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Coface: Unternehmensinsolvenzen steigen weltweit um 2,8%

(Bild: © Coface)

Coface: Unternehmensinsolvenzen steigen weltweit um 2,8%

09. Februar 2026

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4 Min. Lesezeit

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Studien

Laut aktueller Coface-Prognose nimmt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2026 weltweit um 2,8% zu. Sinkende Zinsen sorgen zwar für eine leichte Stabilisierung, das Niveau bleibt jedoch hoch und stark zinsabhängig.

Kerstin Quirchtmayr

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 09.02.2026

Die Zahl der weltweiten Unternehmensinsolvenzen bleibt auch 2026 erhöht, zeigt jedoch erstmals Anzeichen einer leichten Beruhigung. Für das kommende Jahr erwartet Coface einen globalen Anstieg um 2,8%. Damit fällt das Wachstum deutlich geringer aus als in den Vorjahren, in denen die Zuwachsraten spürbar höher lagen. Die Entwicklung bleibt jedoch fragil und eng an das Zinsumfeld gekoppelt. Bereits eine Erhöhung der Finanzierungskosten um 25 Basispunkte könnte die Insolvenzdynamik wieder beschleunigen und den globalen Anstieg auf etwa 4 bis 5% treiben. Besonders anfällig bleiben Unternehmen in der Bau-, Chemie- und Textilindustrie sowie in Europa exportorientierte Branchen wie der Automobilbau und dessen Zulieferer.

Markus Kuger, Head of Economic Research DACH bei Coface

"Das Jahr 2026 dürfte eher eine Verschnaufpause als eine echte Trendwende bringen. Die Insolvenzzahlen stabilisieren sich nur, wenn die Finanzierungskosten nicht wieder ansteigen."

Europa: Differenzierte Entwicklung nach Ländern

In Europa bleibt die Insolvenzentwicklung stark von den Finanzierungskosten abhängig. Für Deutschland rechnet Coface 2026 mit einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 1%. Frankreich und das Vereinigte Königreich verharren mit jeweils plus 2% auf einem hohen Niveau. Spanien bildet mit einem Rückgang um 3% eine Ausnahme und profitiert von einer stärkeren makroökonomischen Dynamik. Italien verzeichnet voraussichtlich ein Minus von 2%, das vor allem auf statistische Effekte infolge von Verfahrensreformen zurückzuführen ist. In den Niederlanden wird ein Anstieg um 4% erwartet, was eine schrittweise Rückkehr zum Niveau vor der Pandemie widerspiegelt.

Für Österreich geht Coface von einem moderaten Anstieg der Insolvenzen aus. Ausschlaggebend sind ein verhaltenes Wirtschaftswachstum von unter 1% sowie ein Zinsniveau, das trotz der Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank auf 3,47% im Dezember 2025 weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2022 liegt. Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich, verweist in diesem Zusammenhang auf die weiterhin hohe Verschuldung vieler Unternehmen, verschärfte Kreditbedingungen und anhaltenden Margendruck in besonders exponierten Branchen.

Nordamerika und Asien-Pazifik: Gegensätzliche Tendenzen

Auch außerhalb Europas zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. In den USA wird für 2026 ein Anstieg der Insolvenzen um 4% erwartet, bedingt durch eine sich abschwächende Konjunktur und höhere Zölle. Kanada dürfte nach einem langen Wachstumszyklus hingegen einen Rückgang um 5% verzeichnen. Im asiatisch-pazifischen Raum bleibt Japan mit plus 7% stark belastet, unter anderem durch anhaltend hohe Zinsen und strukturell anfällige Branchen. Australien bewegt sich mit einem erwarteten Plus von 0,5% nahe an einer Stagnation, nachdem es zuvor zu einer deutlichen Normalisierung nach der Pandemie gekommen war.

Finanzierungskosten als Schlüsselfaktor

Insgesamt zeigt die Prognose, dass die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen 2026 weniger vom Wirtschaftswachstum als vom Tempo der geldpolitischen Anpassung abhängen wird. Nach Jahren hoher Verschuldung reagieren Unternehmen weiterhin sehr sensibel auf Veränderungen der Finanzierungskosten. Damit bleiben Zinsen der entscheidende Faktor für die Insolvenzentwicklung im kommenden Jahr.

Foto oben: Markus Kuger, Head of Economic Research DACH bei Coface

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