M&G: Wird der Kampf gegen den Klimawandel zur Inflation führen?

M&G: Wird der Kampf gegen den Klimawandel zur Inflation führen?

17. Mai 2021

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3 Min. Lesezeit

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News-Management & Wissen

Die Augen der Marktteilnehmer sind in letzter Zeit vermehrt auf das Thema Inflation gerichtet. Dabei ist die Inflationsdebatte derzeit sehr zwiegespalten. Die „Desinflationisten“ vertreten die Ansicht, dass es nur vorrübergehend zu einem Überschießen der Inflation kommt, während die „Inflationisten“ einen beständigeren Inflationstrend erwarten. Ivan Domjanic, Kapitalmarktstratege von M&G Investments, beleuchtet die zwei Lager.

Mag. Peter Kalab

Redakteur/in: Mag. Peter Kalab - Veröffentlicht am 5/17/2021

Von Ivan Domjanic (Foto), Kapitalmarktstratege von M&G Investments

Für beide Ansichten gibt es gute Gründe. Die strukturellen deflationären Kräfte (Demografie, technologischer Fortschritt, Globalisierung) auf der einen Seite. Auf der anderen Seite u.a. die beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Stimuluspakete, die aufgestauten Ersparnisse der Haushalte und die zuletzt immer stärker ansteigenden Rohstoffpreise. Während einige der inflationären Kräfte vorrübergehender Natur sein dürften, gibt es durchaus auch Kräfte, die sich längerfristig inflationär auswirken könnten.

Klimawandel als inflationärer Treiber

Ein Faktor, der von vielen Marktteilnehmern möglicherweise noch unterschätzt wird, ist der dringend notwendige Kampf gegen den Klimawandel und die damit verbundene Energiewende. Der Klimawandel stellt die wohl größte Herausforderung unserer Generation dar. Um diese Herausforderung zu meistern, benötigen wir einen strukturellen Wandel hin zu einer nachhaltigen und CO2-freien Wirtschaft. So unabdingbar dieser Wandel unbestrittenermaßen ist, er könnte sich in den nächsten Jahren als ein inflationärer Treiber herausstellen.

Nachhaltige Maßnahmen setzen

Maßnahmen wie CO2-Steuern – die darauf abzielen, CO2-intensive Aktivitäten zu verteuern und damit weniger attraktiv zu machen – könnten die Energiekosten auf absehbare Zeit erhöhen. Steigende Energiekosten könnten sich wiederum auf verschiedene Produktionsketten ausbreiten, was ebenfalls zu einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus führen könnte. Während die Kosten für erneuerbare Energien (z. B. Wind und Sonne) rapide sinken und in Zukunft wahrscheinlich eine deflationäre Kraft darstellen werden, wird wohl noch etwas Zeit vergehen, bis sich dieser Faktor tatsächlich auf unseren gesamten Energiemix auswirken kann. Hinzu kommt der eingeleitete Kapitalinvestitionszyklus, der benötigt wird, um die Energiewende erfolgreich zu gestalten; vom Ausbau der erneuerbaren Energien bis hin zum Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur für die Elektromobilität und grünen Wasserstoff, um nur einige Beispiele zu nennen. Einige Marktteilnehmer schätzen, dass all dies über die nächsten 30 Jahre Investitionen im oberen einstelligen Billionen-Euro-Bereich allein in der EU erfordern wird. Es wird eine enorme Kraftanstrengung, die nur schwer vorstellbar keinen inflationären Effekt haben dürfte.

Während auf der einen Seite die strukturellen deflationären Treiber der letzten Jahrzehnte zweifelsohne fortbestehen werden, haben sich auf der anderen Seite jedoch einige Kräfte aufgebaut, die das Pendel diesmal zugunsten der „Inflationisten“ verschieben und der derzeit stattfindenden Reflation einen beständigeren Auftrieb verleihen könnten.

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