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Prävention statt Prinzip Hoffnung – Naturgefahren in Österreich vorausschauend managen

(Bild: © top images - stock.adobe.com)

Prävention statt Prinzip Hoffnung – Naturgefahren in Österreich vorausschauend managen

12. März 2026

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7 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt

Der Klimawandel ist in der Bilanz der österreichischen Industrie angekommen. Naturkatastrophen werden für Unternehmen zunehmend von abstrakten Risiken zu konkreten Bilanzposten. Dabei stehen nicht nur die unmittelbaren Sachschäden an Gebäuden, Maschinenparks und Warenbeständen im Fokus, sondern auch die daraus resultierenden finanziellen Belastungen durch steigende Selbstbehalte, höhere Prämien sowie längere Betriebsunterbrechungen – teils auch ohne unmittelbar vorangegangenen Sachschaden.

Artikel von:

Stefan Rossa

Stefan Rossa

Head of Property, Construction & Energy, AXA XL

René Forsthuber

René Forsthuber

Senior Account Consultant Property, AXA XL

Spätestens die verheerenden Hochwasserereignisse vom Herbst 2024, die weite Teile Österreichs vor massive Herausforderungen stellten, haben verdeutlicht, dass die Dimension der Schäden ein neues Niveau erreicht hat. Die versicherten Schäden für das gesamte Jahr 2024 erreichten nach Angaben des VVO mit 1,7 Mrd. Euro einen neuen Höchststand. Für Unternehmen stellt sich damit eine existenzielle Frage: Wie bleibt die Deckung von Naturgefahren (NatCat) angesichts dieser zunehmenden Bedrohungen langfristig kalkulierbar und verfügbar? Die Antwort liegt nicht mehr allein im Risikotransfer. Vielmehr rückt eine tiefgreifende Analyse als Basis für gezielte Prävention in den Mittelpunkt, um die Versicherbarkeit durch eine gesteigerte Risikoqualität nachhaltig abzusichern. Gefragt sind umfassende, vorausschauende Analysen, die die komplexen Wechselwirkungen im Blick behalten und so eine fundierte Entscheidungsgrundlage für wirksame Präventions- und Steuerungsmaßnahmen schaffen. Die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Versicherer kann somit deutlich über die Polizze hinausgehen. Bei AXA XL nennen wir dies: „From Payer to Partner“.

Wandel der Gefahrenlage: Warum der Blick auf das Detail heute entscheidend ist

Lange Zeit konzentrierte sich die Risikobewertung bei Naturkatastrophen vor allem auf seltene, großflächige Extremwetterlagen. Doch die Realität in Österreich hat sich gewandelt. Einerseits nimmt die Häufigkeit der Großereignisse zu, andererseits rücken vermehrte lokale Starkregen, Überschwemmungen, extreme Hagelereignisse und anhaltende Trockenphasen in den Fokus. Diese Ereignisse treten ebenfalls mit steigender Häufigkeit sowie Intensität auf und stellen eine wachsende Herausforderung für die Versicherbarkeit dar. Für das einzelne Unternehmen bedeutet dies eine stetige Erhöhung der naturbezogenen Risiken, denen es begegnen muss.

Besonders das Hochwasser vom Herbst 2024 hat verdeutlicht, wie komplex die Gefahrenlage für Industrie und Gewerbe geworden ist. Während das Ereignis geografisch weite Teile Österreichs betraf, zeigten sich die kritischen Schäden oft im Detail: Viele Betriebe litten weniger unter klassischen Überschwemmungen durch über die Ufer tretende Flüsse, sondern unter den Folgen von lokalem Starkregen und Sturzfluten, die Standorte trafen, welche laut herkömmlichen Gefahrenkarten als sicher galten.

Aufgrund dieser Dynamik bedarf es innovativer Ansätze und der Nutzung neuester Technologien zur Risikobewertung und -steuerung, um die Resilienz der Unternehmen langfristig sicherzustellen. Im Zentrum steht dabei die präzise Analyse der geografischen Gegebenheiten in Verbindung mit einer modernen Risikomodellierung. Erst durch diese methodische Untersuchung topografischer Details und deren Übersetzung in mathematische Schadenszenarien lassen sich Bedrohungen identifizieren, die auf den ersten Blick – oder in herkömmlichen Gefahrenkarten – unbeachtet bleiben könnten.

In der Praxis zeigt sich immer wieder: Kunden aus Industrie und Gewerbe haben zunehmend Schwierigkeiten, die Gefahrenlage an ihren Standorten angemessen zu bewerten. Oft herrscht die Annahme vor, ein Standort sei sicher, nur weil er sich nicht in unmittelbarer Nähe eines großen Gewässers befindet. Doch moderne Risikoanalysen decken häufig Gefahrenpotenziale auf, die bislang schlicht nicht bemerkt wurden – etwa die Gefährdung durch Hangwasser bei Starkregen oder die spezifische Anfälligkeit der lokalen Infrastruktur an Standorten, die zuvor häufig als vollkommen ungefährdet angesehen wurden.

Gewonnene Erkenntnisse dieser Art bilden die Basis für eine gezielte Prävention und die darauf aufbauende maßgeschneiderte Deckung sowie ein realistisches Programmdesign, das neben Sachschäden auch Betriebsunterbrechung und Lieferkettenabhängigkeiten abbildet. Eine strukturierte Herangehensweise ermöglicht es, potenzielle Auswirkungen genau zu beziffern und effektive Risikominderungsmaßnahmen zu entwickeln. So wird sichergestellt, dass notwendige Absicherungen passgenau und ausreichend gewählt werden. Dieser Partnerschaftsansatz über die Polizze hinaus umfasst neben Engineering und Datenanalytik auch eine geübte Schadenbereitschaft (Claims Readiness) mit vorab vereinbarten Prozessen, benannten Gutachtern und gesicherten Sanierungskapazitäten. Erfahrene Makler unterstützen, indem sie diese Erkenntnisse in marktgerechte Konditionen übersetzen und die Schnittstellen im Schadenfall orchestrieren. Um diesen Anspruch mit Leben zu füllen, ist ein klarer Prozess mit transparenten Schritten erforderlich, der sich in verschiedenen Analyseebenen widerspiegelt.

Partnerschaft als Basis für Zukunftsfähigkeit

Die Herausforderungen durch extreme Wetterereignisse werden auch im Jahr 2026 ein zentrales Thema für die Wirtschaft in Österreich bleiben. Der technologische Fortschritt und die daraus resultierenden neuen Möglichkeiten der Risikoanalyse bieten Unternehmen jedoch eine klare Perspektive: Durch die enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Versicherern lässt sich weit mehr als nur ein finanzieller Schutzschirm aufspannen. Unsere Kunden setzen auf diese fundierten Einblicke, um proaktiv zu handeln, statt nach dem „Prinzip Hoffnung“ zu verfahren.

In der Praxis führt dieser Weg zu einer gesteigerten Widerstandsfähigkeit. Gerade im österreichischen Markt, der durch seine topografische Vielfalt besondere Anforderungen an Betriebe stellt, ist eine Analyse der Unternehmensstandorte in jeweils angemessener Analysetiefe – vom Remote-Scanning bis zur Vor-Ort-Begehung – eine wichtige Voraussetzung, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens mit Blick auf Naturgefahren sicherzustellen.

Ergänzend lohnt der Blick auf die Systemebene: In Europa wird zunehmend über Public-Private-Partnerships diskutiert, etwa über mögliche EU-weite Rückversicherungslösungen für Naturgefahren. Internationale Erfahrungen (z.B. in Spanien, Frankreich, Großbritannien) zeigen, dass solche Modelle Schutzlücken schließen und die gesellschaftliche Resilienz stärken können – vorausgesetzt, Prävention und angemessene Anreize sind integrale Bestandteile.

Letztlich zeigt sich: Versicherbarkeit im Bereich der Naturgefahren ist ein dynamischer Prozess, der auf einer fundierten, datenbasierten Kooperation beruht. Wenn innovative Analysetechnik und gezielte Prävention ineinandergreifen, lassen sich Risiken fundierter bewerten und notwendige Deckungskapazitäten nachhaltiger bereitstellen. So wird aus der bloßen Reaktion auf Umweltereignisse eine vorausschauende Vorsorge, die Unternehmen dabei unterstützt, auch in einem volatilen Marktumfeld handlungsfähig zu bleiben.

Den gesamten Beitrag lesen Sie in der AssCompact März-Ausgabe!

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Kommentare:


Alfred Wimmer schrieb am 13.3.2026: " Der Beitrag trifft den Kern: Beim Management von Naturgefahren reicht das Prinzip Hoffnung längst nicht mehr aus – weder für Versicherer noch für Unternehmen. Prävention endet aber nicht bei Gefahrenzonenplänen und baulichen Maßnahmen. Wer Naturkatastrophen in Österreich wirklich vorausschauend managen will, braucht auch einen Plan für die ersten Stunden danach. Genau hier setzen wir mit BELFOR RED ALERT an: Unternehmen sichern sich vertraglich eine priorisierte Notfallreaktion, garantierte Ressourcen und schnelle Schadensbegrenzung nach Hochwasser, Sturm oder Mure, aber auch Feuer. Das reduziert Folgeschäden und Betriebsunterbrechung spürbar – und ergänzt Elementarschadenversicherung, Risikoanalysen und Klimaanpassung ideal. So wird aus Prävention ein durchgängiges Konzept: von der Risikobewertung über baulichen Schutz bis zur professionellen Wiederherstellung nach dem Ereignis. Sehr gerne stehe ich Ihnen für Anfragen und Informationen zu RED ALERT zur Verfügung. Ing. Alfred WIMMER, MBA Projektleiter Industrie- und Großschaden M: +43 664 80262 1595 E : alfred.wimmer@at.belfor.com "

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