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Hagelversicherung: Dürreschäden in der Landwirtschaft erreichen eine Milliarde Euro

(Bild: © ÖHV)

Hagelversicherung: Dürreschäden in der Landwirtschaft erreichen eine Milliarde Euro

10. August 2026

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4 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt

Die Österreichische Hagelversicherung beziffert die Dürreschäden in der heimischen Landwirtschaft 2026 auf eine Milliarde Euro. Weitere 80 Mio. Euro entfallen auf Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmungen. 80% der Ackerflächen und 40% der Grünlandflächen sind gegen Dürre versichert.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 10.08.2026

Die anhaltende Hitze und die geringen Niederschläge führen 2026 zu hohen Schäden in der österreichischen Landwirtschaft. Die Österreichische Hagelversicherung beziffert die bisherigen Dürreschäden auf eine Milliarde Euro. Weitere 80 Mio. Euro entfallen auf Schäden durch Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmungen.

Betroffen sind das gesamte Bundesgebiet und sämtliche Kulturen, insbesondere Grünland, Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Kürbisse und Soja sowie regional auch Getreide. In manchen Regionen fiel seit dem 15. Juni um mehr als 75% weniger Niederschlag als im zehnjährigen Mittel der Jahre 2016 bis 2025.

80% der Ackerflächen gegen Dürre versichert

Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Flächen verfügt mittlerweile über Versicherungsschutz gegen Dürre. 80% der Ackerflächen und 40% der Grünlandflächen sind nach Zahlen der Österreichischen Hagelversicherung gegen dieses Risiko versichert.

Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung:

"Ausbleibende Niederschläge und eine Hitzewelle nach der anderen mit einem Temperaturrekord von 41,2 °C in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) kennzeichnen das bisherige Dürrejahr. Die Konsequenz für die Landwirtschaft: Katastrophale Dürreschäden sorgen für massive Ernteeinbußen und Futterknappheit für die Tiere."

Auch die Häufigkeit größerer Dürreschäden habe sich verändert. NLau Weinberger traten solche Schäden früher etwa alle zehn Jahre auf, mittlerweile seien große Dürreschäden alle zwei bis drei Jahre zu beobachten.

Mit Public-Private-Partnership-Modelle bleibe laut Weinberger die Absicherung für landwirtschaftliche Betriebe wirksam und leistbar . Bei der Bewältigung großer Schadenereignisse setzt die Hagelversicherung zudem auf Risikostreuung über ihre sechs Auslandsmärkte, Rückversicherung sowie Technologien wie Satellitendaten bei der Schadenserhebung.

Hitzewellen werden häufiger und länger

Anders Levermann, Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, sieht den menschengemachten Klimawandel als wesentlichen Treiber der Entwicklung:

"Die physikalischen Grundlagen sind seit Langem bekannt und durch unzählige Studien bestätigt: Der Klimawandel ist menschengemacht. Was dabei häufig unterschätzt wird, ist die Dynamik, die uns noch bevorsteht. Das Klimasystem reagiert nicht linear – Wetterextreme nehmen dramatisch zu, und zudem gibt es kritische Schwellenwerte."

Bis zum 10. August wurden in der Wiener Innenstadt 42 Hitzetage mit Temperaturen von mehr als 30 °C gemessen. In den 1980er-Jahren waren es im Durchschnitt neun. Am 5. August erreichte die Temperatur in Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich 41,2 °C.

Zudem dauern Hitzewellen heute länger: Zwischen den 1940er- und 1980er-Jahren lag ihre durchschnittliche Dauer bei ein bis acht Tagen, in den 2010er- und 2020er-Jahren bei fünf bis 25 Tagen.

Dürre belastet auch die Selbstversorgung

Die Ernteausfälle könnten sich auch auf den Selbstversorgungsgrad bei heimischen Lebensmitteln auswirken. Dieser liegt derzeit bei Getreide bei 87%, bei Mais bei 83% und bei Kartoffeln bei 78%. Bei Gemüse beträgt er 55%, bei pflanzlichen Ölen 26%.

Weinberger sieht neben klimabedingten Ernteausfällen auch den Bodenverbrauch als zusätzlichen Faktor. Der Verlust landwirtschaftlicher Flächen und wetterbedingte Ernteausfälle könnten die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten weiter erhöhen.

Für die Versicherungswirtschaft zeigt die diesjährige Entwicklung vor allem die zunehmende Dimension des Dürrerisikos in der Landwirtschaft. Während Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmungen 2026 bislang Schäden von insgesamt 80 Mio. Euro verursacht haben, liegt der durch Dürre verursachte Gesamtschaden bereits bei einer Milliarde Euro.

Foto oben v.l.n.r.: Prof. Dr. Anders Levermann, Leiter der Abteilung Komplexitätsforschung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Dr. Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung

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