Für die Dekarbonisierung des weltweiten Güterverkehrs gibt es keine technologische Universallösung. Das zeigt ein Bericht von Reuters Events in Zusammenarbeit mit AXA XL. Je nach Verkehrsträger entstehen unterschiedliche Anforderungen an Infrastruktur und Investitionen – und neue Risikoprofile. Bei batterieelektrischen Nutzfahrzeugen liegen etwa die Reparaturkosten nach vergleichbaren Schäden um 20 bis 25% über jenen von Verbrennern.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 25.08.2026
Die Umstellung des globalen Güterverkehrs auf CO₂-ärmere Technologien wird voraussichtlich nicht durch einen einzelnen Kraftstoff oder eine bestimmte Antriebstechnologie gelingen. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht „Freight in a low-carbon economy: Managing the risks“ von Reuters Events, der in Zusammenarbeit mit AXA XL erstellt wurde.
Während leicht verfügbare alternative Energiequellen die Treibhausgasemissionen nur begrenzt reduzieren können, gehen Technologien mit größerem Dekarbonisierungspotenzial mit Herausforderungen bei Sicherheit, Infrastruktur, Kosten und Regulierung einher. Die Risikoprofile unterscheiden sich dabei deutlich zwischen See-, Straßen-, Schienen- und Luftverkehr.
Vicky Roberts-Mills, Global Head of Energy Transition bei AXA XL:
"Frachtunternehmen bewerten Technologien, die sich unterschiedlich schnell entwickeln und damit unterschiedliche Risikoprofile erzeugen. Versicherer können Investitionsvertrauen schaffen, indem sie das Verständnis dieser Risiken verbessern und Unternehmen dabei helfen, neue Technologien sicher und in großem Maßstab einzusetzen."
Seeschifffahrt ohne eindeutige Technologie
Besonders komplex ist die Entwicklung in der Seeschifffahrt, über die schätzungsweise 90% des weltweiten Güterverkehrs abgewickelt werden. Der Bericht vergleicht neun alternative Kraftstoffe und Antriebssysteme anhand von Kosten, Emissionsreduzierung, Infrastruktur, Skalierbarkeit, Sicherheit und regulatorischer Reife. Einen eindeutigen technologischen Gewinner gibt es demnach nicht.
Stattdessen dürfte sich eine Mischung unterschiedlicher Technologien entwickeln, abhängig von Schiffstyp, Route und Betriebsanforderungen. Ammoniak könnte beispielsweise die Treibhausgasemissionen gegenüber herkömmlichem Schiffsdiesel um rund 90% reduzieren, sofern es aus Wasserstoff hergestellt wird, der mittels erneuerbar betriebener Elektrolyse gewonnen wurde. Gleichzeitig stellen Toxizität, geringere Energiedichte und notwendige Infrastruktur Anforderungen an Lagerung, Betankung und Notfallmaßnahmen.
Elektro-Lkw: Reparaturen um bis zu 25% teurer
Im Straßengüterverkehr erwartet der Bericht, dass sich batterieelektrische Fahrzeuge in den meisten Segmenten gegenüber Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeugen durchsetzen werden. Für die Risikobewertung ergeben sich allerdings Unterschiede zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.
Die Unfallhäufigkeit kann vergleichbar oder sogar niedriger ausfallen. Nach vergleichbaren Schäden liegen die Reparaturkosten bei Elektrofahrzeugen jedoch um 20 bis 25% höher. Batterietausch, fehlende Fachkräfte und begrenzte Reparaturkapazitäten können zudem längere Ausfallzeiten verursachen und damit die finanziellen Folgen für Frachtunternehmen erhöhen.
Unterschiedliche Entwicklung bei Schiene und Luftfahrt
Bei der Bahn ist die Elektrifizierung in einigen Märkten bereits etabliert, auf bestimmten Frachtrouten jedoch nicht praktikabel. Alternative Lösungen setzen zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur voraus.
In der Luftfahrt hängt die Umstellung dagegen weitgehend von alternativen Kraftstoffen ab. Biokraftstoffe lassen sich dem Bericht zufolge nur schwer skalieren, während synthetische Kraftstoffe weiterhin teuer und kaum verfügbar sind.
Der Bericht sieht angesichts dieser unterschiedlichen Übergangspfade einen stärkeren Abstimmungsbedarf zwischen Transportunternehmen, Energieanbietern, Technologieentwicklern, Regulierungsbehörden, Investoren und Versicherern. Als Instrumente für den Umgang mit technologischen, betrieblichen und finanziellen Risiken werden unter anderem Risikoberatung, Spezialversicherungen, Captive-Strukturen sowie politische Risiko-, Kredit- und Kautionsversicherungen genannt.
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