Wie gut sind die Österreicher auf ihre finanzielle Situation im Ruhestand vorbereitet? Die UNIQA Finanzvorsorge-Studie 2026 zeigt, dass das Interesse an der Altersvorsorge groß ist, viele ihre voraussichtliche Pensionshöhe jedoch nicht kennen. Hinzu kommen steigende finanzielle Belastungen und Wissenslücken. Bei Vorsorgeentscheidungen bleibt die persönliche Beratung trotz künstlicher Intelligenz von großer Bedeutung.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 15.10.2026
Besonders deutlich werden die Wissenslücken bei der Einschätzung der eigenen Pensionsansprüche. Nur 17% der Befragten, die noch nicht in Pension sind, haben ihre voraussichtliche staatliche Pension bereits selbst berechnet oder berechnen lassen. Lediglich 11% können die durchschnittliche Nettoersatzrate, also das Verhältnis zwischen letztem Nettoeinkommen und staatlicher Pension, korrekt oder gut einschätzen.
Für die UNIQA Finanzvorsorge-Studie 2026 wurden 3.029 Personen im Alter zwischen 16 und 60 Jahren befragt. Während sich 70% für Möglichkeiten der Pensionsvorsorge und 68% für die Höhe und Konditionen ihrer späteren Pension interessieren, bleibt die konkrete Auseinandersetzung mit den eigenen Pensionsansprüchen deutlich dahinter zurück.
René Knapp, Vorstand für Personenversicherung bei der UNIQA Insurance Group, sieht vor allem bei der Umsetzung Handlungsbedarf:
"Den Menschen ist bewusst, dass Altersvorsorge wichtig ist. Zugleich erkennen wir in unserer diesjährigen Finanzvorsorge-Studie große Wissens- und Umsetzungslücken. Die eigentliche Herausforderung liegt heute weniger im fehlenden Problembewusstsein als im Schritt von der Sorge zur konkreten Planung und Umsetzung."
Finanzielle Belastung erschwert die Vorsorge
Nur 34% der Befragten haben bereits konkrete Maßnahmen für ihre finanzielle Absicherung im Alter getroffen. Dieser Anteil ist gegenüber dem Vorjahr gesunken.
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung eine angespannte finanzielle Situation vieler Haushalte. Weniger als die Hälfte der Befragten (45%) könnte bei einem Verlust der Haupteinnahmequelle die Lebenshaltungskosten für mindestens drei Monate decken, ohne sich Geld zu leihen oder umzuziehen. Bei Männern liegt dieser Anteil bei 48%, bei Frauen bei 42%.
Auch die subjektive Belastung durch finanzielle Sorgen hat zugenommen. Von jenen Personen, die sich häufig Gedanken über ihre finanzielle Situation machen, empfinden 53% diese als persönliche Belastung im Alltag. Im Vorjahr waren es 48%. Bei Frauen dieser Gruppe liegt der Anteil bei 57%, bei Männern bei 49%.
Finanzwissen wird geringer eingeschätzt
Auch die Einschätzung der eigenen Finanzkompetenz hat sich verschlechtert. Nur noch 26% beurteilen ihr Finanz- beziehungsweise Veranlagungswissen als sehr oder eher hoch. 2025 waren es noch 31%.
Deutliche Unterschiede bestehen zwischen Männern und Frauen: Während 34% der Männer ihr Finanzwissen als hoch einschätzen, sind es bei Frauen lediglich 18%.
Die Studie zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen der Selbsteinschätzung des Finanzwissens und finanziellen Rücklagen. Von den Befragten mit einer hohen Einschätzung ihrer Finanzkompetenz könnten 65% eine unerwartete Zahlung in Höhe ihres monatlichen Einkommens ohne Kredit oder familiäre Unterstützung begleichen. Unter Personen mit einer niedrigen Selbsteinschätzung sind es 40%.
Auch bei Lebensversicherungen bestehen Wissenslücken. Nur 13% geben an, die steuerlichen Vorteile langfristig genutzter Lebensversicherungen zu kennen und sich damit auszukennen. 43% haben nach eigenen Angaben keine Kenntnis davon. Bei Frauen beträgt dieser Anteil 51%, bei Männern 35%.
Pensionsunterschiede zwischen Männern und Frauen werden unterschätzt
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung betrifft den Gender Pension Gap. Die tatsächliche Pensionsdifferenz zwischen Männern und Frauen liegt laut den angeführten Daten bei rund 35 bis 40%. Dieser Unterschied wird von 47% der Männer und 40% der Frauen deutlich unterschätzt.
Bettina Fuhrmann, Leiterin des Kompetenzzentrums für Finanzbildung und des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität Wien, verweist auf die langfristigen Auswirkungen unterschiedlicher Erwerbsverläufe:
"Auch unsere Forschungsarbeiten zeigen, dass viele Frauen die Auswirkungen von Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitbeschäftigung auf die Höhe ihrer zukünftigen Pension deutlich unterschätzen. Klare Information und konkrete Rechenbeispiele unterstützen sie darin, diese Effekte realistisch einzuschätzen und bei ihrer Lebensplanung zu berücksichtigen."
Die Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein für die Bedeutung der Altersvorsorge und der tatsächlichen Umsetzung wird in der Forschung als Attitude-Behavior-Gap bezeichnet. Trotz grundsätzlicher Vorsorgebereitschaft werden konkrete Entscheidungen häufig aufgeschoben.
Persönliche Beratung bleibt trotz KI gefragt
Für Versicherungsvermittler besonders interessant sind die Ergebnisse zur Bedeutung professioneller Beratung. Obwohl künstliche Intelligenz auch bei Finanzfragen zunehmend eingesetzt wird, bevorzugen viele Befragte bei wichtigen Vorsorgeentscheidungen weiterhin persönliche Ansprechpartner.
60% der Befragten halten professionelle Beratung bei Entscheidungen zur finanziellen Vorsorge grundsätzlich für sehr oder eher wichtig. 45% wären bereit, dafür zu bezahlen.
Martina Zöchner, Senior Research Consultant bei Reppublika Research & Analytics, erläutert:
"70% würden sich bei Entscheidungen zu Produkten für Altersvorsorge und Absicherung trotz KI-Nutzung zusätzlich persönlich beraten lassen, 38% sogar auf jeden Fall. Bei unterschiedlichen Empfehlungen bei Finanz- oder Versicherungsprodukten würden nur neun Prozent eher der KI folgen, aber 44% eher einer persönlichen Beratung."
Die Ergebnisse verdeutlichen damit die Bedeutung individueller Beratung bei der Pensionsvorsorge. Insbesondere die Einschätzung der persönlichen Pensionslücke, die Berücksichtigung unterschiedlicher Erwerbsverläufe und die finanzielle Leistbarkeit von Vorsorgemaßnahmen bleiben zentrale Themen im Beratungsgespräch.
Zur Studie
Die UNIQA Finanzvorsorge-Studie 2026 wurde von Reppublika Research & Analytics durchgeführt. Grundlage ist eine Online-Befragung (CAWI) von 3.029 Personen zwischen 16 und 60 Jahren in Österreich. Die Erhebung fand von Ende Mai bis Anfang Juli 2026 statt. Die Stichprobe ist nach Geschlecht, Alter, Bundesland und Bildungsniveau repräsentativ für die österreichische Bevölkerung dieser Altersgruppe.
Foto oben v.l.n.r.: René Knapp (Vorstand für Personenversicherung bei der UNIQA Insurance Group), Martina Zöchner (Senior Research Consultant beim Marktforscher Reppublika Research & Analytics) und Bettina Fuhrmann (Leiterin des Kompetenzzentrums für Finanzbildung und des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien)
zurück zur Übersicht
Beitrag speichern
sharing is caring
Das könnte Sie auch interessieren












