Zurich Österreich will im Maklergeschäft wachsen, Prozesse vereinfachen und zugleich die persönliche Betreuung stärken. René Unger, CEO der Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft, Maklervertriebsleiter Sandro Pichorner und Vertriebsvorstand Erwin Mollnhuber sprechen über die strategische Bedeutung des Maklervertriebs, regionale Strukturen, Digitalisierung und Service sowie die Auswirkungen der Konsolidierung auf die Zusammenarbeit mit Vermittlern.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 04.09.2026
Seit Jahresbeginn steht René Unger als CEO an der Spitze von Zurich Österreich. Bei der weiteren Ausrichtung setzt er auch auf den Austausch mit dem Maklervertrieb: „Wichtig war mir von Beginn an, gut zuzuhören – intern ebenso wie im Austausch mit unseren Maklerpartnerinnen und -partnern. Nur so erkennen wir, wo wir im Alltag noch einfacher, schneller und verlässlicher werden können. Unter meiner Führung soll Zurich noch stärker für partnerschaftliche Zusammenarbeit, Verlässlichkeit, moderne Servicequalität und klare Kundenorientierung stehen.“
Für Sandro Pichorner hat der Maklervertrieb dabei zentrale strategische Bedeutung. Persönliche Beratung bleibt aus seiner Sicht gerade angesichts neuer Risiken und steigender Anforderungen unverzichtbar: „Maklerinnen und Makler sind für viele Kundinnen und Kunden die wichtigsten Ansprechpartner bei komplexen Risiko- und Vorsorgefragen. In einem Markt, der durch Digitalisierung, neue Risiken und steigende Erwartungen geprägt ist, bleibt persönliche, unabhängige Beratung unverzichtbar. Wir wollen unsere Maklerpartner im Alltag bestmöglich unterstützen – mit hochwertigen Produkten, klaren Zuständigkeiten, regionaler Nähe, effizienten Prozessen und digitalen Services.“
Wachstum – aber nicht um jeden Preis
Mit dem Kurs „zurück zum Markt“ ist Zurich 2025 nach Angaben von Erwin Mollnhuber deutlich stärker als der österreichische Gesamtmarkt gewachsen. 2026 soll dieser Weg fortgesetzt werden – allerdings mit klaren Grenzen: „Auch 2026 verfolgen wir diesen Kurs weiter, allerdings nicht um jeden Preis, hier im wahrsten Sinne des Wortes. Rückenwind geben uns dabei auch die kürzlich veröffentlichten Halbjahresergebnisse der Zurich Insurance Group, die sehr stark ausgefallen sind und zeigen, dass Zurich international auf einem erfolgreichen Kurs ist. Wichtig dabei ist: Die Zurich Insurance Group wächst vor allem dort, wo wir gezielt wachsen wollen.“
Kritisch beurteilt Mollnhuber die derzeitige Preisentwicklung in der Kfz-Versicherung: „Das heurige Jahr in Österreich ist bisher geprägt von ‚einem Kampf um jeden Zehntelprozentpunkt Marktanteil‘. Das führt zu einem Preis/Leistungsverhältnis, insbesondere in der Sparte Kfz, das sich außerhalb jeder wirtschaftlichen Vernunft bewegt – und hier werden wir uns nicht beteiligen! Wir bemühen uns, kompetitive Prämien zu sehr guten Deckungskonzepten anzubieten und damit ein entsprechendes Prämienwachstum zu lukrieren.“
Regionale Nähe und weniger Administration
Im Maklervertrieb setzt Zurich auf die Regionen Ost, Mitte und West. Sandro Pichorner sieht darin die Möglichkeit, unterschiedliche Marktgegebenheiten stärker zu berücksichtigen und zugleich österreichweit einheitliche Standards sicherzustellen: „Maklerinnen und Makler arbeiten in unterschiedlichen Märkten mit eigenen Kundengruppen, Strukturen und Anforderungen. Wer diese Unterschiede kennt, kann schneller, gezielter und praxisnäher unterstützen. Mit der Gliederung in Ost, Mitte und West schaffen wir klare Zuständigkeiten, kürzere Wege und mehr Verbindlichkeit.“
Daneben sieht Pichorner Potenzial, Vermittler bei administrativen Aufgaben stärker zu entlasten: „Die größten Hebel liegen dort, wo wir unsere Vertriebspartner im Tagesgeschäft spürbar entlasten: bei klaren Prozessen, schnellen Entscheidungen, weniger Schnittstellen und besseren digitalen Anbindungen. Unser Ziel ist, dass Maklerinnen und Makler weniger Zeit mit Administration verbringen und mehr Zeit für Beratung und Kundenbetreuung haben.“
Schadenservice zwischen Digitalisierung und persönlichem Kontakt
Zurich hat im Schadenbereich spezialisierte Einheiten für Standardfälle, mittlere Schäden und komplexe Spezialfälle geschaffen. Weitere Verbesserungsmöglichkeiten sieht Erwin Mollnhuber insbesondere bei Abläufen und Information: „Für Maklerinnen und Makler zählen vor allem Transparenz, Verlässlichkeit und einfache Wege. Weitere Potenziale sehen wir bei einfacheren Schadenmeldungen, weniger Medienbrüchen, transparenteren Statusinformationen und schnellerer Abwicklung standardisierter Fälle. Bei komplexen oder sensiblen Schäden bleibt der persönliche Austausch entscheidend.“
Technologie soll entlasten, nicht ersetzen
Auch René Unger sieht den Nutzen der Digitalisierung vor allem dort, wo sie Freiräume für Beratung und persönliche Betreuung schafft: „Technologie soll die Arbeit von Maklern und Versicherern einfacher, schneller und transparenter machen. Sie kann Routineaufgaben abnehmen, Standardprozesse beschleunigen und Raum für qualifizierte Beratung, persönliche Begleitung im Schadenfall und langfristige Kundenbeziehungen schaffen. Digitalisierung und persönliche Betreuung sind daher keine Gegensätze: Digitale Lösungen sollen entlasten, aber nicht die persönliche Beziehung ersetzen.“
Mit neuen Risiken und technologischen Entwicklungen verändern sich nach Einschätzung Ungers auch die Anforderungen an Makler: „Für Maklerinnen und Makler wird ihre Rolle als vertrauenswürdige Berater noch wichtiger – mit neuen Anforderungen an Risikoverständnis, digitale Kompetenz und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären. Unsere Aufgabe ist es, diese Transformation gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern zu gestalten – mit verlässlichen Lösungen, moderner Infrastruktur und einem offenen Ohr für die Praxis.“
Konsolidierung verändert die Anforderungen
Zusammenschlüsse, Nachfolgethemen und größere Maklereinheiten verändern auch die Zusammenarbeit zwischen Vermittlern und Versicherern. Mollnhuber sieht vor allem bei größeren Strukturen neue Anforderungen: „Größere Maklerstrukturen arbeiten stärker spezialisiert und erwarten leistungsfähige Schnittstellen, hohe Datenqualität, schnelle Entscheidungen und verlässlichen Service. In Deutschland sehen wir bereits eine stärkere Konsolidierung, auch durch Private-Equity-Investoren. Ob sich diese Entwicklung in Österreich in gleicher Form fortsetzt, bleibt abzuwarten.“
Persönlich und digital: unterschiedliche Anforderungen im Maklermarkt
Für Sandro Pichorner werden persönliche Betreuung und digitale Unterstützung künftig noch enger zusammenspielen: „Künftig werden persönliche Betreuung und digitale Unterstützung noch stärker zusammenspielen. Unser Anspruch ist es, gemeinsam nachhaltig zu wachsen und Zurich als verlässlichen, modernen und partnerschaftlichen Versicherer weiter zu positionieren. Ein regelmäßiger Austausch auf Augenhöhe ist uns wichtig.“
René Unger zieht die Grenze für den Einsatz digitaler Lösungen dort, wo die persönliche Beziehung zum Kunden gefragt ist: „Digitalisierung und persönliche Betreuung sind daher keine Gegensätze: Digitale Lösungen sollen entlasten, aber nicht die persönliche Beziehung ersetzen. Unser Anspruch ist klar: Standardprozesse so einfach und digital wie möglich, Beratung und Betreuung so persönlich wie nötig.“
Für Erwin Mollnhuber stellt sich diese Verbindung je nach Größe und Struktur der Maklerbetriebe unterschiedlich dar: „Für unsere Vertriebsstrategie heißt das: Wir müssen skalierbare digitale Lösungen für größere Strukturen ebenso bieten wie verlässliche persönliche und regionale Begleitung für kleinere und mittlere Maklerbetriebe. Deshalb setzen wir auf klare Zuständigkeiten, den Ausbau digitaler Services und Schnittstellen sowie eine starke regionale Struktur.“
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Foto oben v.l.n.r.:Maklervertriebsleiter Sandro Pichorner , Vertriebsvorstand Erwin Mollnhuber, und CEO René Unger; Zürich Versicherungs-Aktiengesellschaft
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