Rechtliche Auseinandersetzungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Anforderungen im Forderungsmanagement verändern die Rolle von Rechtsschutzlösungen. Christian Noisternig, Vorstand für Vertrieb und Marketing der ERGO Versicherung, und Gerd Plank, Key Account Manager Rechtsschutz, sprechen über strategische Entwicklungen im Firmenrechtsschutz, neue Serviceansätze und die Bedeutung partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern.
Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 19.06.2026
Unternehmen sind laut ERGO heute deutlich stärker mit rechtlichen Risiken konfrontiert als noch vor einigen Jahren. Dabei gehe es längst nicht mehr nur um einzelne Streitfälle, sondern um die Stabilität von Geschäftsbeziehungen und wirtschaftlichen Abläufen.
„Früher wurde Rechtsschutz oft als ,nice to have‘ gesehen. Heute sprechen wir von einem zentralen Bestandteil unternehmerischer Risikosteuerung. Was sich verändert hat, ist die Geschwindigkeit und Intensität von Konflikten. Unternehmen sind heute viel stärker vernetzt, Geschäftsbeziehungen komplexer und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen volatiler. Rechtsschutz ist daher mehr als nur eine Absicherung für den Ernstfall – er ist ein aktives Steuerungsinstrument. Unser Anspruch bei ERGO ist es, nicht nur Kosten zu übernehmen, sondern Lösungen zu entwickeln, die Unternehmen in ihrem Alltag tatsächlich unterstütze“, schildert Christian Noisternig.
Auch in der Beratungspraxis beobachtet Gerd Plank, dass wirtschaftliche Risiken und rechtliche Themen zunehmend ineinandergreifen. Gerade bei offenen Forderungen würden Konflikte schneller weitreichende Folgen nach sich ziehen: „Viele Unternehmen unterschätzten, wie schnell aus einem vermeintlich kleinen Thema ein ernsthaftes wirtschaftliches Risiko werden kann. Ein gutes Beispiel ist der Zahlungsverzug: Was früher als unangenehme Verzögerung wahrgenommen wurde, kann heute – in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld – rasch eine Kettenreaktion auslösen. Fehlt Liquidität, geraten eigene Zahlungsverpflichtungen unter Druck, Lieferketten werden instabil, Projekte verzögern sich. Genau an dieser Schnittstelle zwischen wirtschaftlicher und rechtlicher Risikosteuerung zeigt sich der strategische Wert eines gut aufgestellten Firmenrechtsschutzes.“
Unterstützung im Forderungsmanagement
Ein weiterer Schwerpunkt liegt laut Noisternig im professionellen Umgang mit offenen Forderungen. Dabei spiele die frühzeitige rechtliche Einschätzung eine zentrale Rolle: „Offene Forderungen sind dabei oft nicht nur ein finanzielles Thema, sondern auch eine Frage der richtigen Strategie im Umgang mit Geschäftspartnern. Unternehmen fragen sich häufig, wann sie eine Forderung konsequent verfolgen sollten und wann es sinnvoller ist, zunächst nach einer außergerichtlichen Lösung zu suchen. Wir setzen auf erfahrene Partneranwälte, die gezielt auf außergerichtliche Lösungen hinarbeiten. In vielen Fällen kann so bereits innerhalb eines halben Jahres eine Einigung erzielt werden – im Gegensatz zu Gerichtsprozessen, die im Schnitt dreieinhalb Jahre dauern.“
Flexible Lösungen bei Streitwertgrenzen
Im Firmenrechtsschutz beobachtet ERGO zunehmend Fälle, bei denen vereinbarte Streitwertgrenzen rasch überschritten werden. Unternehmen würden dadurch häufiger vor der Frage stehen, wie Ansprüche trotz steigender Kosten durchgesetzt werden können.
„Das klassische Alles-oder-Nichts-Prinzip passt aus unserer Sicht nicht mehr in die Realität vieler Unternehmen. Streitwerte bewegen sich heute deutlich schneller über den gewählten Grenzen – und eine reine Leistungsablehnung führt verständlicherweise zu Unmut. Unsere Vertragspartner profitieren von drei Säulen der Streitwertüberschreitung: Erstens von einer automatischen Vorsorgedeckung in Höhe von 10% bei jedem Streitfall. Zweitens von der Möglichkeit einer 100%igen Streitwertüberschreitung in Extremfällen – alle fünf Jahre. Drittens von unserem zusätzlichen Schutzschirm Streitwert PROTECT“, meint Plank.
Noisternig sieht darin einen stärker planbaren Zugang im betrieblichen Vertrags-Rechtsschutz. „Mit Streitwert PROTECT erhalten unsere Kundinnen und Kunden im betrieblichen Vertrags-Rechtsschutz bei einer Streitwertüberschreitung immer eine anteilige Kostenübernahme – im Gegensatz zum Alles-oder-nichts-Prinzip. Auch wenn wir nicht alle Kosten abdecken können, leisten wir unseren Beitrag und übernehmen Verantwortung. Eine Überschreitung der Streitwertgrenze führt daher nicht mehr automatisch zur Leistungsablehnung, und unsere Kundinnen und Kunden können ihre Ansprüche konsequent durchsetzen.“
Service und rechtliche Unterstützung im Alltag
Neben klassischen Deckungsleistungen gewinnen laut Plank Serviceangebote und schnelle juristische Unterstützung zunehmend an Bedeutung. Rechtsschutz werde stärker als laufende Unterstützung im Alltag verstanden: „Das größte Innovationspotenzial im Rechtsschutz liegt aus meiner Sicht darin, den Fokus stärker vom reinen Schadenfall hin zu einer umfassenden rechtlichen Unterstützung im Alltag zu verschieben. Moderne Rechtsschutzlösungen sollten früher ansetzen und Kundinnen und Kunden bereits in einer sehr frühen Phase Orientierung bieten. Schnelle juristische Beratung, einfache Zugänge zu rechtlicher Unterstützung und digitale Möglichkeiten, um Fragen unkompliziert klären zu können, werden künftig eine noch größere Rolle spielen.“
Noisternig zufolge gehe es dabei vor allem um rasche Unterstützung und einfache Zugänge zu juristischer Expertise: „Unser Ziel ist es, den Rechtsschutz vom klassischen ,Kostenübernehmer im Streitfall‘ zu einer echten Unterstützung im Alltag weiterzuentwickeln. Gerade im Firmenbereich ist es entscheidend, dass Unternehmen schnell und unkompliziert Zugang zu juristischer Expertise erhalten – noch bevor sich ein Konflikt verfestigt hat. Mit unserem RechtsService von ERGO ermöglichen wir genau diese niederschwellige und rasche Erstunterstützung.“
Vertriebspartner als wichtiger Erfolgsfaktor
Plank sieht im Austausch mit Maklern und Vertriebspartnern eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung von Rechtsschutzlösungen. Rückmeldungen aus der Beratungspraxis würden wesentlich dazu beitragen, neue Anforderungen frühzeitig zu erkennen. „Unsere Makler und Vertriebspartner sind für uns ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor. Sie sind sehr nah an unseren Kundinnen und Kunden, kennen die konkreten Herausforderungen im Alltag und erkennen frühzeitig, wo sich Bedürfnisse verändern. Viele Impulse für unsere Weiterentwicklung kommen direkt aus der Beratungspraxis.“
Für die kommenden Monate kündigt Noisternig einen weiteren Fokus auf Unterstützung und persönliche Zusammenarbeit im Vertrieb an. „Unsere Vertriebspartner können sich auch weiterhin auf eine verlässliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit uns verlassen. Uns ist wichtig, dass wir nicht nur mit starken Produkten überzeugen, sondern auch im täglichen Miteinander spürbaren Mehrwert bieten. Denn am Ende entscheidet nicht nur das Produkt, sondern vor allem die Qualität der Zusammenarbeit. Vertrauen, Kompetenz und ein gemeinsames Verständnis für die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden stehen für uns klar im Mittelpunkt.“
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Foto oben v.l.n.r.: und Gerd Plank, Key Account Manager Rechtsschutz, und Christian Noisternig, Vorstand für Vertrieb und Marketing der ERGO Versicherung
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