?

Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne auf Indexebene dürften gering sein, auch weil zunächst nur die größten und profitabelsten Unternehmen der Welt ins Visier genommen werden. Bei näherer Betrachtung sehen die Vorschläge trotzdem bedeutsam aus. Die G7 plant einen Mindeststeuersatz von 15%. Außerdem soll zumindest ein Teil der Gewinne künftig in den Ländern besteuert werden, in denen multinationale Konzerne ihre Umsätze erzielen.

Laut DWS driften die US-Unternehmensgewinne nach Steuern seit den 1980er Jahren im Vergleich zur Arbeitnehmervergütung nach oben. Fast genauso lange wurde unter Ökonomen viel darüber diskutiert, wie viel davon strukturell und nicht zyklisch war. Ähnliche Debatten werden wahrscheinlich in Kürze wieder laut werden. Wenn US-Unternehmen zunehmend händeringend nach neuen Mitarbeitern suchen, könnten die Gewinnmargen unter Druck geraten.

Auch abgesehen von konjunkturellen Schwankungen ist die Steuerdebatte ein weiteres Anzeichen dafür, dass das politische Pendel auf eine Weise ausschwingt, wie es seit langem vorhergesagt wurde. Nach Meinung langjähriger Kritiker wie Gabriel Zucman ist das Problem nicht nur der Steuerwettbewerb an sich, sondern die Art des Steuerwettbewerbs. Die Digitalisierung machte es einfacher, immaterielle Werte (wie Patente, Logos oder Algorithmen) an ausländische Tochtergesellschaften in Niedrigsteuerländer zu verlagern – obwohl die meisten Mitarbeiter, Maschinen oder Forschungsabteilungen in höher besteuerten Ländern verblieben. Im Idealfall würden die neuen Vorschriften eine solche Steuervermeidung erschweren und kleinen Ländern dennoch genügend Spielraum lassen, ausländische Direktinvestitionen durch wettbewerbsfähige Steuervorschriften anzuziehen. Längerfristig dürfte es für Regierungen jedenfalls leichter werden, auch hochmobiles Kapital und wohlhabende Personen stärker zu besteuern als zuletzt üblich.

Quellen: Board of Governors of the Federal Reserve System: Z.1 Financial Accounts of the United States, DWS Investment GmbH; Stand: 11.03.2021

Bild: ©Marco2811 – stock.adobe.com

sharing is caring

Das könnte Sie auch interessieren

OGH definiert Auslegung für Downhill-Mountainbiken

OGH definiert Auslegung für Downhill-Mountainbiken

15.06.21

|

3 Min.

ÖBV: Offizieller Start der digitalen Antragsstrecke / E-Antrag

ÖBV: Offizieller Start der digitalen Antragsstrecke / E-Antr...

15.06.21

|

2 Min.

AssCompact Live-TV: Voraussetzungen und Leistungen in der Sozialversicherung

AssCompact Live-TV: Voraussetzungen und Leistungen in der So...

15.06.21

|

3 Min.

Allianz: Jeder fünfte Verkehrsunfalltote in Österreich ist ein Motorradfahrer

Allianz: Jeder fünfte Verkehrsunfalltote in Österreich ist e...

14.06.21

|

3 Min.

Atradius: Identitätsbetrug wird immer mehr zum Liquiditätsrisiko für Exporteure

Atradius: Identitätsbetrug wird immer mehr zum Liquiditätsri...

14.06.21

|

5 Min.

Österreichische Versicherungswirtschaft zum 1. Quartal 2021: Stabiles Prämienvolumen

Österreichische Versicherungswirtschaft zum 1. Quartal 2021:...

14.06.21

|

2 Min.

Schnellere Schadenbearbeitung ist nicht einklagbar, aber …

Schnellere Schadenbearbeitung ist nicht einklagbar, aber …

14.06.21

|

4 Min.

AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2021: Der Fotorückblick

AssCompact Gewerbeversicherungssymposium 2021: Der Fotorückb...

14.06.21

|

6 Min.

DONAU Versicherung übernimmt Baumpatenschaft für die Kiefer

DONAU Versicherung übernimmt Baumpatenschaft für die Kiefer

11.06.21

|

1 Min.

Continentale: Berufsunfähigkeits-Vorsorge neu bewertet

Continentale: Berufsunfähigkeits-Vorsorge neu bewertet

11.06.21

|

1 Min.

Österreichischen Pensionskassen 1. Quartal 2021: Verwaltetes Vermögen leicht gestiegen

Österreichischen Pensionskassen 1. Quartal 2021: Verwaltetes...

11.06.21

|

2 Min.

Schaden-Manager: Digitale- & Vollautomatisierte Schadenabwicklung / Partnernews

Schaden-Manager: Digitale- & Vollautomatisierte Schadenabwic...

11.06.21

|

4 Min.


Ihnen gefällt dieser Beitrag?

Dann hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

(Klicken um Kommentar zu verfassen)