Standesvertretungen: „Vermittler sind trotz Pandemie gut unterwegs“

Standesvertretungen: „Vermittler sind trotz Pandemie gut unterwegs“

07. Dezember 2021

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6 Min. Lesezeit

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News-Management & Wissen

Auszug aus dem Interview mit KR Christoph Berghammer, MAS (Fachverbandsobmann der Versicherungsmakler), KR Mag. Hannes Dolzer (Fachverbandsobmann der Finanzdienstleister) und KR Horst Grandits (Obmann des Bundesgremiums der Versicherungsagenten) zum Thema „Rückblick auf das Jahr 2021“

Mag. Peter Kalab

Redakteur/in: Mag. Peter Kalab - Veröffentlicht am 12/7/2021

Gerade in schwierigen Zeiten ist meist die Standesvertretung besonders gefordert. Wie und wobei konnten Sie Ihre Mitglieder unterstützen?

Christoph Berghammer: Wir haben versucht, unsere Mitglieder permanent über die neuesten Entwicklungen zu informieren. In Form von Newslettern und persönlichen Beratungsgesprächen sind wir jederzeit zur Verfügung gestanden. Unsere Mitglieder waren immer an neusten Stand und konnten rechtssicher ihrem Geschäft nachgehen! Wir haben natürlich auch dafür gesorgt, dass ausreichend digitale Weiterbildung zur Verfügung steht, damit kein Problem in der Erfüllung ihrer Verpflichtungen entsteht.

Hannes Dolzer: Auf alle Fälle – wie bei allen anderen Fachorganisationen auch – durch Informationen, welche Einschränkungen es wann wo gibt. Noch mehr aber durch die Informationen welche Unterstützungen es wo gibt. Wir haben auch dadurch unterstützt, dass wir erfolgreich interveniert haben, dass bei den Betrieben früher als geplant wieder Kundenkontakt erlaubt ist – vor allem bei den Pfandleihern war das dann sehr früh möglich. Wir haben uns auch – vor allem im Wertpapierbereich – erfolgreich für temporäre gesetzliche Erleichterung eingesetzt. Ich denke da an online Beratungen, welche stark zugenommen haben. Als Fachverband haben wir auch die Fachgruppen in den Bundesländern unterstützt, indem wir 2020 die Fachverbandsanteile pauschal um 20% reduziert haben. Dazu gab es unzählige Telefonate, in denen wir die Situation, die Maßnahmen, Herausforderungen und mögliche Lösungen mit Betrieben einzeln besprochen haben.

Horst Grandits: Wir unterstützten unsere Mitglieder als Drehscheibe durch ein breites Spektrum an Unterlagen, Beratungen und Informationen, on- und offline. Anlaufstelle Nummer Eins ist unsere Website für die fachliche Erstinformation. Informationen zu branchenspezifischen Corona- oder Fachfragen versenden wir per (Sonder-)Newsletter. Spezifische Einzelfragen werden per Mail oder telefonisch über die Landesgremien beantwortet. Wir beraten zu Förderungen und Unterstützungen: Durch die Investitionsprämie haben wir zum Beispiel die Möglichkeit eröffnet, dass auch Versicherungsagenten, die nicht höhergradig von der Pandemie betroffen waren, in den Genuss der Prämie kommen. Die Agenten können so etwa für digitale Infrastruktur, Soft- und Hardware eine Investitionsprämie beantragen. Befähigungsprüfung, Weiterbildungsangebote, Neugründerberatung, all unsere Angebote können die Agenten weiterhin in gewohnter Qualität in Anspruch nehmen.

Welche Ziele und Arbeitsschwerpunkte hat die Standesvertretung für das Jahr 2022?

Christoph Berghammer: Wir bereiten uns gerade auf die IDD Revision vor, welche, wenn auch in eingeschränktem Maß, im Jahr 2022 beginnen wird. Die Erhaltung des Vergütungssystems im Bereich der LV wird eine große Herausforderung.

Natürlich ist ein weiterer Schwerpunkt der Bereich der Digitalisierung. Schnittstellen und damit verbundene Dunkelverarbeitung bei den Versicherungsunternehmen sind längst überfällig. Wenn man bedenkt, dass in Großbritannien die Polizzierungszeit im Privatversicherungsbereich bei sieben bis neun Sekunden liegt, sieht man, dass noch eine Menge Arbeit vor uns liegt!

Hannes Dolzer: Grundsätzlich wie immer: Wir wollen bei allen neuen gesetzlichen Regelungen die Wahlfreiheit des Entgelts (d.h. kein Provisionsverbot), lebbare organisatorische Vorschriften und Rahmenbedingungen, die wirtschaftlich sinnvolles Arbeiten erlauben, wahren. Darüber hinaus wird der Bildungs-Kick-off nochmals optimiert. Es werden nun 27 Stunden, die in Einheiten über drei Stunden und über zwei Wochen verteilt sind, über Webinar und „on Demand“ bis 31.12 2022 angeboten. Somit sind alle Pflichtmodule in einem Jahr abgedeckt. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Änderung der Prüfungsordnung für Gewerbliche Vermögensberater sein. Die Prüfung wird an NQR Level 6 angepasst (wobei schon jetzt einige Teile der Prüfung diesem Level entsprechen) und es wird möglich sein, die Prüfung(en) in kleineren Teileinheiten zu absolvieren. Mir ist klar, dass es in der Vermögensberatung breite Themenfelder gibt, aber es sollte niemand dazu gezwungen sein, eine schriftliche Prüfung im Ausmaß von acht Stunden machen zu müssen. Wer das möchte, soll es weiterhin tun können. Wer das lieber in kleineren Teilen machen möchte, wird die Möglichkeit dazu bekommen.

Horst Grandits: Wichtigstes Ziel für das Jahr 2022 ist es, die Arbeiten für den Berufszugang NEU weitestgehend abzuschließen und die NQR-Einstufung zu erreichen. Dazu müssen die entsprechenden Prozesse neu organisiert werden. Im Bereich Interessensvertretung wird natürlich der Entwurf der neuen EU-Vertriebs-Richtlinie mit all ihren Vordiskussionen und der folgenden Umsetzung ins nationale Recht ein großes Thema sein. Das wird erfahrungsgemäß die nächsten Jahre in Anspruch nehmen. Ein weiterer Schwerpunkt wird definitiv die Digitalisierung sein, wo noch Effizienzpotenziale schlummern.

Lesen Sie morgen im dritten Teil der Interviewrunde zum Thema „Rückblick auf das Jahr 2021“, wie es mittlerweile um die Themen Weiterbildungsverpflichtung und Provisionsverbot steht.

Das gesamte Interview lesen Sie in der AssCompact Dezember-Ausgabe!

Foto oben v.l.n.r.: KR Christoph Berghammer, MAS (Fachverbandsobmann der Versicherungsmakler), KR Horst Grandits (Obmann des Bundesgremiums der Versicherungsagenten) und KR Mag. Hannes Dolzer (Fachverbandsobmann der Finanzdienstleister)

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