Eine österreichweite Studie von krankenversichern.at zeigt Schwierigkeiten beim Zugang zu Kassenärzten. Grundlage sind 1.112 verifizierte Rückmeldungen von Kassenordinationen in ganz Österreich. Über alle untersuchten Fachrichtungen hinweg weist rund jede dritte Ordination einen Aufnahmestopp für neue Patienten auf.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 09.06.2026
Für die Studie wurden zwischen 18. Mai und 5. Juni 2026 insgesamt 1.112 Kassenordinationen in allen neun Bundesländern und 14 Fachrichtungen befragt. Der Median der Aufnahmestopps liegt bei 31,8%. In der typischen Fachrichtung nimmt damit rund jede dritte Kassenordination keine neuen Patienten mehr auf.
Besonders betroffen sind laut der Erhebung Dermatologie und Gynäkologie. In diesen Fachrichtungen nehmen 65,9% beziehungsweise 65,2% der Ordinationen keine neuen Patienten auf.
Auch in anderen Fachbereichen sind Aufnahmestopps weit verbreitet. Bei HNO-Ärzte liegt der Anteil bei 36,9%, in der Psychiatrie bei 33,3% und in der Orthopädie bei 32,4%.
Hausärzte ebenfalls betroffen
Selbst bei Allgemeinmedizinern, wo der Zugang vergleichsweise am ehesten gelingt, nehmen laut Studie 36,7% der Kassenordinationen keine neuen Patienten mehr auf.
Die niedrigsten Werte wurden in der Radiologie mit 14,9% sowie in der Neurologie mit 23,9% erhoben. In der Pädiatrie und Pulmologie liegt der Anteil der Aufnahmestopps jeweils bei 25,3%.
Sebastian Arthofer, COO von krankenversichern.at:
"Wenn in der typischen Fachrichtung rund jede dritte Kassenpraxis keine neuen Patienten mehr aufnimmt und in manchen Fächern sogar zwei von drei, dann reden wir nicht über Einzelfälle, sondern über ein strukturelles Kapazitätsproblem. Für Patienten heißt das: längere Wege, längeres Warten – oder der Schritt zur privaten Versorgung beim Wahlarzt."
Studie sieht strukturelle Ursachen
Als Gründe für die Aufnahmestopps nennt die Studie unter anderem die bewusste Begrenzung von Patientenzahlen zur Sicherung der Behandlungsqualität, die steigende Nachfrage aufgrund einer alternden Bevölkerung sowie ein sinkendes Angebot durch unbesetzte Kassenstellen und den Wechsel von Ärzte in den Wahlarztbereich.
Die Datenerhebung erfolgte mittels standardisierter Anfragen als neu zugezogene Patienten mit telefonischem Nachfassen. Bei einer Stichprobe von 1.112 Ordinationen gibt krankenversichern.at die Schwankungsbreite mit ±2,6 Prozentpunkten an.
Foto oben: Sebastian Arthofer, COO von krankenversichern.at
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