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25 Jahre Fachverband Finanzdienstleister: Zwischen Regulierung und Praxis

25 Jahre Fachverband Finanzdienstleister: Zwischen Regulierung und Praxis

05. Mai 2026

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7 Min. Lesezeit

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Recht & Wissen

Der Fachverband Finanzdienstleister feierte am 4. Mai 2026 in der Christoph Leitl Lounge der Wirtschaftskammer Österreich sein 25-jähriges Bestehen. Der Festakt stand im Zeichen eines Rückblicks auf die Entwicklung der Branche – und einer klaren Standortbestimmung mit Blick auf die kommenden Jahre.

Andreas Richter

Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 05.05.2026

25 Jahre Fachverband Finanzdienstleister: Zwischen Regulierung und Praxis

Fachverbandsobmann KommR Mag. Hannes Dolzer

Fachverbandsobmann KommR Mag. Hannes Dolzer nutzte die Gelegenheit, um die Rolle des Fachverbandes, aktuelle Herausforderungen und künftige Schwerpunkte umfassend darzustellen. Eingeladen waren Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter aus Wirtschaftskammer, Behörden, Sozialpartnerschaft und Branche.

Ein zentrales Motiv des Abends war die Breite des Fachverbandes. Dolzer erinnerte daran, dass der Fachverband Finanzdienstleister weit mehr umfasst als eine einzelne Berufsgruppe. Vertreten werden unter anderem gewerbliche Vermögensberater mit ihren Tätigkeitsfeldern Veranlagung, Kreditvermittlung, Versicherung und Beratung, Wertpapierfirmen, Wertpapierdienstleistungsunternehmen, Wertpapiervermittler, Crypto Asset Service Provider, Zahlungsdienstleister, Leasingunternehmen, Kreditauskunfteien, Pfandleiher, Versteigerer und weitere Berufsgruppen.

Diese Vielfalt mache die Arbeit anspruchsvoll. Während andere Berufsvertretungen klar fokussierte Gruppen vertreten, müsse der Fachverband laufend unterschiedliche Interessen, Geschäftsmodelle und regulatorische Anforderungen zusammenführen. Dolzer brachte es mit Blick auf die Vielzahl an Themen plastisch auf den Punkt: „Irgendwo brennt’s bei uns aufgrund der vielen Berufsgruppen immer.“ Die Aufgabe könne aber nicht nur darin bestehen, mit dem Feuerlöscher von Problem zu Problem zu laufen.

Als zentrale Aufgaben des Fachverbandes nannte Dolzer Service, rechtliche Orientierung, Aus- und Weiterbildung sowie politische Interessenvertretung. Dazu zählen Wissensdatenbanken, Rechtsinformationen, Checklisten zu neuen regulatorischen Anforderungen und die Beantwortung konkreter Mitgliederfragen. Besonders hob er das Bildungs-Kick-off hervor, das zu Jahresbeginn einen erheblichen Teil der betroffenen Unternehmen erreicht und sich als zentrales Weiterbildungsformat etabliert habe.

Der Schwerpunkt seiner Ausführungen lag auf der Frage, wie Regulierung gestaltet sein muss, damit sie ihren Zweck erfüllt, ohne Unternehmen zu überfordern. Dolzer stellte klar: Verbraucherschutz, Transparenz und Dokumentation seien wichtig. Entscheidend sei aber, dass Vorgaben organisatorisch umsetzbar bleiben. Gerade bei kleinstrukturierten Betrieben und Ein-Personen-Unternehmen müsse Proportionalität ernst genommen werden.

Dolzer formulierte dazu klar: „Die Gesetzgebung, die Vorschriften müssen so sein, dass Transparenz zu Transparenz führt und nicht überbordend ist und nicht überfordert.“ Wenn Informationspflichten ausufern, drohe genau das Gegenteil dessen, was eigentlich erreicht werden soll.

Auch beim Thema Entgeltwahlfreiheit blieb Dolzer deutlich. In Österreich müsse sowohl die Vergütung über Provision als auch die direkte Bezahlung durch Kundinnen und Kunden möglich bleiben. „Beides muss in einer freien Marktwirtschaft erlaubt bleiben“, so Dolzer. Voraussetzung sei jedoch Transparenz, damit Kundinnen und Kunden nachvollziehen können, welche Leistungen sie in Anspruch nehmen und wie diese vergütet werden.

Einen breiten Raum nahm die politische Interessenvertretung ein. Dolzer beschrieb sie als langfristigen Prozess, der auf Verständnis, Kommunikation und Beharrlichkeit basiert. Ziel sei es, die Intentionen des Gesetzgebers zu verstehen und gleichzeitig praktikable Lösungen für Unternehmen aufzuzeigen. Gleichzeitig mahnte er Verantwortungsbewusstsein ein – sowohl auf Seiten der Politik als auch innerhalb der Branche.

Bei den aktuellen Themen spannte Dolzer einen weiten Bogen: vom Verbraucherkreditgesetz über Geldwäscheprävention bis hin zu Fragen rund um Leasing, Kryptoanbieter und Kapital für junge Unternehmen. Die Vielzahl der Themen verdeutliche die Dynamik, in der sich die Branche bewegt.

Gleichzeitig müsse der Blick stärker nach vorne gerichtet werden. Digitalisierung und künstliche Intelligenz seien zentrale Zukunftsthemen, bei denen der Fachverband eine aktive Rolle einnehmen müsse. Ebenso wichtig sei die Weiterentwicklung von Aus- und Weiterbildung sowie der Zugangsvoraussetzungen zur Branche.

Was die Branche zusätzlich brauche, sei eine regulatorische Atempause. Neue Vorschriften müssten zunächst umgesetzt und evaluiert werden, bevor weitere Regelwerke folgen. Dolzer verwies in diesem Zusammenhang kritisch auf Entwicklungen auf europäischer Ebene und betonte die Notwendigkeit eines strukturierten Vorgehens.

WKÖ-Vizepräsidentin Mag. Angelika Sery-Froschauer würdigte in ihrem Grußwort die Finanzdienstleister als zentrale Akteure in einer sich wandelnden Wirtschaft. Die Branche habe in den vergangenen Jahrzehnten eine klare Identität entwickelt und begleite Unternehmen wie Privatpersonen in sensiblen finanziellen Fragestellungen. Gleichzeitig stehe sie vor erheblichen Herausforderungen – insbesondere durch Regulatorik, Kostendruck und die Frage der Unternehmensnachfolge. Umso wichtiger sei es, die Attraktivität des Berufsbildes für kommende Generationen zu sichern und aktiv zu gestalten.

KommR Christoph Berghammer, Fachverbandsobmann der Versicherungsmakler, hob die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen hervor. Während das Verhältnis früher nicht immer spannungsfrei gewesen sei, habe sich in den vergangenen Jahren eine enge, vertrauensvolle Kooperation etabliert. Gerade bei zentralen Themen wie IDD oder aktuellen regulatorischen Initiativen habe sich gezeigt, wie wichtig abgestimmtes Vorgehen ist, um gemeinsame Interessen wirksam zu vertreten.

Auch KR Horst Grandits, Obmann des Bundesgremiums der Versicherungsagenten, unterstrich die Bedeutung dieses Schulterschlusses. Die vergangenen Jahre hätten mit zahlreichen regulatorischen und wirtschaftlichen Herausforderungen gezeigt, dass starke und koordinierte Interessenvertretung unerlässlich ist. Gemeinsames Auftreten und abgestimmte Positionen seien entscheidend, um in einem komplexen Umfeld tragfähige Lösungen zu erreichen.

So wurde das Jubiläum nicht nur zu einem Rückblick auf 25 Jahre Fachverband Finanzdienstleister, sondern auch zu einer nüchternen Bestandsaufnahme. Die Branche ist breit, kleinteilig und stark reguliert. Sie braucht Service, Weiterbildung und klare politische Vertretung. Vor allem aber braucht sie Rahmenbedingungen, die praktikabel bleiben – und gleichzeitig Raum für Weiterentwicklung lassen.

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