ÖVM-Präsident Punzl: „Wir erlauben uns, Missstände offen anzusprechen“

ÖVM-Präsident Punzl: „Wir erlauben uns, Missstände offen anzusprechen“

09. Mai 2022

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6 Min. Lesezeit

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News-Im Blickpunkt

Der Österreichische Versicherungsmaklerring (ÖVM) feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen. Ing. Alexander Punzl, Präsident des Österreichischen Versicherungsmaklerrings ÖVM, spricht im Interview über die größten Meilensteine in dieser Zeit sowie zukünftige Strategien und warum die Servicequalität im Schaden sinkt.

Andreas Richter

Redakteur/in: Andreas Richter - Veröffentlicht am 5/9/2022

Zu den größten Errungenschaften in den letzten Jahren zählt ÖVM-Präsident Alexander Punzl unter anderem die Gründung der Österreichischen Versicherungsakademie (ÖVA) sowie das ÖVM-Netzwerk und das ÖVM-Gütesiegel. „In der ÖVA finden jedes Jahr zahlreiche Schulungen mit hochkarätigen ReferentInnen zu aktuellen Themen statt“, informiert Punzl. „Mit Beginn der Corona-Pandemie haben wir es geschafft, innerhalb von einer Woche auf Webinare umzustellen. Die ÖVA bzw. Aus- und Weiterbildung sind einer der wichtigsten Punkte für unsere Mitgliedsbetriebe.“

Das ÖVM-Gütesiegel setzt ein strenges Verfahren voraus, dem sich die teilnehmenden Mitgliedsbetriebe unterziehen müssen. „Hierbei geht es nicht nur um Aus- und Weiterbildung. Dem Verfahren unterziehen sich sowohl kleine als auch große Makler“, so Punzl.

Das ÖVM-Netzwerk sei ein interner Wissensaustausch, ein Intranet, in dem Fragen gestellt werden können, so Punzl. Die Antworten sollen dem Maklerbetrieb bei Problemlösungen bzw. in der Tagesarbeit helfen. „Geht es um ein berufsständisches Problem, wird dies über den Ombudsmann kommuniziert. Der Ombudsmann beschäftigt sich auch mit anderen aktuellen Fällen wie z.B. mit Courtagen. Dabei geht es um Formulierungen, Abrechnungen bzw. um ungerechtfertigte Kündigungen von Courtage-Vereinbarungen. Hier setzen wir uns für den kleinen Makler ein“, erklärt Punzl.

Ein weiterer Gratis-Service für ÖVM-Mitglieder ist der ÖVM-Rechtsservice. „Der ÖVM-Rechtsservice wird aufgrund des Trends zu mehr ungerechtfertigten Schadenablehnungen durch die Versicherer immer wichtiger“, weiß Punzl. Angeboten wird er in Kooperation mit Rechtsanwalt Mag. Markus Freilinger, der bei strittigen Ablehnungen bei den Versicherern interveniert.

Zu der Strategie des ÖVM gehört es laut Punzl auch, Missstände offen anzusprechen: „Wenn nötig auch unter der Nennung des Versicherers. Dafür müssen wir in Kauf nehmen, dass uns die Versicherer nicht mehr unterstützen, z.B. keine Inserate mehr schalten bzw. nicht mehr zu Veranstaltungen einladen, aber das nehmen wir in Kauf.“

„Wir müssen wieder mehr Zeit für unsere Kunden und die Kundenbetreuung haben“

Alexander Punzl ist im März 2012 zum Präsidenten des ÖVM (wieder) gewählt worden. Schon damals hat der Experte vor überbordender Administration gewarnt und prophezeit, dass es der klassische Einzelkämpfer in der Branche zunehmend schwer haben wird. Eine Prophezeiung, die 100%ig wahr geworden ist, sagt Punzl: „ Und es haben nicht nur Einzelkämpfer, sondern alle Versicherungsmaklerbetriebe, unabhängig von der Größe, viel schwerer als vor zehn Jahren. Konsumentenschutz ist wichtig und richtig, aber den erreicht man niemals mit noch mehr Formularen, Protokollen etc. Wir müssen wieder mehr Zeit für unsere Kunden und die Kundenbetreuung haben.“

Zukunft der Maklerschaft

Für den Einzelkämpfer sieht Punzl vor allem eine Chance, wenn er sich in irgendeiner Form irgendwo anschließt – sei es beim ÖVM oder bei einer anderen Organisation, wo er sich Wissen oder eventuell Produkte holen und wo er sich fachlich austauschen kann. „Ich stelle es mir schwierig vor, wenn man alleine arbeitet, plötzlich ein Problem auftrifft und man niemanden hat, mit dem man darüber reden kann. Natürlich kann man immer nachlesen, googeln etc. Aber hier ist es vor allem wichtig, dass man sich in einer größeren Einheit austauschen kann. Trotz der Automatisierung und Digitalisierung ist Versicherung immer noch ein Bauchgeschäft bzw. ein persönliches Geschäft. Gerade der Einzelkämpfer am Land hat sicher auch weiterhin seine Stellung.“

Bezüglich Digitalisierung befürchtet der ÖVM-Präsident vor allem bei den Älteren ein Problem: „Irgendwann wird der Ältere von allem abgeschnitten sein, denn auch seine Kunden, die das nicht wollen, werden irgendwann aussterben. Und das ist ja das Hauptthema. Wobei man mittlerweile schon auch bemerkt, dass viele ältere Leute sehr EDV-affin und digitalisiert sind.“

Die Servicequalität im Schaden sinkt

Viele Vermittlerinnen und Vermittler beklagen vor allem die Verschlechterung der Servicequalität im Schaden. Auch Punzl ist der Meinung, dass gerade im Bereich der 08/15-Schäden man oft bei schlecht ausgebildeten und völlig überlasteten ReferentInnen landet. „Sie haben keine Zeit, auf individuelle Situationen einzugehen, alles wird über einen Leisten geschoren. Die Kunden sind nur mehr Polizzennummern, es fehlt jeglicher persönliche Bezug.“

Zudem ist Punzl sich sicher, dass im Schadenfall vom Versicherer nicht geprüft wird, ob ein Schaden gedeckt sein könnte, sondern stets, warum er nicht gedeckt sein sollte: „Wo können Versicherer sparen und ihren Ertrag steigern? Nur über rigorosere Schadenablehnungen und über Personalkürzungen.“

„Dem ÖVM und unserem Berufsstand werde ich immer verbunden sein“

2023 wir Alexander Punzl das Ruder an der Spitze des ÖVM an Mag. Alexander Gimborn übergeben. „Ich bin sehr stolz, wie sich der ÖVM in den Jahren meiner Präsidentschaft weiterentwickelt hat, aber diese Entwicklung war nur im Kollektiv mit meinem Team möglich! ‚Präsident‘, das ist nur eine Funktion und ein Titel, dem ÖVM und unserem Berufsstand werde ich immer verbunden sein und bleiben, darum hält sich die Wehmut in engen Grenzen“, so Punzl abschließend.

Foto oben Alexander Punzl, Präsident des Österreichischen Versicherungsmaklerrings ÖVM, im Gespräch mit AssCompact Herausgeber Franz Waghubinger.

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