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Wüstenrot: „Tradition heißt nicht, bei Altbewährtem zu verweilen“

Wüstenrot: „Tradition heißt nicht, bei Altbewährtem zu verweilen“

07. August 2026

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8 Min. Lesezeit

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Im Blickpunkt

Seit 1. Juni 2026 ist Fabian Stenzel CSO und Vertriebsvorstand der Wüstenrot Gruppe. Im Interview mit AssCompact spricht er über seine neue Aufgabe, die Weiterentwicklung der Marke Wüstenrot, die Rolle von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz sowie die Bedeutung eines modernen Vertriebs, der Kundinnen und Kunden in einer zunehmend digitalen Welt begleitet.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 07.08.2026

Tradition als Auftrag für die Zukunft

Mit seiner neuen Funktion verbindet Stenzel die Aufgabe, eine traditionsreiche Marke weiterzuentwickeln. Dabei versteht er Tradition als Grundlage für die Zukunft und nicht als Festhalten am Bestehenden. „Als gebürtiger Salzburger war mir Wüstenrot immer sehr nahe. Ich verbinde mit Wüstenrot vor allem Tradition und Vertrauen. Und ich sehe es als meinen Auftrag, diese Werte in die Zukunft zu übersetzen. Für mich heißt Tradition nicht, bei Altbewährtem zu verweilen, sondern sich konsequent und sinnvoll weiterzuentwickeln. Das bedeutet auch, mit der Zeit zu gehen und die Werte, für die eine Marke steht, zeitgemäß weiterzudenken.“

Kundenbedürfnisse als gemeinsamer Nenner

Seine Erfahrungen aus dem internationalen Bankgeschäft prägen auch seinen Blick auf die Versicherungsbranche. Für Stenzel stehen die Erwartungen der Kundinnen und Kunden unabhängig von der Branche im Mittelpunkt. „In der Vertriebsleitung der Raiffeisenbank International war ich unter anderem für das Geschäft in Osteuropa verantwortlich und habe auf diese Weise die verschiedensten Kulturen kennengelernt. Was ich dabei auch gelernt habe: Es gibt zwar kulturelle Unterschiede, gleichzeitig sind die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden oft gleich. Ähnlich wie beim Banking nehme ich es auch in der Versicherung wahr. Banking ist anders als Versicherung – aber es gibt auch unglaublich viele Gemeinsamkeiten. Dieser gemeinsame Nenner dabei sind unsere Kundinnen und Kunden. Sie haben eine sehr einheitliche Erwartungshaltung. Sie wollen digitale, verständliche und zuverlässige Lösungen – egal ob Bausparprodukte, Bank- oder Versicherungsbranche.“

Die Erfahrungen aus der Bankenwelt möchte Stenzel auch in seiner neuen Aufgabe nutzen. Vor allem die digitale Transformation sieht er als wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung des Vertriebs. „Eine weitere entscheidende Station war für mich selbstverständlich die Vertriebsleitung der Erste Bank. Dort haben wir eine starke Transformation Richtung Digitalisierung geschaffen. Auch das war für mich sehr prägend – und ist für mich heute eine große Inspiration, dies auch im Wüstenrot Vertrieb darzustellen.“

Digitalisierung soll den Vertrieb stärken

Digitalisierung versteht Stenzel nicht als Selbstzweck. Sie soll dazu beitragen, Prozesse zu verbessern und den Vertrieb im Alltag zu unterstützen. „Ja, unbedingt. Digitalisierung ist und bleibt ein wichtiger und wesentlicher Meilenstein – aber nicht als Selbstzweck. Als Wüstenrot streben wir nach Digitalisierung, operativer Exzellenz und treiben Prozessqualität konsequent voran.“

Im Mittelpunkt stehen für ihn digitale Lösungen, die den Vertrieb und die Maklerinnen und Makler entlasten und die Beratungsqualität unterstützen. „Gemeinsam werden wir weiter digitale Lösungen finden, die vor allem den Vertrieb und die Maklerinnen und Makler entlasten. Es geht darum, Prozesse kontinuierlich zu beschleunigen, Transparenz zu schaffen und die Beratung zu stärken. Das gilt für unsere internen Vertriebswege genauso wie für die Zusammenarbeit mit externen Partnerinnen und Partnern.“

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vereinfachung administrativer Abläufe. Dadurch soll mehr Zeit für die persönliche Beratung entstehen. „Unser Anspruch ist es, digitale Services einfach, verlässlich und praxistauglich zu halten. Wenn Administration reduziert wird, entsteht mehr Zeit für das Wesentliche: die persönliche, qualitativ hochwertige Betreuung unserer Kundinnen und Kunden.“

KI soll konkrete Mehrwerte schaffen

Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz plädiert Stenzel für einen realistischen Blick auf die Entwicklung. Entscheidend sei, konkrete Anwendungsfelder mit erkennbarem Nutzen zu schaffen. „Ich bin der festen Überzeugung, für alle Industrien ist die richtige Dimension von Künstlicher Intelligenz noch nicht erkennbar. Wir überschätzen sie wahrscheinlich in der Kurzfristigkeit und unterschätzen sie im Langfristigen. Für mich steht fest: Wir müssen dort anfangen, wo AI eine große Hilfe für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unsere Maklerinnen und Makler ist.“

Ein erstes Einsatzfeld sieht er bei zeitintensiven administrativen Tätigkeiten. „Es ist ein wichtiger Schritt, wenn es uns gelingt, zeitintensive Themen durch AI-Lösungen ablösen zu lassen. Dazu gehört vor allem Administrationstätigkeit. Da müssen wir kompatible Lösungen finden, das ist ein konkretes Ziel.“

Vertrieb als Begleiter der digitalen Transformation

Für Stenzel verändert sich die Rolle des Vertriebs. Neben der klassischen Beratung sieht er die Aufgabe darin, Kundinnen und Kunden auf ihrem Weg in die digitale Welt zu begleiten. „Eins kann ich auch hier ganz klar sagen: Für mich ist die Begleitung und die Transformation unserer Kundinnen und Kunden in die digitale Welt eine Aufgabe, die wir als Allfinanzdienstleister zu erfüllen haben. Genauso wie es unsere Aufgabe ist, finanzielle Bildung an unseren Kundenstamm weiterzugeben, sollten wir unsere Kundinnen und Kunden in der Digitalisierung sowie in der Umsetzung ihrer Finanz- und Absicherungsthemen fit machen.“

Für die Kommunikation zwischen Berater und Kunde sieht Stenzel eine gemeinsame digitale Plattform als wichtigen nächsten Entwicklungsschritt. „Ich sehe auch die Wüstenrot App als unser wesentliches, gemeinsames Kommunikationstool zwischen Kunde und Berater. Das sollte die gemeinsame Plattform sein. Dahin müssen wir uns weiter entwickeln.“

Gemeinsames Zielbild für die Wüstenrot Gruppe

Mit seiner neuen Aufgabe verbindet Stenzel den Anspruch, die Stärken der gesamten Wüstenrot Gruppe stärker zusammenzuführen. Die breite Aufstellung sieht er dabei als besonderen Vorteil. „Im Mittelpunkt steht aber immer ein gemeinsames Zielbild für die gesamte Wüstenrot Gruppe: Wir sind als Bausparkasse, Versicherung und Bank breit aufgestellt und verfügen damit über eine besondere Stärke: Wir können Kundinnen und Kunden in unterschiedlichen Lebensphasen umfassend begleiten. Wir verstehen Ihre Lebensrealitäten und haben die entsprechenden Lösungen für sie.“

Daraus leitet er auch seinen Anspruch für die kommenden Jahre ab. Im Mittelpunkt stehen eine gemeinsame Vertriebsagenda und die konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden. „Mein Anspruch ist, gemeinsam mit allen Teams eine klare, zukunftsfähige Vertriebsagenda zu entwickeln und konsequent umzusetzen. Wir haben eine starke Marke, ein breites Leistungsversprechen und hochqualifizierte, motivierte Menschen im Unternehmen. Wenn wir diese Stärken bündeln, Digitalisierung gezielt einsetzen, profitables Wachstum verfolgen und unsere Kundinnen und Kunden konsequent in den Mittelpunkt stellen, dann ist Wüstenrot sehr gut aufgestellt für die nächsten Jahre.“

Das gesamte Interview lesen Sie in der AssCompact August-Ausgabe!

Foto oben: Fabian Stenzel, CSO und Vertriebsvorstand der Wüstenrot Gruppe

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