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Digitale Kundendaten: „Makler sollen die Wahl haben“
22. Juni 2020

Digitale Kundendaten: „Makler sollen die Wahl haben“

So mancher Versicherungsmakler bewertet die jüngsten Bestrebungen von Versicherern, Kontaktdaten direkt an die Versicherer weiterzugeben kritisch. Die Maklerschaft befürchtet, dass Versicherer direkt mit den Kunden in Kontakt treten und sehen ihr Geschäftsmodell gefährdet (AssCompact berichtete). Claudia Schlosser, Leiterin ungebundener Vertrieb der Allianz Elementar Versicherungs-AG stellt nun im Gespräch mit AssCompact eine Lösungsstrategie vor, die allen zugute kommen soll.


„Ein gutes Verhältnis mit unseren Maklervertriebspartnerinnen und -partnern ist für uns maßgeblich. Daher haben wir das Gespräch mit Standesvertretern gesucht und gemeinsam Lösungen diskutiert, die für alle passen und vor allem den Kundinnen und Kunden zugutekommen. Ich freue mich, dass diese Gespräche so zielführend waren: Unsere Maklerpartnerinnen und -partner haben im Privatkundenbereich die Wahlmöglichkeit und können ab sofort entweder ihre eigenen Kontaktdaten angeben oder die des Kunden bzw. der Kundin. Ein entsprechendes Auswahlfeld in der IT stellen wir in wenigen Wochen zur Verfügung. Ziel ist es, den Anforderungen der Kundinnen und Kunden nachzukommen und diese verlangen vor allem eins: Schnelligkeit, besonders im Schadenfall. Ich freue mich, dass wir zusammen an der Lösung „Schadenprozess für Privatkundinnen und -kunden“ arbeiten werden und bin überzeugt davon, dass sie uns ermöglichen wird, gemeinsam erfolgreich zu sein“, so Claudia Schlosser.

Dunkelverarbeitung: „Es ist wichtig, dass die Informationen vollständig sind“

Weiters betont sie, dass eine Vereinfachung des Gesamtprozesses und somit eine schnellere Bearbeitung, unter anderem durch eine vollständige und lückenfreie Dateneingabe, gewährleistet ist.

„Gerade bei der „Dunkelverarbeitung“ ist es wichtig, dass die Informationen vollständig sind. Wenn wichtige Daten fehlen, kann der Bearbeitungsprozess erschwert und vor allem verlangsamt werden. Diese Daten sollten von den Maklerinnen und Maklern bereits während des Beratungsgesprächs vollständig (in die jeweiligen Tools) eingegeben werden. So gehen bis zur Polizzenerstellung keine wichtigen Informationen verloren und die Polizze kann direkt ohne Kontrolle an die Kundinnen und Kunden weitergeleitet werden. Das würde den Gesamtprozess vereinfachen und einen schnelleren Ablauf garantieren. Eine Überleitung der Daten über Antragsschnittstelle bzw. unser Antragstool wäre wünschenswert“, so Schlosser.

Das gesamte Interview lesen Sie in der AssCompact Juli-Ausgabe.



Kommentare

von Walter Michael Fink am 22.06.2020 um 14:50 Uhr
Das "digitale Wahlrecht" für Versicherungsmakler, die eigenen Daten einzutragen oder die des Kunden, ist in Wahrheit eine weitere Attacke. Dieses Mal gegen Makler und Kunde. Damit wird unverändert das Vertretungsrecht des Versicherungsmaklers unterlaufen, unter dem Vorwand, Schäden rasch zu erledigen, den schwächeren Rechtspartner, den Versicherungsnehmer gegen den Versicherungsmakler auszubooten. Um durch die Allianz direkt angebliche "Ablösewünsche" des Kunden zu erfüllen. Wer zu dem eine Vollmacht des Kunden hat, und das sollten alle Makler haben, stürzt den Makler in Haftungsprobleme gegenüber dem eigenen Kunden. Makler, die ohne schriftlichen Auftrag des Kunden und ohne Vollmacht tätig sind, verursachen Standesprobleme. Das ist der Allianz offensichtlich nicht nur egal, sondern willkommen. Außerdem stiehlt die Allianz dem Makler Arbeitszeit, Daten einzutragen, die die Allianz ohnehin vom Vermittler hat. Die Allianz hat die Schadenabwicklung an eine private Firma ausgelagert. Dort sind manche "Sachverständige" unterwegs, die dem Kunden Angebote bis zu 90% unter dem tatsächlichen Schadenersatzwert anbieten. Und bevollmächtigte Versicherungsmakler beim Geschädigten als zu teuer disqualifizieren, kurz verleumden. Es ist ein kardinaler IDD-Gesetzesfehler, die Schadenerledigung dem Freien Gewerbe die Tür zum Schaden der Betroffenen zu öffnen. Manche Versicherer bedienen sich dieser Fehlgestaltung, in dem sie den Makler, der doch ein Vertragspartner ist, ganz offen versuchen, zu eliminieren. Letztlich schadet die Allianz sich selbst. Denn Ablösen als Unternehmensziel unterlaufen den Sinn der eigenen Vertragsbedingungen. Ja den Sinn des VersVG. Warum überhaupt eine Polizze, wenn ohne hin im Schadensfall gewürfelt wird. Willkommen im Radio-Allianz-Wunschkonzert.

von Michael Peter W... am 22.06.2020 um 16:40 Uhr
Den Ausführungen von Herrn Fink ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen und ich stimme vollinhaltlich zu. Leider hat es auch schon Ablöseversuche anderer großer Unternehmen direkt beim Kunden gegeben, daher hat sich mein Büro bereits vor geraumer Zeit entschlossen, keine Kontaktdaten des Kunden an die Versicherer zu übermitteln.



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